2010/09/20

Was ist eigentlich Regiogeld?


Die Notwendigkeit andere Zahlungsmittel als die gesetzlichen zu verwenden, spricht sich unter immer mehr Bürgern herum. Daher suchen an vielen Orten bereits Initiativen nach alternativen Zahlungsmitteln. Vor allem Bürger, die nicht genug gesetzliches Zahlungsmittel erlangen konnten und dennoch Zahlungen tätigen müssen, brauchen offensichtlich andere Zahlungsmittel. Deswegen haben Bürger Vereine gegründet, die eigene Zahlungsmittel produzieren und ihren Vereinsmitgliedern zur Verfügung stellen. Das Prinzip hat sich bereits in der Geschichte, insbesondere der deutschen und österreichischen, als erfolgreich erwiesen. Dadurch fühlten sich jedoch politische Fraktionen, die es – nett ausgedrückt – mit ihrem Volk nicht gut meinten, in ihrer Macht bedroht. Deswegen setzten sie Gesetze dagegen durch. Obwohl solche am Anfang der Naziherrschaft standen, sind sie immernoch in Kraft, so verbietet zum Beispiel das Bundesbankgesetz die Herstellung und Herausgabe von allem, was als Notgeld dienen könnte, also genau alles, was als Ersatz für tatsächlich fehlendes Geld dienen könnte.

Das Problem könnte leicht durch einsichtige Politiker gelöst werden, aber weil einsichtige Politiker seltener sind als lebende Einhörner besteht darauf keinerlei Aussicht. Darum braucht es andere Lösungen und eine solche wurde in Japan gefunden. Juristen unterteilen das Recht verschiedener Staaten in Rechtsfamilien. Das japanische Recht gehört der germanischen Rechtfamilie an. Das bedeutet im wesentlichen, daß die meisten japanischen Gesetze von den deutschen abgeschrieben wurden. Deswegen funktioniert die japanische Lösung auch nach deutschem Recht und seinen weiteren Verwandten. In der germanischen Rechtfamilie ist Geld nur dann solches, wenn es von jederman ohne örtliche oder zeitliche Beschränkung als Zahlungsmittel verwendet werden kann. Daher wurden alternative Zahlungsmittel in ihrer Gültigkeit auf Regionen und auf Vereinsmitglieder beschränkt. Solche Zahlungsmittel heißen Regiogelder. Aus rechtlicher Sicht sind Regiogelder kein Geld und deswegen legal.

Weil der Gültigkeitsbereich eines Regiogeldes beschränkt ist, sind Regiogelder oft nicht sehr bekannt und werden nur von wenigen Händlern akzeptiert. Deswegen versuchen die Herausgeber ihre Regiogelder mit anderen Vorteilen auszustatten, um die Akzeptanz zu erhöhen. Dazu zählt die sogenannte Regionalförderung. Es werden extra Gebühren für die Verwendung des Regiogeldes erhoben und mit denen werden Hilfen für andere Vereine in der Region bezahlt. Das führt natürlich in erster Linie zu einer Verteuerung der Verwendung des Regionalgeldes und damit eher zu einer noch weiteren Verringerung der Akzeptanz. Deswegen wird am häufigsten der Versuch unternommen, ein Regiogeld kursmäßig an das gesetzliche Zahlungsmittel zu koppeln. So wird zum Beispiel der Chiemgauer (das bekannteste unter den Regiogeldern) erworben, indem man dafür Euro hinblättert. Zusätzlich werden noch Gebühren fällig zur Förderung einer Region, an der Leute aus anderen Regionen nicht besonders interessiert sein brauchen. Um Chiemgauer und ähnliche Regiogelder zu bekommen, muß man also erstmal Euro zur Verfügung haben. Daraus folgt, daß so ein Regiogeld den Zweck ein nichtvorhandenes Zahlungsmittel zu ersetzen nicht erfüllen kann. Aus dem Grund bezeichnet man Regiogelder wie den Chiemgauer als verkleidete Euro. Sie zu verwenden bedeutet, daß man für die Kostümierung des Euro bezahlt. Daher ist es eher merkwürdig, daß so konstruierte Regiogelder überhaupt Akzeptanten finden. Das ist lediglich auf die Vermarktungsarbeit ihrer Herausgeber zurückzuführen, nicht darauf, daß sie irgendwelche Vorteile hätten.

Das heißt jedoch nicht, daß Regiogelder grundsätzlich ungeeignet wären fehlende Zahlungsmittel zu ersetzen. Sie müssen nur unabhängig von jeglichem gesetzlichen Zahlungsmittel in Umlauf gebracht werden und – um der sofortigen und völligen Entwertung vorzubeugen – auch wieder dem Umlauf entzogen werden. Aber die Frage wie man das macht, hat nichts damit zu tun, ob ein Zahlungsmittel nur regional eingesetzt wird oder nicht.

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