2009/09/04

Prekariat


Prekariat ist ein Wort, dessen Bedeutung seitens bildungsferner Berufslügner nicht verstanden wird. Zwar wäre es beleidigend, davon auszugehen, daß andere Menschen gleichermaßen ungebildet wären, aber sobald Berufslügner im Fernsehen auftreten und solche Begriffe wie Prekariat falsch verwenden, dann kommt trotzdem von keiner Seite irgendein Protest, obwohl man doch von allen Seiten sofortigen und heftigen Protest erwarten sollte. Tatsächlich sind bereits Berufslügner im öffentlich-rechtlichen Fernsehen aufgetreten und setzten Prekariat mit bildungsfernen Schichten gleich, ohne daß sich irgendein Protest regte. Daher ist es erforderlich, den Begriff des Prekariates wenigstens hier zu erklären.

Das einzig bildungsferne am Prekariat sind die Berufslügner, die das Wort aufgeschnappt haben. Die glauben, daß man das Wort Proletariat nun durch das Wort Prekariat ersetzt hätte, weil ersteres unschicklich geworden wäre. Das ist natürlich Quatsch, weil sich Fachbegriffe nicht nach Gutdünken ändern können. Das Proletariat heißt nach wie vor Proletariat. Ein Anteil des Proletariates ist durchaus bildungsfern, weil man den Proletariern nicht die Möglichkeit gibt, sich im selben Maße zu bilden wie anderen Bevölkerungsschichten. Das möchte natürlich niemand öffentlich zugeben. In der heutigen Wirtschaftslage, das hat schon lange vor der offiziëllen Krise begonnen, schützt aber auch Bildung, sogar höhere Bildung, keineswegs vor unsicheren Einkommensverhältnissen. Der Fachmann bezeichnet die als prekär. Das bedeutet, daß Geschäftsbeziehungen, Arbeitsverhältnisse und andere Angelegenheiten, durch die Einkommen aller Arten geregelt werden können, lediglich kurzfristig feststehen und keinesfalls als auch in Zukunft sicher als gegeben angenommen werden können. Hauptsächlich betraf das zunächst Hochschulabsolventen, die ein unbezahltes Praktikum nach dem anderen machten, weil niemand ihnen die Gehälter zahlen wollte, die für Akademiker üblich sein sollten. Diese Gruppe der Akademiker wurde als Prekariat bezeichnet. Geringere Einkommen funktionieren in Mitteleuropa dank des Standesdünkels nicht. Sogar falls man den Standesdünkel als Betroffener ablehnt, wird er durch die Gesellschaft aufrechterhalten. Nach und nach wurde der Begriff des Prekariates ausgeweitet, weil mehr und mehr Arbeitsverhältnisse prekär wurden, also nicht mehr langfristig gesichert waren. Mit Bildung hat das selbstverständlich nach wie vor nichts zu tun. Der größte Teil des Prekariates dürfte immernoch aus Akademikern bestehen, weil gerade solche Tätigkeiten wie die der Informatiker sich nach Indien auslagern läßt, während Maurer und Taxifahrer immer vor Ort gebraucht werden.

Wehrt euch dagegen, daß die Berufslügner Begriffe zweckentfremden und euch damit von Informationen abzuschneiden versuchen!

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