2009/08/23

Gerechte Wechselkurse IV


Ein gerechter Wechselkurs müßte sich natürlich am Außenwert der am Wechselkurs beteiligten Währungen orientieren. Daher werden Möglichkeiten benötigt, um den Außenwert einer Währung unabhängig vom aktuëllen Wechselkurs zu ermitteln. Außer der bereits als ungeeignet und unsinnig erkannten Kaufkraftparität sind dafür bei den Ökonomen zwei Methoden etabliert.

Die eine Methode ist die Methode der Gleichgewichtseinschätzung. Das bedeutet nichts anderes, als daß der historische Verlauf des Wechselkurses in die Zukunft extrapoliert wird. Das klingt nach einer geradezu genial einfachen Lösung, denn es ist ganz selbstverständlich oder sollte zumindest selbstverständlich sein, daß die Dinge, die sich nicht bewährt haben, geändert werden, während die bewährten Dinge beibehalten werden. Das läßt sich auch auf den Wechselkurs zwischen zwei Währungen anwenden. Da Ökonomen sich jedoch nicht unbedingt von der vielgepriesenen Vernunft der Ökonomen leiten lassen, sondern stattdessen oft nur eine Rechtfertigung für wildeste Spekulationen suchen, argumentieren sie, daß Daten aus der Vergangenheit in den sogenannten „Emerging Markets“ nicht vorlägen. Lägen solche Daten nicht vor, dann könnten sie natürlich nicht extrapoliert werden. Zu den „Emerging Markets“ zählt zum Beispiel China, dessen Geschichte mindestens fünftausend Jahre zählt. Viele Finanzprodukte wurden sogar dort erfunden, zum Beispiel das Papiergeld und das dafür erforderliche Papier sowieso. Es ist also eine reine Schutzbehauptung, daß Daten nicht vorlägen. Andererseits wäre es durchaus glaubwürdig und sogar vernünftig zu sagen, daß man chinesischen Statistiken nicht traue. Das wiederum traut man sich aber anscheinend nicht zu sagen. Während der Zeit als China zu einem finanziëll vom Rest der Welt abgeschotteten Ostblock gehörte, gab es tatsächlich keinen Wechselkurs. Nur falls man so einen fortführen wollte, ginge das nicht. Aber dafür gibt es überhaupt keinen Grund, weil der zur Zeit laufende China-Hype nicht der erste in der Geschichte ist, sondern solche regelmäßig einmal, manchmal auch zweimal, pro Jahrhundert vorkommen.

Die andere Methode ist die, internationale Zahlungsbilanzen heranzuziehen und Zahlungsbilanzungleichgewichte festzustellen. Dann kann man versuchen, die Zahlungsbilanzungleichgewichte durch Manipulationen des Wechselkurses auszugleichen. Zentralbanken richten sich tatsächlich nach den Zahlungsbilanzen, um zu entscheiden, ob sie die eigene Währung stützen oder ob sie sogar andere Währungen stützen sollten. Sie manipulieren also den Devisenmarkt aufgrund politischer Zielsetzungen. Gerade dadurch entsteht jedoch überhaupt erst das Problem, das die Wechselkurse nicht nur durch Angebot und Nachfrage bestimmt werden, weswegen man dann andere Methoden finden muß, um festzustellen, ob ein Wechselkurs gerecht ist.

Das wiederum hat überhaupt erst dazu geführt, daß Spekulanten die Theorie der Kaufkraftparität aufstellten, weil sie eine von den Tätigkeiten der Zentralbanken unabhängige Methode haben wollten, um die Chancen ihrer Spekulationsgeschäfte abschätzen zu können. Nun könnte man denken, daß das allen anderen herzlich egal sein kann, ob irgendein Spekulant Erfolg damit hat, gegen die Einschätzung der Zentralbanken zu spekulieren oder deren Ansichten zu folgen. Aber Devisenspekulationen unterscheiden sich von anderen Spekulationen dadurch, daß sie nicht immer, sondern eher in den seltensten Fällen, freiwillig stattfinden. Ob es euch nun bewußt ist oder nicht, immer wann ihr irgendetwas mit einem anderem Währungsraum zu tun habt, zum Beispiel beim Kauf eines aus Taiwan eingeführten Computers, betreibt ihr eine Devisenspekulation. Sofern ihr euch an einen bei euch einheimischen Händler wendet, dann bemerkt ihr die Devisenspekulation nur an dem höherem Preis durch den der Händler das Währungsrisiko absichert. Dennoch seid ihr es, die den höheren Preis bezahlen. Ersteigert ihr irgendeinen im Ausland befindlichen Gegenstand auf einer Auktionsplattform im Netz, dann tragt ihr das Währungsrisiko direkt. Ebenso bei Reisen in einen anderen Währungsraum.

Deswegen solltet ihr alle ein Interesse an der Feststellung gerechter Wechselkurse haben. Dazu müßten lediglich die Manipulationen der Zentralbanken und vielleicht auch anderer Großspekulanten wieder herausgerechnet werden. Die internationalen Zahlungsströme werden zum einen durch den internationalen Handel, also Import und Export, zum anderen durch Geldanlagen und Darlehen bestimmt. Wo Geld angelegt oder wo Darlehen aufgenommen werden, richtet sich größtenteils nach den Zinssätzen, die wiederum durch die Zentralbanken festgelegt werden. Der Geldstrom, der sich nach den Zinssätzen richtet, übertrifft zumeist den Geldstrom des internationalen Handels. Außerdem gibt es noch einen dritten Geldstrom, der immer vom eigenen Währungsraum aus ins Ausland gerichtet ist. Das ist der Tourismus, der sich in der internationalen Zahlungsbilanz kleinlaut unter den Dienstleistungen versteckt und dadurch bei den Zahlungsbilanzgleichgewichten oder Zahlungsbilanzungleichgewichten zumeist nicht berücksichtigt wird, obwohl der Tourismus ein wirklich mächtiger Geschäftszweig ist.

Das ist alles nicht leicht zu verfolgen, zu korrigieren und weil die Zinssätze durch die Zentralbanken festgelegt werden, wäre sogar eine exakte Berechnung trotzdem nicht objektiv. Daher bräuchte es tatsächlich eine exakte und unabhängige Methode, um unter Verzicht auf die Wechselkurseinschätzungsmethoden der Ökonomen das tatsächliche Angebot der Währung des eigenen Währungsraumes sowie die tatsächliche Nachfrage nach den Währungen anderer Währungsräume festzustellen. Es sind dabei nicht die Staaten, die so etwas brauche, sondern die einzelnen Menschen, die verreisen, Geld anlegen, Darlehen aufnehmen, etwas einkaufen oder etwas verkaufen wollen.

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