2009/09/20

Das Schicksal der Welt III


Obwohl es in den glaubhaften Schauungen keinerlei Informationen über China oder aus China gibt, werden viele Spekulationen über die Rolle Chinas in den kommenden Ereignissen angestellt. Das geschieht auch auf den durch mich bereits empfohlenen Netzportalen. Darum muß hier eine wenigstens ansatzweise Richtigstellung über die Rolle Chinas in der Welt erfolgen. Die einen glauben, daß China durch einen Angriff auf Nordamerika einen Weltkrieg beginnen werde, während andere glauben, daß China am Ende Europa vor einer russischen Bedrohung retten würde. Der Glaube an beides zugleich ist ebenfalls weit verbreitet. Beides widerspräche ganz elementar den heutigen chinesischen Interessen. Was China wirklich will ist

  1. Táiwān (台灣). Nach dem Sturz der letzten chinesischen Dynastie übernahm die Volkspartei, chinesisch Guómíndǎng (國民黨), die Macht und rief die Republik China aus. Die Guómíndǎng (國民黨) teilte sich in mehrere Flügel, der kommunistische Flügel spaltete sich in einen moskauhörigen und einen von Russland unabhängigen Teil. Aus letzterem ging die Kommunistische Partei Chinas hervor. Die führte einen Bürgerkrieg gegen die Guómíndǎng (國民黨) während gleichzeitig Japan versuchte, Teile Chinas zu besetzen. Die Kommunistische Partei Chinas trug den Sieg davon, indem sie die beiden anderen Kriegsparteien dazu brachte, sich gegenseitig aufzureiben. Die japanische Besatzung ging direkt in den Zweiten Weltkrieg über, den Japan bekanntlich verlor. Der überlebende, faschistische Flügel der Guómíndǎng (國民黨) floh auf die Insel Táiwān (台灣), was selbstverständlich nur deswegen möglich war, weil die schon immer zu China gehörte. Allerdings residierte ab dann dort nur noch die Republik China, während auf dem Festland die Volksrepublik ausgerufen wurde. Erst nach einigen Jahrzehnten entschied die Regierung auf Táiwān (台灣) das Land in eine Demokratie umzuwandeln, weil die bis dahin herrschenden Machthaber zu alt wurden. Die ursprüngliche Idee war die Wahlen auszusetzen bis ganz China durch die Republik zurückerobert sei. Deswegen steht auch die Wiedervereinigung Chinas als Ziel in der taiwanesischen Verfassung. Aber die Volksbefreiungsarmee, deren politischer Flügel die Kommunistische Partei Chinas ihrem Selbstverständnis nach ist, ist viel zu mächtig, um eine Wiedervereinigung unter der Regierung der Republik zuzulassen. Seit die Volksrepublik aufgrund der Profitgier der Nichtchinesen internationale Anerkennung besitzt, betrachtet die Kommunistische Partei Chinas die Herrschaft über das gesamte China als realistisches Ziel und seitdem will sie ebenfalls die Wiedervereinigung ganz Chinas. Selbstverständlich ohne die Regierung der Republik, die es dann nicht mehr geben würde. Das wollen die Regierenden der Republik wiederum nicht. Welcher Amtsträger gibt seine Pfründe schon freiwillig ab? Táiwān (台灣) wird nicht nur durch eigene Streitkräfte, sondern auch durch die der USA und im Ernstfall eventuëll auch durch japanische Streitkräfte beschützt. Trotz der Spannungen zwischen Táiwān (台灣) und dem chinesischen Festland will keine der beiden Seiten einen Krieg riskieren, denn beide Seiten wissen, daß das in einer kompletten Zerstörung der Insel enden würde, die den Interessen beider Seiten widerspricht. Das macht den Konflikt für die chinesischen Strategen jedoch noch interessanter, weil nach einem Weg gesucht wird, sich die Insel einzuverleiben, ohne daß deren Schutzmächte etwas dagegen unternehmen könnten und ohne die wertvolle Industrie auf der Insel zu zerstören. Das bindet einen großen Teil der chinesischen Mittel.


  2. der Sieg über die Separatisten auf dem Festland in den autonomen Regionen. Viele der Minderheiten Chinas überqueren die Grenzen des Staates relativ frei, leben bei ihren Verwandten auf beiden Seiten und haben nirgends eigene Staaten. Dennoch gibt es Unabhängigkeitsbewegungen in China. Die stärksten in Westtibet und im Nordwesten Chinas, der von den Separatisten Ostturkestan genannt wird. Eine schwache Unabhängigkeitsbewegung gibt es auch in der Inneren Mongolei. Der Separatismus wird von den Chinesen immer in einem Atemzug mit dem Terrorismus genannt, dem die USA den Krieg erklärt haben. China hat sich nach eigener Darstellung lediglich dem Krieg gegen Terrorismus und Separatismus angeschlossen. Tatsächlich kann China keiner der Unabhängigkeitsbewegungen nachgeben, weil dann andere Bewegungen, einschließlich der Demokratiebewegung, in ihren Forderungen bestärkt würden. Die Demokratiebewegung könnte in so einem Fall sogar alle chinesischen Machthaber von ihren lukrativen Pfründen trennen. Aber schon die Unabhängigkeitsbewegungen allein könnten zum Verlust der Hälfte des chinesischen Territoriums führen. Der Teil Chinas ist zwar arm und dünn besiedelt, aber dort lagern auch die meisten Bodenschätze, im Nordwesten Chinas vor allem Erdöl. Deswegen betreibt China einen großen Aufwand, um auch unzugängliche Regionen zu behalten.


  3. das gesamte südchinesische Meer bis direkt vor die Küsten der angrenzenden Staaten. Zu dem Zweck beansprucht China eine Ansammlung aus Riffen und Sandbänken, die die Chinesen als westliche, mittlere, östliche und südliche Sandinseln bezeichnen, während man sie in westlichen Staaten als Paracelinseln und Spratleyinseln kennt, sofern man sie überhaupt kennt. Im südchinesischen Meer wird viel Erdöl vermutet. Die Nachbarstaaten finden es selbstverständlich garnicht gut, daß das chinesische Gebiet über alle Erdölvorkommen hinweg sich bis vor ihre Küsten erstrecken soll. Deswegen erheben alle Nachbarstaaten Ansprüche auf Teile der Inselgruppen und sei es nur ein einzelner, meterhoher Fels. China beruft sich bei den Gebietsansprüchen auf die Geschichte. Durch die Gegend werden nicht nur heute ein Drittel aller über See transportierten Handelswaren gefahren, sondern dort transportierten bereits vorangegangene, chinesische Dynastien ihre Waren. Deswegen gibt es dort tatsächlich archäologische Funde, jedoch sind die meisten viëtnamesischen Ursprunges. Viëtnam beruft sich bei den eigenen Gebietsansprüchen ebenfalls auf die Geschichte und hätte dabei die besseren Karten. Die anderen Staaten berufen sich auf Regelungen des internationalen Seerechtes, lediglich die Philippinen berufen sich darauf, daß ihnen einige Inseln als Protektorat unterstellt wurden. Das ist durch reiche, philippinische Privatpersonen geschehen, die auf zuvor unentdeckten Inseln eigene Staaten ausgerufen hatten. Deswegen verhandelt China mit allen angrenzenden Staaten, während zugleich klammheimlich die Inseln besetzt werden. China behauptet, daß es dort nur Wettermeßstationen, Mobilfunkstationen und ein paar Schutzbauten für in Seenot geratene Fischer existierten. Die Gegend ist Taifungebiet, daher wäre das sinnvoll. Selbstverständlich wäre das dann auch für angrenzende Staaten sinnvoll, aber wer sich dem Gebiet über Wasser oder durch die Luft nähert, wird beschossen. Dort fahren nicht nur chinesische Kriegsschiffe herum, sondern es existieren auch Fotos von bis zu dreistöckigen Gebäuden, Kaimauern und Hubschrauberlandeplätzen. Westliche Länder glauben, daß China auf den Inseln ungefähr zwanzigtausend Soldaten stationiert hat. China behauptet, daß es dort keine Soldaten gebe. Die Versenkung zweier viëtnamesischer Schiffe durch chinesische Kriegsschiffe ist unbestreitbar dokumentiert. Alle angrenzenden Staaten sind viel schwächer als China, die philippinische Marine gilt als die schwächste und besonders rückständig. Die Philippinen haben zwar ein Schutzabkommen mit den USA, so daß sie nicht unbedingt eine schlagkräftige Marine brauchen, aber die raten beim Konflikt um die Spratleyinseln zur Zurückhaltung. Für diese Inseln gilt das Schutzabkommen nämlich nicht. Deswegen zweifelt kaum jemand daran, daß China den Anspruch auf das gesamte südchinesische Meer durchsetzen wird. Lediglich Malaysia hält selbst drei Atolle besetzt. Einen großen Aufwand bedeutet der Kampf um die Inseln für China dennoch.


  4. der Schutz der Transportwege für chinesische Waren, vor allem der Autobahn, die China durch ganz Pakistan vom Himālaya bis zum Meer gebaut hat. Der Süden und der Osten Chinas sind am dichtesten besiedelt, deswegen werden dort die meisten Waren produziert und exportiert. So wie in anderen Gegenden der Welt auch, kommen die günstigsten Waren aus den ärmsten Regionen. Sie über Land zu den Häfen im Süden oder sogar im Osten und danach parallel zur Küste und dann auch noch durch stark piratenverseuchte Gebiete wieder zurück zu transportieren, bevor es weiter nach Afrika oder Europa geht, macht die Waren nur unnötig teuer. Aber China hat einen anderen Weg gefunden, denn China hat sich zur Zeit des chinesisch-indischen Grenzkrieges mit Indiens Erzfeind Pakistan verbündet. Das war damals naheliegend, um Indien stärker bedrohen zu können. Heute ist das praktisch, weil der alte Verbündete einen Zugang zum Meer bietet, der vom westlichen Ende Chinas aus genutzt werden kann. Damit werden ganz Südostasien, ganz Südasien und so piratenverseuchte Gebiete wie die Straße von Malakka umgangen. Der Transportweg durch Pakistan ist für China so etwas wie eine Geldader. Pakistan ist aber heute nicht nur durch Indien und dessen Verbündete, sondern auch durch Organisationen wie die Taliban bedroht. Das sind für Pakistan zu viele Bedrohungen, um alleine damit fertigzuwerden. Deswegen hat China große Truppen in der Nähe der Grenze stationiert. Das ist geographisch bedingt in der autonomen Region Westtibet, trotzdem dienen die Truppen nicht dazu, dort die Minderheitenvölker zu ärgern, wie die westliche Presse das gerne darstellt, sondern dazu, um im Bedarfsfall dem Verbündeten Pakistan beistehen zu können.


  5. Aruṇācal Pradeś (अरुणाचल प्रदेश) und Aksai Chin. Großbritannien hatte als Kolonialmacht über einen Teil Indiens geherrscht und wollte sich damals auch Tibet unter den Nagel reißen. Letzteres hat Großbritannien nicht geschafft. Aber es hat während dieser Zeit immer wieder versucht, die Grenze zwischen Tibet und Indien festzulegen. Es existieren daher heute mehrere Grenzlinien. Indien hat die britische Meinung über den Grenzverlauf und China hat die tibetanische Meinung über den Grenzverlauf übernommen. Aruṇācal Pradeś (अरुणाचल प्रदेश) ist ein Bundesstaat der Indischen Union, der im Himālaya liegt und komplett von China beansprucht wird. Aksai Chin (die Chinesen verwenden den tibetanischen Namen) liegt direkt nördlich von Kashmir, ist von dort aus aber kaum zugänglich. Deswegen befindet sich Aksai Chin de facto unter chinesischer Herrschaft, aber Indien beansprucht das Gebiet als Teil des Bundesstaates Jammu und Kashmir. Auch China will die fraglichen Gebiete nur deswegen, um den alten tibetanischen Anspruch durchzusetzen. Das soll beweisen, daß die Chinesen den Tibetanern immer freundlich gesonnen sind. Außerdem waren die Bodenschätze in Westtibet immer so schwer zugänglich, daß sie bisher kaum angetastet wurden und daher noch reichlich vorhanden sind. Das gilt selbstverständlich ganz besonders für umkämpfte Gebiete. China und Indien haben sich bereits seit einigen Jahren darauf geeinigt, gegenseitig den chinesischen Herrschaftsanspruch über ganz Tibet und den indischen Herrschaftsanspruch über ganz Sikkim anzuërkennen. Ob Aruṇācal Pradeś (अरुणाचल प्रदेश) und Aksai Chin zu Tibet zählen oder nicht, blieb jedoch umstritten. In den letzten Tagen wurden große Truppenbewegungen erst auf chinesischer und anschließend auch auf indischer Seite beobachtet. Der Auslöser dafür dürften die Befürchtungen sein, daß sich die Taliban der pakistanischen Atomwaffen bemächtigen könnten. Trotzdem könnte das zur Eskalation des Konfliktes zwischen China und Indien führen, der bereits fast überwunden schien.


  6. die Inselgruppe der Fischerinseln, die zwischen Japan und China umstritten ist, japanisch Senkaku (尖閣) und chinesisch Diàoyú (釣魚) genannt. Japan grenzt nicht an Inseln im südchinesischen Meer, aber dafür an Inseln im ostchinesischen Meer. Auch in dem soll es reichlich Rohstoffe geben. Konsequenterweise werden die Inseln sowohl durch Japan als auch durch China beansprucht. Beim Grenzverlauf zwischen Japan und Russland wird ebenfalls um zwei Inseln gestritten. Daraus folgt, daß Konflikte um Inseln nicht zwangsläufig von China ausgehen müssen. Trotzdem hat China die eigenen Marine in eine nördliche, eine östliche und eine südliche Flotte eingeteilt und jede davon ist für ein eigenes Konfliktgebiet zuständig. Daraus folgt aber auch, daß keine Kräfte für weitere Konfliktgebiete mehr übrig sind. Trotz allem haben die Chinesen es geschafft, noch ein paar Schiffe abzukommandieren, die zusammen mit russischen Kriegsschiffen entlang der Handelsrouten vor Ostafrika auf Piratenjagd sind. Noch mehr kann auch das riesige chinesische Militär nicht leisten.


  7. Beseitigung des Mangels an Energie, Elektrizität, trinkbarem Wasser und Nahrung sowie die Beseitigung der Umweltverschmutzung. Diese Probleme sind in China sehr groß, schaden im erheblichen Maße der Volksgesundheit und verschlingen große Teile des chinesischen Staatshaushaltes. Die Volksbefreiungsarmee wird oft eingesetzt, um die Folgen solcher Naturkatastrophen wie ständig auftretende Überschwemmungen abzumildern. Nur die allerschlimmsten Naturkatastrophen werden auch von der westlichen Presse wahrgenommen. Mit den Katastrophen einer chinesischen Provinz alleine könnte man schon ganze Zeitungen füllen. Großprojekte wie der Drei-Schluchten-Staudamm oder die Süd-Nord-Wassertransferleitung, die jetzt langsam in Angriff genommen wird, dienen nicht nur dazu, die chinesische Ingenieurskunst zu demonstrieren, sondern sollen vor allem dem Mangel an Energie und Wasser abhelfen. Aber auch und besonders solche Großprojekte sind nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.


  8. das Gesicht noch wahren können, falls sich Verbündete Chinas wie Nordkorea oder Myanmar danebenbenehmen. Für traditionelle Verbündete wie Nordkorea oder Myanmar trat und tritt die Volksrepublik China immer wieder als Schutzmacht auf. Die Volksrepublik China hat die Republik China in vielen internationalen Organisationen wie den Vereinten Nationen abgelöst und auch sonst Anschluß an die westlichen Staaten gesucht, sich geöffnet, reformiert und verhandlungsbereit gezeigt. Nordkorea und Myanmar machen dagegen besonders in der letzten Zeit mit schlechten Nachrichten Schlagzeilen. Die Staaten gehen davon aus, daß sie trotzdem Verbündete bleiben werden. Die chinesische Bevölkerung sieht das genauso. Jedoch lassen die Äußerungen der chinesischen Regierung in der letzten Zeit darauf schließen, daß die Führung Nordkoreas das Bündnis mit China als ein bißchen zu selbstverständlich ansieht. Nordkorea entwickelt Atomwaffen, tut so als wolle es darüber verhandeln und stellt immer mehr Forderungen. Sollte der Konflikt jedoch eskalieren, dann müßte China den Kopf dafür hinhalten, ohne daß China irgendwie von den Verhandlungen profitiert hätte. Trotz einer durchgängigen Trotzhaltung gegenüber allzu forscher Forderungen westlicher Staaten, scheint man in der chinesischen Politik langsam zu bemerken, daß man durch die traditionellen Verbündeten nur noch ausgenutzt werden. Myanmar baut zwar noch keine Atomwaffen, aber das Verhalten nach dem Tropensturm schadet dem Ansehen des Staates und aller Verbündeten.


  9. Beseitigung der sozialen Probleme, die sich China erst durch die Selbstausrottungsgesetze geschaffen hat, sowie der Anschluß an den vermeintlich reichen Westen in wirtschaftlicher, geopolitischer, diplomatischer und militärischer Hinsicht. Mit sozialen Problemen könnten die Chinesen genausoviele Zeitungen füllen wie mit Naturkatastrophen. Trotzdem schaffen erstere es meistens nichtmal in die chinesische Presse. Das liegt daran, daß mit sozialen Problemen hauptsächlich soziale Unruhen gemeint sind. Teilweise werden sie durch Naturkatastrophen ausgelöst, die ihrerseits selbstverständlich wiederum nur Konsequenz des Verhaltens der Chinesen sind. So führt Wasserverschwendung in Verbindung mit Abholzung zu Wasserknappheit in vielen Gebieten. Das wiederum führt zu Kämpfen um das verbliebene Wasser. Oft ziehen ganze Dörfer gegen Nachbardörfer in den Krieg. In dem Fall muß selbstverständlich die Bewaffnete Volkspolizei einschreiten. Bekommt sie die Lage nicht unter Kontrolle, dann wird gemeindeweit oder kreisweit ein Ausnahmezustand verhängt und die Volksbefreiungsarmee hinzugezogen. Es befinden sich ständig irgendwelche chinesischen Gemeinden im Ausnahmezustand, ohne daß die Presse davon Notiz nimmt. Aus dem Grund sollte man in China Anweisungen, einen Umweg zu nehmen, besser Folge leisten. Der chinesische Soldat wird zwar indoktriniert, daß er die Arbeiter und die Bauern befreit, aber in der Praxis erfolgt der karrieremäßige Aufstieg bei allen Uniformträgern auf der Welt selbstverständlich immer gemäß der Bereitschaft zum Kadavergehorsam.


Bei all den Problemen, die die Volksbefreiungsarmee zu bewältigen hat, sind einfach keine Kräfte mehr übrig, um auch nur noch einem einzigen Land die kommunistische Befreiung zu bringen. So herrscht in Myanmar noch mittelalterlicher Feudalismus. In Myanmar wurden Steuern erst direkt vor dem Mönchsaufstand eingeführt. Vorher gab es stattdessen nur Fronarbeit und die kann Steuern noch immer ersetzen. Trotzdem ist Myanmar ein Verbündeter Chinas. Die chinesischstämmige Minderheit in Myanmar wurde bereits durch die dortigen Staatsorgane drangsaliert. Infolgedessen hat China ein Machtwort gesprochen und das Problem hatte sich erledigt. Da die Führung in Myanmar keine Freunde außer der Regierung der Volksrepublik China hat, wäre der feudale Staat sicher längst reif für eine kommunistische Befreiung. In anderen Staaten, wie Nepal, soll China angeblich zumindest máoistische Rebellen unterstützen. Aber für mehr Maßnahmen hat die Volksrepublik China einfach keine Ressourcen.

Deshalb kann die Volksrepublik China keinen Krieg beginnen, keinen Krieg führen und keinen Krieg entscheiden, selbst wenn sie es wollte. Die kommunistische Idee wurde auch noch nicht aufgegeben. Die chinesische Regierung glaubt jetzt offiziëll, daß der Staat erst reich werden muß und dann einen kostspieligen Kommunismus einführen kann.

Eine andere Frage wäre, ob die Chinesen überhaupt das im Westen unterstellte Interesse an einer Übernahme sibirischer Gebiete hätten. Manche Russen fragen sich das auch bereits, aber aus anderen Gründen.

Tatsache ist zwar, daß China überbevölkert ist und in Sibirien viel Platz für die Chinesen wäre, jedoch auch, daß die Chinesen bereits dort sind, dort die Bevölkerungsmehrheit stellen und sowohl den Handel als auch den Rest der Wirtschaft in Sibirien fest im Griff haben.
Tatsache ist zwar, daß Sibirien sehr viel Holz bietet und das entwaldete China sehr viel Holz braucht, jedoch auch, daß der chinesische Brennholzbedarf bereits durch sibirisches Brennholz gedeckt wird. Das betrifft sowohl den gesamten legalen als auch den größten Teil der illegalen chinesischen Brennholzimporte. Das Brennholz wird sogar von Chinesen geschlagen, denn in der gesamten Branche arbeiten dort fast nur noch Chinesen. Für andere Verwendungszwecke importiert China wertvollere Hölzer vor allem aus Indonesien, die auch dort hauptsächlich illegal geschlagen werden.
Tatsache ist zwar, daß kurze Handelswege nach Europa braucht und die Nordostpassage eine solche darstellt, jedoch auch, daß man Durchfahrtsgenehmigungen eher von Freunden als von Feinden bekommt.
Tatsache ist zwar, daß China vor allem in den nördlichen, an Russland angrenzenden Gebieten sehr unter Wassermangel leidet während es in Sibirien Wasser im Überfluß gibt und durch das Auftauen des Permafrostbodens durch den Klimawandel noch mehr wird, jedoch auch, daß das viele Wasser in Sibirien Russland eher schadet als nützt. Der auftauende Permafrostboden führt in Sibirien dazu, daß die Bäume umstürzen und ungenutzt absterben. Das Phänomen läßt sich auch in Alaska beobachten und wird deswegen „drunken trees“, also betrunkene Bäume, genannt. Es ist eine Umweltkatastrophe allerersten Ranges und Russland wird kommenden Generationen als die Umweltsau Nummer eins gelten, falls es dagegen nichts unternimmt. Sibirien ist jedoch sowohl riesig als auch dünn besiedelt, deswegen ist Russland garnicht in der Lage, die riesigen Mengen besten Trinkwassers so abzuleiten, daß sie keinen Schaden anrichten können. Das ist ein Problem bei dem sich China und Russland gegenseitig so gut ergänzen und helfen können wie auf keinem anderem Gebiet. Die beiden Staaten haben das lediglich noch nicht erkannt. Das ist zwar sehr bedauerlich, kann sich aber jederzeit ändern.
Tatsache ist zwar, daß russische Rechtsradikale Ausländer verprügeln, jedoch auch, daß das nur den westlichen, in Europa gelegenen, Teil Russlandes betrifft. Im asiatischen Teil sehen die Russen genauso aus wie die Asiaten, da sie asiatischen Ethnien angehören, und die Chinesen fallen nicht weiter auf. Außer vielleicht durch ihre Anzahl, ihren Arbeitseifer und manchmal auch das dadurch verdiente Geld. Der größte Teil der Chinesen hat keinerlei Interesse an irgendetwas, das in Russland vorsichgeht oder vorsichgehen könnte. Die russischen Rechtsradikalen verprügeln auch asiatisch aussehende Russen. Das sollte man daher nicht unbedingt als gegen Ausländer gerichtet sehen, sondern eher als Rassismus. Eine Änderung an der Hoheit über Sibirien würde an dem ohnehin nur im europäischen Teil auftretendem Problem nichts ändern. Lediglich die Kosten für die Verteidigung des Territoriums, auf dem hauptsächlich Chinesen wohnen und das hauptsächlich von Chinesen genutzt wird, würden von Russland auf China übergehen. Warum sollte China daran Interesse haben?

Während eine formale Herrschaft über sibirisches Territorium für China lediglich eine Verschlechterung des Status quo und vielleicht sogar noch ein weiteres Problem mit Separatisten bedeutet, ist die Idee nicht für alle Russen unattraktiv. So wurde in Petersburg im Auftrag der Stadtregierung Vladivostok ein Konzept zur Stadtentwicklung für Vladivostok erdacht. Es sieht vor, die Hauptstadt für die Region Primorje in eine andere Stadt zu verlagern, zwei Stadtteile und eine Bucht für fünfundsiebzig Jahre an die Volksrepublik China zu verpachten, die die wirtschaftliche Attraktivtät der Gebiete steigern soll. Für Vladivostok soll das gleichzeitig Pachteinnahmen und intensivere wirtschaftliche Beziehungen nach China generieren. So meldete es die russische Nachrichtenagentur Novosti. Ob die Chinesen überhaupt daran interessiert wären, ist noch nicht heraus.

Wir können jedenfalls davon ausgehen, daß China bestimmt niemals Russland in den Rücken fallen wird, nur um Europa zu helfen. Es gab zwar mal einen Grenzkonflikt zwischen China und Russland, in dem es um die Flußinseln im Fluß Amur ging, aber das war während des Kalten Krieges, in dem Russland und China auf der gleichen Seite standen. Wollte ein chinesischer Stratege in so einer Situation einen Angriff der feindlichen Seite provozieren, dann wäre das erste, was er anordnen würde, dem Feind Uneinigkeit mit den Verbündeten zu demonstrieren. Falls dabei noch ein paar Flußinseln für China abfallen, dann umso besser. Daraus kann man nicht schließen, daß China und Russland keine militärisch Verbündeten wären.

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