2010/09/20

Entalphabetisierung VII


Schweizer Beamte sollen statt Vater oder Mutter jetzt das Elter sagen. Das ist fast keiner Erwähnung wert, weil man einerseits Vieles soll, das man nicht tut, und andererseits Beamtensprech sowieso kaum von deutschen Muttersprachlern verstanden wird, obwohl er genauso gut als Bereicherung der deutschen Sprache wahrgenommen werden könnte. Dafür müßte man jedoch die Möglichkeiten der eigenen Muttersprache kennen oder, besser noch, verstehen. Das scheint kaum noch irgendwo der Fall zu sein, weil die Entalphabetisierung unserer Gesellschaft voranschreitet. Sogar auf einem bekannten Forum, auf dem sich eher gebildete Leute tummeln und das sogar ein Anlaufpunkt für viele Recherchen (auch der der Hauptstrommedien) ist, zeugen die Reaktionen auf die neue Sprachregelung von tiefstem Unverständnis. Viel unverständlicher als die neue Sprachregelung sollte jedoch die verbreitete Reaktion darauf sein. Nicht nur erfinden Beamte ohnehin ständig neue Sprachregelungen, sondern gerade das Wort Elter ist keineswegs neu. Biologen benutzen es seit Jahrhunderten mit der allergrößten Selbstverständlichkeit. Warum auch nicht? „Die Eltern“ war schon immer nur der Plural von „das Elter“. Daran ist nichts merkwürdig oder bedenklich. Merkwürdig und sehr bedenklich ist dagegen, daß das heute nicht mehr ohne Erklärung allgemeinverständlich ist.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen