2010/11/26

Grundbegriffe der Biologie III


In jüngster Zeit sind wieder die ethischen Diskussionen um die Präimplantationsdiagnostik aufgeflammt. Man scheint komplett vergessen zu haben, zu welchen Ergebnissen man bisher schon gekommen war und vor allem warum. Darum nun eine Erinnerung an den wesentlichsten Punkt. Die Präimplantationsdiagnostik steht nur nach einer künstlichen Befruchtung zur Verfügung, bevor die befruchtete Eizelle in die werdende Mutter eingesetzt wird. Das will der Name der Methode aussagen. Künstliche Befruchtung ist nicht immer erfolgreich. Daher machen die Reproduktionsmediziner mehrere Versuchsansätze. Falls der Versuch dann doch erfolgreich ist, stehen oft um die fünf Klone des gewünschten Kindes zur Verfügung, die der werdenden Mutter eingesetzt werden können. Die Klone werden hergestellt, indem der Embryo nach den ersten Zellteilungen zerteilt wird. Bis zum Stadium von acht oder sechzehn Zellen überlebt er das schadlos und stattdessen entstehen zwei neue Embryonen, die eine Zellteilung hinter dem Zeitplan sind. Das schadet keinem der Embryonen, aber es sind auf jeden Fall zwei menschliche Wesen. Eineiige Zwillinge entstehen auf natürlichem Weg, aber auf die selbe Weise! Die Klone erhöhen die Anzahl der Versuche, die der Reproduktionsmediziner zur Verfügung hat. Schon die künstliche Befruchtung war früher umstritten, weil der Reproduktionsmediziner nach einer erfolgreichen Schwangerschaft entscheiden muß, was mit den übriggebliebenen Klonen, die ja ebenfalls menschliche Embryonen sind, geschehen soll. Zunächst mal sind sie mit und in flüssigem Stickstoff tiefgeforen. Solange sie nur aus einer oder ganz wenigen Zellen bestehen, überleben sie das.

Manche Mediziner hätten gerne die übriggebliebenen Embryonen für Forschungszwecke zur Verfügung gehabt. Aber weil es nunmal menschliche Embryonen sind, also auch Menschen, darum galt und gilt das als unethisch und wurde verboten. Aus dem gleichen Grund wurde es verboten die Embryonen wie Müll zu entsorgen. Was mit ihnen geschehen soll, ist noch immer ein Rätsel. Erstmal werden sie zwischengelagert wie Atommüll, nur aufwendiger, vielleicht irgendwann auch endgelagert. Für manche Klone hätte man eine Verwendung, nämlich indem man sie auf genetische Schäden untersucht. Aber die Forschung an menschlichen Embryonen soll doch nicht stattfinden? Stimmt zwar, aber es gibt eine Möglichkeit das zu umgehen. Nämlich dadurch, daß die Präimplantationsdiagnostik erlaubt würde.

Der Embryo, der der werdenden Mutter eingesetzt wird, kann nicht auf genetische Schäden untersucht werden, weil die zu untersuchende Zelle dabei zerstört werden muß. Aber der noch einzusetzende Embryo besteht erst aus einer Zelle, der sogenannten Zygote. Stellte man damit genetische Untersuchungen an, dann hätte man den menschlichen Embryo unwiderruflich getötet und zwar noch bevor eine einzige Erkenntnis aus der Untersuchung gewonnen werden könnte. Man kann den einzusetzenden Embryo also nicht auf diese Weise untersuchen. Bei der Präimplantationsdiagnostik verwendet man einen Klon des Embryos, also ebenfalls einen menschlichen Embryo, ein Geschwister des einzusetzenden Kindes. Den bringt man um und schließt aus den Untersuchungsergebnissen auf den genetischen Zustand des einzusetzenden Embryos zurück. Weil man also, um auf den genetischen Zustand eines Menschen zu schließen, einen anderen Menschen töten muß, darum wurde die Präimplantationsdiagnostik als unethisch angesehen und verboten. Jetzt ist es schon wieder fraglich, ob man ungestraft Menschen töten darf! Vielleicht ist es aber auch nur noch fraglich, ob man auch zu Forschungszwecken ungestraft Menschen töten darf, und andere Gründe sind schon allgemein akzeptiert.

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