2009/08/20

Über die sogenannte Natürliche Wirtschaftsordnung


Die sogenannte Natürliche Wirtschaftsordnung ist auch bekannt als die Lehre der drei F. Die meisten Menschen, die über diese Lehre reden, kennen sie jedoch überhaupt nicht. Sie haben nur ein paar Schlagworte aufgegriffen, bauen die irgendwo ein, um alles pauschal ablehnen zu können und dann eigenen Dummschwall zu verbreiten. Es ist also höchste Zeit, die Lehre der drei F vorzustellen, damit in Zukunft weniger Leute auf Dummschwätzer hereinfallen müssen. Die drei F stehen in beliebiger Reihenfolge für Freiland, Freihandel und Freigeld. Diese drei Wörter werden wiederum oft in den Mund genommen oder in eine Tastatur getippt, ohne daß deren Bedeutungen verstanden werden. Darum muß hier Abhilfe geschaffen werden.

Als Freiland wird korrekterweise nur Grund und Boden bezeichnet, dessen Benutzung jederman freisteht.

Als Freihandel wird korrekterweise nur jener Austausch an Waren und Zahlungsmitteln bezeichnet, an dem es jederman freisteht, sich zu beteiligen.

Als Freigeld wird korrekterweise nur ein Zahlungsmittel bezeichnet, durch dessen Verwendung niemand übervorteilt wird. Das gilt nicht nur für Bezahlvorgänge, sondern auch für Darlehen, Geldanlagen und Einflußnahmen.

Alle drei Dinge zusammen werden auch als Freiwirtschaft bezeichnet. Die Anhänger der Lehre bezeichnen sich selbst oft als Freiwirtschaftler. Andere bezeichnen sie manchmal als Gesellianer, weil die Lehre durch Silvio Gesell, einen der letzten der ehrbaren Kaufleute, bekannt gemacht wurde. Viele derer, die sich als Freiwirtschaftler bezeichnen, verbreiten unter diesem Namen etwas völlig anderes als die Lehre der drei F, manchmal versuchen sie auch ihre eigenen, alternativen Lehren zu praktizieren. Das bewirkt normalerweise keine Verbesserung, auf die die Freiwirtschaft abzielt, heute vorherrschender Zustände.

Silvio Gesell hat sich selbst nur wenige Gedanken über das Freiland gemacht. In dem Punkt hat er stattdessen von Kommunisten abgeschrieben. Heutige Kommunisten sagen gerne, daß die marxistischen, leninistischen, máoistischen Regierungen alle keinen Kommunismus praktiziert haben. So wie Karl Marx den Kommunismus beschrieb, wäre die einzige dazu passende Regierungsform die Anarchie. Insofern haben die heutigen Kommunisten schon recht. Aber die vermeintlich kommunistischen Regierungen haben dennoch die kommunistischen Vorstellungen über das Eigentum an Grund und Boden umgesetzt, vorherige Eigentümer enteignet und allen Boden in Staatseigentum überführt. Noch heute tun sich ehemals vermeintlich kommunistische Länder schwer damit, Grundstücke an Angehörige anderer Staaten zu verkaufen. In manchen Ländern ist bis heute nur Erbpacht möglich. Die Systeme zeichnen sich dadurch aus, daß man an irgendwelche Amtspersonen ebenso Gebühren entrichten muß wie vorher an die Privateigentümer, falls man vorhat, das Land irgendwie zu nutzen. Was man mit Grund und Boden anstellen darf, hängt also von den eigenen Finanzen ab. Steigt die Nachfrage, dann steigt auch der Preis. Wohlhabender Leute werden bei der Landnutzung ärmeren Leuten gegenüber bevorzugt. Das ist das exakte Gegenteil der Idee des Freilandes. Ein besseres Gesetz hat Costa Rica. Dort darf ungenutztes Land von jederman landwirtschaftlich genutzt werden. Eigentumsstreitigkeiten werden dadurch geregelt, daß man das Eigentum an dem Land erwirbt, daß man mindestens drei Jahre lang in Folge landwirtschaftlich bestellt. Unter Berufung auf dieses Gesetz beackern Landlose jedoch auch gerne Naturschutzgebiete, von denen es in Costa Rica viele gibt. Das ist nicht die Idee, die dem Gesetz zugrundelag. Daher ist es eine suboptimale Lösung. Richtiges Freiland findet man leider nur dort, wo es nicht viele Nutzungsmöglichkeiten dafür gibt, nämlich bei den Inuit. Weder bei den Ureinwohnern Alaskas noch bei den Ureinwohnern Grönlands wird man genötigt, zunächst ein Grundstück zu kaufen oder zu pachten, bevor man ein Haus daraufstellen darf. Bei den Ureinwohnern Alaskas funktioniert das so, daß man sein Vorhaben ein Haus zu bauen bekannt macht, daraufhin bekommt man vom Dorfältesten einen Platz zugewiesen. Bei den Ureinwohnern Grönlands macht man nicht nur sein Vorhaben, ein Haus zu bauen, bekannt, sondern sucht sich gleich selbst einen Platz dafür aus. Dann berät die gesamte Gemeinde darüber und entscheidet, ob der Platz dafür zur Verfügung gestellt wird oder ob er für jedes anderes benötigt wird. Plätze, die für wichtige Gebäude wie zum Beispiel Schulen geeignet sind, kann deswegen nicht bekommen. In beiden Fällen darf man mit dem Bau seines Hauses beginnen, sobald der Platz dafür feststeht. Mehr ist in beiden Fällen nicht erforderlich und das reicht schließlich auch.

Gerne behaupten Vertreter der großen Industrieländer, daß sie für den Freihandel wären und schließen sogenannte Freihandelsabkommen, die jedoch lediglich so heißen. Gewerkschaften und andere politisch linke Kräfte in den Industrieländern sowie alle politischen Richtungen in den anderen Ländern sind immer gegen diese Form des Wirtschaftens, die die anderen Länder aufgezwungen bekommen. Das hat dem Namen des Freihandels einen äußerst schlechten Ruf eingebracht, obwohl das System mit Freihandel überhaupt nichts zu tun hat, sondern sein genaues Gegenteil ist. Bei einem echtem Freihandel würde niemand übervorteilt. Jeder könnte ohne Genehmigung mit jedem anderen handeln. Ausbeutung würde immer sofort umgangen und das wäre immer leicht möglich. Dabei würden sich ökologische und soziale Standards schnell und von alleine weltweit angleichen. Um das zu verhindern, müßte sich schon der größte Teil der Menschheit darüber einig sein, daß Ausbeutung weiterhin existieren sollte. Echten Freihandel dürfte es zum letzten Mal gegeben haben, bevor es Grenzen gab. Seitdem blitzte er in der Geschichte allenfalls mal kurz auf, um sofort wieder von Machthabern unterbunden zu werden, die um ihre Pfründe fürchteten. Erst durch das Internet ist es heute möglich, wieder auf Freihandel hinzuarbeiten, aber das erfordert zur Zeit noch viel Arbeit und kaum jemand hat die Wichtigkeit verstanden, überhaupt daran zu arbeiten.

Freigeld ist der am wenigsten verstandene Teil der sogenannten Natürlichen Wirtschaftsordnung. Freiwirtschaftler sind oft der Meinung, daß die Einführung von Freigeld dafür sorgen würde, daß sich die anderen Punkte der freiwirtschaftlichen Lehre von selbst einstellen werden. Das mag sein, weil bisher viel Geld im Spiel ist, um die Einführung der anderen Punkte zu verhindern. Wer heute viel Geld hat, wird völlig anders behandelt als Leute, die heute wenig Geld haben. Es ist geradezu so als hinge die berühmte Menschenwürde in Franken, Rappen, Heller und Pfennig vom Kontostand ab. Spätestens daran ist eindeutig zu erkennen, daß es sich bei den heute verwendeten Währungen niemals um Freigeld handelt. Wer mehr Zahlungseinheiten eines echten Freigeldes hat, kann damit zwar mehr kaufen, mehr konsumieren und mehr investieren oder größere Darlehen geben als jemand der weniger Zahlungseinheiten hat, aber das war dann auch der ganze Unterschied. Mehr gibt es nicht.

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