2010/09/12

Kali-yuga (कलियुग‌) III


Ein weiterer Beweis für den gesellschaftlichen und intelligenzmäßigen Zerfall, der ausschließlich im Kali-yuga (कलियुग‌) möglich ist, sind die Voraussetzungen der Transplantationsmedizin in der heutigen Form. Angeblich werden ja zu wenige Organe gespendet. Aber sehen wir uns doch zunächst an, was bereits getan wurde, um die Anzahl der „gespendeten“ Organe zu erhöhen.

Im Jahr Neunzehnhundertachtundsechzig wurde auf Hokkaidō (北海道) die erste Herztransplantation durchgeführt. Dabei gab es jedoch ein Problem. Nimmt man einem Menschen das Herz heraus, dann stirbt der spätestens daran. Also wäre das Mord. Deswegen darf man ein zu transplantierendes Herz nur einem bereits totem Menschen entnehmen. Das führt aber sofort zu einem weiteren Problem. Ein totes Herz in einen lebenden Menschen statt dessen eigenem Herzen einzusetzen führt zum Tod des Organempfängers. Das wäre Mord. Hätte man vorher also gründlich nachgedacht, dann wäre es nie zur Entwicklung der Transplantationsmedizin gekommen. Da man jedoch nicht gründlich nachgedacht hatte, versuchte man stattdessen das Problem zu lösen, wie man ein noch lebendes Herz aus einem schon toten Menschen herausbekommt. Das Problem war zum damaligen Zeitpunkt eigentlich unlösbar, da der weltweite Konsens bestand, daß ein Mensch dann tot war, wenn sein Herz nicht mehr schlug und nicht mehr zum schlagen zu bringen war, also dann wenn sein Herz tot war. Der Herztod bestimmte den Tod des Menschen und erst nach dessen Tod durfte man das Herz herausnehmen, das jedoch noch leben sollte, damit man es einem anderen Menschen implantieren konnte.

Moralisch degeneriert wie die Menschheit im Kali-yuga (कलियुग‌) nunmal ist, fand sie die Lösung darin die Definition des Todes, auf die sich Generationen von Wissenschaftlern und Philosophen über Jahrtausende einigen konnten, mal eben wegzuwischen und stattdessen definierten Juristen in Zusammenarbeit mit den Medizinern, die durch die Transplantationsmedizin sehr viel Geld verdienen wollten, daß der Mensch nun nicht mehr dann tot sei, wenn sein Herz tot sei, sondern dann, wenn sein Gehirn tot sei. Ein Gehirn ist schwieriger zu transplantieren als ein Herz, weil es viel mehr Nervenenden enthält.

Auf die Definition des Gehirntodes konnten sich Wissenschaftler, unter den anderen Berufsgruppen werden höchstens noch Juristen gefragt, nicht einigen. In Nordamerika reicht es, wenn das Großhirn nicht mehr aktiv ist, in Europa darf das gesamte Gehirn keine Aktivität mehr zeigen, damit ein Mensch als tot gelten kann. Aber sogar innerhalb eines Landes sind sich Mediziner nicht alle über die Definition des Gehirntodes einig, weswegen die Gesetzgeber die Regelung übernommen haben. Im Jahr Neunzehnhundertvierundsiebzig hat zum Beispiel die japanische Regierung den ersten Hirntodstandard herausgegeben, im Jahr Neunzehnhundertsiebenundneunzig hat sie das erste Transplantationsgesetz erlassen. Ja, irgendwie sind Fakten aus Japan leichter zu beschaffen als von anderswo her, und ja, die erste Herztransplantation im Jahr Neunzehnhundertachtundsechzig muß Mord gewesen sein, weil der Gehirntod als juristische Ausrede noch nicht definiert war.

Über eines sind sich Mediziner, besonders Pathologen und Rechtsmediziner, bis heute weltweit einig. Absolute Sicherheit über den Eintritt des Todes liegt erst dann vor, wenn Leichenflecken auftreten, was zwei bis drei Tage nach dem Eintritt des Todes der Fall ist. Als sich Menschen noch dafür fürchteten scheintot bestattet werden zu können, war eine dreitägige Leichenschau vorgeschrieben und zwar aus genau den wissenschaftlichen Erkenntnissen heraus. Obwohl man im Zeitalter der Transplantationsmedizin, wo fehlende Gehirnaktivität bereits ausreicht um für tot erklärt zu werden, sich viel mehr vor dem Scheintod fürchten müßte, fürchten sich heute nur noch Nordamerikaner davor. In Nordamerika werden aus dem Grund viele Särge mit Alarmanlagen ausgestattet. Aber dennoch gibt es die Transplantationsmedizin auch in Nordamerika und gerade da darf man Menschen, die lediglich keine Großhirnaktivität mehr aufweisen, Organe entnehmen.

Es wäre völlig absurd anzunehmen, daß solche Entwicklungen ohne massive finanziëlle Interessen dahinter möglich gewesen wären. Zwar dürfen Organspender kein Geld für die Opferung ihrer Organe (und ihres Lebens falls man weiterhin einer wissenschaftlichen Definition des Todeszeitpunktes anhängt) nehmen, aber es es ist trotzdem sehr verwunderlich, wenn sich Menschen dadurch darüber hinwegtäuschen lassen, daß Transplantationsmediziner und auch Juristen mit den Organen sehr viel Geld kassierten und weiterhin kassieren. Aber die finanziëllen Interessen hinter der Transplantationsmedizin, ebenso wie die politischen oder der Verdacht, daß Organspender von Ärzten früher aufgegeben werden als andere Patiënten (je schneller man die Organe aus einem Sterbenden herausholt und in den anderen Patiënten einsetzt, desto größer sind die Erfolgsaussichten einer Transplantation), lassen sich leider nicht so leicht beweisen wie die Geschichte der Definition des Todeszeitpunktes durch Tranplantationsmediziner und Juristen. Darum kann man sich bei jenen Punkten nur auf Instinkt und Intuition und die eigene Intelligenz verlassen, wenn man sich mit dem Thema beschäftigen muß, was in letzter Zeit wieder häufiger gefordert wird. Die Neudefinition des Todeszeitpunktes wäre ebenfalls weniger verdächtig und auffällig gewesen, falls sie durch Pathologen erfolgt wäre anstatt durch Transplantationsmediziner und Juristen.