2010/10/10

Die Bewegung Zhèng-Míng (正名)


Zhèng-Míng (正名) ist ein Begriff aus dem klassischen Chinesischen, stammt von Konfuzius und wird mit „Richtigstellung der Bezeichnungen“ übersetzt. Schon vor ungefähr zweitausendfünfhundert Jahren gab es bereits arrogante Mächtige, die Sachverhalte so lange umbenannten bis die neuen Bezeichnungen die moralische Verwerflichkeit der Taten der Mächtigen verdeckten. Obwohl ihre Macht unbezweifelbar war — schließlich konnten sie auch die neuen Bezeichnungen festlegen — konnten sie es sich doch nicht leisten das chinesische Volk aus moralischen Gründen gegen sich aufzubringen. Also spielten sie der wenig gebildeten Bevölkerung etwas vor, so daß sehr vieles nur aus Unverständnis akzeptiert wurde. Aber es wurde akzeptiert. Ganz genau so wie Ähnliches heute im deutschsprachigen Raum (und weit darüber hinaus) von Politdarstellern inszeniert wird. Die Methode ist die Gleiche, das Problem ist das Gleiche, die möglichen Gegenmaßnahmen sind die Gleichen, aber leider sehr wenige. Die Gefahren sind heute jedoch um ein Ungleiches größer, weil es heute viel gefährlichere und für Mißbrauch anfällige Technik gibt.

Gegen die Arroganz der Macht, die unsere Politkaste an den Tag legt, hilft es nicht besonders sich für direkte Demokratie einzusetzen. Das ist zwar ein wichtiges Ziel, aber auf dem Weg dahin scheint es keinen einzigen Schritt voranzugehen. Unsere gesamte Volkswirtschaft ist ein Spielball der Spekulanten und infolgedessen verbreitet sich Armut in angeblich reichen Ländern. Das Geldsystem zu reformieren wäre eine sinnvolle Gegenmaßnahme, aber das ist seit über hundert Jahren bekannt und trotzdem wird auf dem Gebiet nichts erreicht. Man könnte noch an manchem mehr, das im Argen liegt, herumschrauben. Aber nirgends geht es voran. Es scheitert oft schon an der Kommunikation unter den Wenigen, die sich für Veränderungen einsetzen. Sie wird gezielt von den Mächtigen, von den Gewinnern unseres verkommenen Systems sabotiert. Die Zerstörung der deutschen Sprache (dazu gibt es hier schon einige Artikel und es sollen noch mehr werden) wurde schließlich nicht grundlos in die Wege geleitet. Sprache und Philosophie sind sogar das Gleiche. Man erkennt das leicht, indem man die Philosophie der Alten Griechen, auf der die gesamte abendländische Philosophie basiert, mit der der Inder und der der Chinesen vergleicht. Indische und abendländische Philosophie sind sich sehr ähnlich, weil sie beide von Sprechern indogermanischer Sprachen entwickelt wurden. Die chinesische Philosophie unterscheidet sich sehr davon, weil die chinesische Sprache einer anderen Grammatik folgt. (Dazu vielleicht einmal mehr in einem anderen Artikel.) Sprache ist nicht einfach nur ein Mittel zur Verständigung. Ein Mittel zur Verständigung zu zerstören ist an sich schon schlimm genug. Aber eine Sprache ist ein Speicher für die Weisheit und die Erfahrungen eines Volkes. Eine Sprache ist geprägt durch Geschichte, Geographie, Literatur und Religion. Das macht sich in Sprichwörtern und Redewendungen bemerkbar. Oft lassen sich Sätze nicht direkt von einer Sprache in eine andere übersetzen. Durch die Zerstörung der deutschen Sprache wird dem gesamten Mitteleuropa der gesunde Menschenverstand weggenommen. Dagegen gilt es sich zu wehren. Nur wenn die Gegenwehr dagegen erfolgreich ist, dann lassen sich die schlimmsten Politpossen verhindern.

Heute weiß jeder wie wichtig Bildung ist. Heute kann jeder sich öffentlich äußern und sei es nur durch das Netz. Darum kann heute jeder an der allgemeinen Bildung mitwirken. Oft werden bereits Artikel der Presse durch Kommentare und Foren dazu korrigiert oder durch Fachwissen bereichert, das der Fachpresse völlig fehlt. An Schulen und Universitäten findet Bildung heute praktisch nicht mehr statt, an Schulen hat sie das vermutlich auch nie. Hauptsächlich im Netz werden Informationen ausgetauscht und Wissen verbreitet, hauptsächlich übers Netz werden Projekte organisiert, Fachmeinungen eingeholt, diskutiert, Dokumente erstellt und korrigiert. Aber auch bezahlte Meinungen und als Fachinformationen getarnte Werbung werden heute über das Netz verbreitet. Leider werden die zu selten als das erkannt, was sie sind. So wird immer wieder Unsinn zitiert. Natürlich ist es weiterhin richtig, Zitate unverfälscht weiterzugeben. Oft wird darauf mit einem sic! in Klammern dahinter hingewiesen, sogar wenn das völlig unnötig ist. Wer Unsinn als solchen erkennt und den richtig stellen möchte, konnte bisher nicht auf ähnlich auffällige Weise darauf hinweisen. Aber das ist nun endlich anders. Statt sic! schreiben wir in so einem Fall 正名! Endlich können viele gebildete Leute auf richtiggestellte Bezeichnungen hinweisen, wie es zu Konfuzii Zeiten nur er selbst konnte. Alleine konnte er natürlich nicht viel bewirken. Aber jetzt sollte sich das endlich ändern. Das sogar endlich überall auf der Welt. Niemand sollte mehr mit der Verbreitung von Falschinformationen (wie es leider auch die zur Adminpedia verkommene Wikipedia immer wieder tut) davonkommen können. Statt Friedenseinsatz (sic!) schreibe man nun militärische Mission (正名!)! Statt günstiger Atomstrom (sic!) schreibe man nun hochsubventionierter (正名!) Atomstrom! Oder noch besser günstiger (sic!) ==  hochsubventionierter (正名!) Atomstrom! Allgemein schreibe man x (sic!) == u (正名!)! Zumindest sind inzwischen auch manche Unsinnverbreiter dazu übergegangen den hochsubventionierten Atomstrom als günstig zu bezeichnen, was das Gegenteil von teuer ist, anstatt als billig, was nur das Gegenteil von hochwertig wäre. Ein Widerspruch in sich wäre der Ausdruck „friedliche Nutzung der Atomenergie“. Da läßt sich auch nichts mehr korrigieren. Man kann da nur noch darauf hinweisen, daß alle Staaten, die Kernspaltung betreiben, Pläne für atomare Bewaffnung haben oder irgendwann hatten. Aus keinem anderem Grund würde sich jemals jemand mit so einer absurd riskanten Technologie abgeben. Atomphysiker schon gleich überhauptgarnicht.

Viele Dinge, die noch richtigzustellen wären, könnte ich noch aufzählen. Aber es gibt keinen Anlaß, das Rad (schon wieder) neu zu erfinden. Es gibt bereits viele Richtigstellungen im Netz zu finden, obwohl noch niemand durch das einfache und elegante, sowie weltmännische 正名! darauf hinweist. Zum Beispiel findet man Gegenüberstellungen vieler richtiger und dazugehörender falscher Begriffe, wenn man unter diesem Link nach Beiträgen von BaldurWeissenfels sucht, der im übrigen nichts mit dem Blök hier zu tun hat. Viele sollten falsche Begriffe auf ähnliche Weise durchschauen können. Aber noch viel zu wenige machen dann andere darauf aufmerksam. So kann das Volk immer weiter belogen und betrogen werden. Dabei ist die Abhilfe so einfach und erfordert nicht viel Aufwand. Macht einfach mit bei der 正名-Bewegung!

Der Blök Zhèng-Míng (正名) gibt Oriëntierung bei der Entwirrung der wichtigsten Begriffe, denn das ist sein eigentlicher Sinn und Zweck. Spätestens mit den Grundkenntnissen aus dem Blök Zhèng-Míng (正名) sollte man falsche Berichterstattung von richtiger und falsche Informationen von richtigen unterscheiden lernen können. Natürlich werden dafür noch einige Artikel mehr benötigt werden und es ist bedauerlich, daß hier nicht wirklich alle Begriffe erklärt werden können. Aber die Welt ist nunmal sehr komplex und sogar eine höchst unzuverlässige Enzyklopädie wie die Wikipedia hat tausende freiwilliger Mitarbeiter. Da muß sich ein kleiner, unbedeutender Blök auf die absolut notwendigsten Grundlagen beschränken. Eine Verbreitung der 正名-Bewegung durch das gesamte Netz könnte die Situation der gesamten Welt jedoch entscheidend verbessern. Kommt irgendwann mehr kein Politkasper mehr durch Lügengespinste zum Zuge, dann müßte Politik zwangsläufig für die Bürger gemacht werden, statt – wie bisher – immer nur gegen sie.