2010/06/28

Energiewende III


In der Solarbranche wird bereits viel Geld verdient. Am häufigsten wird daran kritisiert, daß die meisten Solarzellen inzwischen in China produziert werden. Da sie dort jedoch stark gefördert werden, in europäischen Ländern dagegen schwach bis garnicht, ist es nicht verwunderlich, daß die Solarzellen vorzugsweise in China produziert werden. Stimmt es also, daß die Branche in Wirklichkeit nur von Subventionen lebt? Um die Frage beantworten zu können, sehen wir uns zunächst die Situation in China genauer an.

China hat nicht nur viele Kohlekraftwerke (KKW), sondern auch schon über zwanzig Atomkraftwerke (AKW). Einige weitere Atomkraftwerke werden geplant oder befinden sich bereits im Bau. China scheint total verrückt nach der Atomkernspaltung zu sein. Das ist die Energieform, die die höchsten Subventionen überhaupt erfordert, schon alleine deswegen, weil keine Versicherung bereit ist, die vollständige Haftpflicht für ein Atomkraftwerk zu übernehmen. In China müssen sich die Betreiber darüber jedoch keine Sorgen machen, denn alle Geschädigten werden einfach mit ihren Problemen alleingelassen werden und auf den Kosten sitzenbleiben, höchstwahrscheinlich werden sie nichtmal erfahren, wenn ein Atomkraftwerk an einem Schadensfall schuld ist. Dadurch ist es plausibel, daß die chinesische Regierung auf die Atomkraft setzt. Aber in China werden nicht nur Atomkraftwerke gebaut, sondern nach wie vor viele KKW. Kohle spielt immernoch die wichtigste Rolle in der Energieversorgung Chinas. Das wird noch lange so bleiben, denn China verfügt über große Kohlevorkommen, obwohl China auch sehr viel Kohle importiert. Kohle wird vor allem in Australien im Tagebau abgebaut und daher ist australische Kohle viel preiswerter als chinesische. In China wird immernoch ein K(ohle)k(raft)w(erk) nach dem anderen gebaut, weil Kohle nach wie vor der preisgünstigste Rohstoff für die Energiebranche ist. Außerdem braucht China viel mehr Kohlekraftwerke als andere Länder, weil die Kraftwerke chinesischer Bauart einen viel geringeren Wirkungsgrad haben (nämlich nur siebenundzwanzig Prozent). Dabei gibt es Sonne und Wind auch in China umsonst. Zusätzlich gibt es sogar Entwicklungshilfe für China, zum Beispiel indem die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit viele Solarkraftwerke und Windkraftwerke in China baut oder zumindest bezahlt. Wasserkraft ist sowieso die traditionellste aller Energieformen in China, weswegen dort zahlreiche Umweltschäden durch den Bau vieler Staudämme verursacht wurden. Weil es so viele vormoderne Kraftwerksformen in China gibt, könnte man annehmen, daß Wind & Solar nur eine Alibifunktion erfüllen, nur ein grünes Feigenblatt sind, mit dem China der Welt zeigen will, daß es nicht hinter anderen Ländern zurücksteht, die ebenfalls Wind & Solar nur als Feigenblatt benutzen. Aber das stimmt einfach nicht. Die Chinesen zeigen auch bei den Windkraftanlagen und den Solarkraftwerken eine ähnlich rege Bautätigkeit wie bei den Kohlekraftwerken und bei den Atomkraftwerken. Wenn die Solarzellenhersteller sagen, daß sie in China einfach sehr viel näher an ihrem Absatzmarkt sind, dann darf man ihnen das glauben. Das stimmt nämlich. Nirgendwo sonst werden so viele Solarkraftwerke gebaut wie in China. Nirgendwo sonst ist die private Nutzung der Kraft der Sonne so verbreitet wie in China. Natürlich findet letztere hauptsächlich thermisch statt wie auch überall sonst auf der Welt. Trotz aller neuer Kraftwerke gibt es Orte in China, und zwar durchaus auch in den reichen Regionen, in denen es Elektrizität gerade mal eine Stunde pro Tag gibt. In den übrigen Stunden versorgen deren Kraftwerke weitere solche Orte. In China ist das Angebot an Elektrizität so unglaublich weit unterhalb der Nachfrage danach, daß es sich lohnt von jedem nur möglichem Kraftwerk so viele zu bauen, wie man nur kann. Zweistellige Wachstumsraten sind insbesondere in der chinesischen Energiebranche kein Wunder, weil die dort verfügbare Energie noch so gut wie garnicht nutzbar gemacht wurde. Dabei wäre dort sehr viel Energie nutzbar, weil China sowohl die höchsten Berge der Welt als auch Anteil an den Tropen hat, dadurch ließen sich Wind und Sonnenstrahlung so intensiv nutzen, wie fast nirgends sonst auf der Welt.

Es wäre also einfach dumm, Solarzellen nicht in China zu verkaufen. Da der Wirkungsgrad bisheriger Solarzellen recht gering ist, muß man viel Gewicht transportieren, um irgendwo ein Solarkraftwerk bauen zu können. Deswegen wäre es einfach dumm, Solarzellen nicht gleich in China zu produzieren, insbesondere weil dort die Rohstoffe dafür auch noch im Überfluß verfügbar sind. Die Bürokratiekosten sind auf jeden Fall geringer, weil jeder chinesischer Bürokrat sich des Energiemangels Chinas bewußt ist. Das die Lohnkosten in manchen Gegenden Chinas (schon lange nicht mehr in allen!) geringer sind als die in vielen europäischen Ländern, ist dagegen fast unbedeutend, obwohl es den Herstellern natürlich nicht schadet. Den Herstellern deswegen Vorwürfe zu machen, insbesondere den Vorwurf sich nicht selbst schaden zu wollen, ist bestenfalls seltsam. Es ist völlig unverständlich, wieso das überhaupt geschieht. China ist tatsächlich der beste Ort auf der Welt, um in der Solarbranche aktiv zu werden. Wer daran selbst verdienen will, sollte sich schleunigst auf die Socken machen! Auch die neuartige UV-Voltaïk würde selbstverständlich am besten in China produziert, in China verkauft und in China benutzt. In China mangelt es so stark an allen Formen nutzbarer Energie, daß man auch andere Ideen wie Kombisolarzellen, Solarthermiespeicher und so weiter am besten in China vermarktet. Es ist erstaunlich, was die Chinesen tatsächlich bis heute noch alles nicht haben! Übrigens habt ihr schonmal darüber nachgedacht, daß Küchenherde und Backöfen, wie sie in Mitteleuropa verwendet werden, vorwiegend mit elektrischen Strom betrieben werden, also richtige Energieverschwender sind, wie man das bereits von den unterschiedlichen Heizungssystemen her kennen sollte? Gewiß, es gibt auch Gasherde, die eine zusätzliche Leitung ans Haus erfordern und außerdem noch gefährlich sind, was der Grund für die Verbreitung elektrischer Herde sein dürfte. Aber man könnte Küchenherde und Backöfen auch solarthermisch betreiben. Es gibt Patente dafür, die Leistungsfähigkeit von Solarzellen durch vorgeschaltete, optische Linsen zu steigern. Mit solchen könnte man solarthermische Anlagen höhere Temperaturen erzeugen lassen, so daß sie zum kochen und backen ausreichen würden. Für Geräte, die man nur einmal oder zweimal am Tag benutzt, wäre so immer genug Energie im Wärmespeicher, weil die Sonne auf jeden Fall länger scheint. Auch die Idee verrate ich euch wieder, damit sie niemand mehr patentieren kann. Also fühlt euch frei, die in China oder sonstwo zu vermarkten.

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