2009/08/12

Gerechte Wechselkurse III


Nachdem die Theorie der Kaufkraftparität erklärt wurde, sollte noch eine Methode vorgestellt werden, durch die sie auf die Spitze getrieben wird. Bei der Gelegenheit läßt sich gleich noch erläutern, warum die Kaufkraftparität völliger Quatsch ist. Bei der Methode handelt es sich um den Big-Mäc-Index (die heißt wirklich so).

Die Idee hinter dem Big-Mäc-Index ist, daß ein jeder Mensch auf dieser Welt sowohl die gleiche Möglichkeit als auch den gleichen Wunsch hätte, sich zwei Stückchen eines toten Rindes, die zusammen mit komischen Gewürzen in eine Art schlabbriges Brötchen gequetscht wurden, zu kaufen. Während der Hersteller des Produktes versichert, so weit möglich bei regionalen Zulieferern einzukaufen, fabulieren die Wirtschaftler weiter, daß dieses Produkt überall auf der Welt völlig gleich sei. Daher müsse es auch den gleichen Preis haben. Da der Preis aus Angebot und Nachfrage bestimmt wird, muß nur noch die Nachfrage gleichgesetzt werden. Gleiche Nachfrage solle dadurch eintreten, daß die Kaufkraft weltweit angeglichen werde. Das wiederum solle durch die Wechselkurse der beteiligten Währungen geschehen.

Da die Entalphabetisierung auch, und sogar insbesondere, im deutschsprachigem Raum weit vorangeschritten ist, kann leider nicht mehr damit gerechnet werden, daß die Unsinnigkeit der Theorie unmittelbar einsichtig ist. Darum muß wohl erklärt werden, warum sie von vorne bis hinten nicht stimmen kann. Zunächst mal ist das Angebot auch dann nicht gleich, wenn es überall auf der Welt vom gleichen Hersteller stammt. Besagter Hersteller verkauft auch Pommes Frites. In den meisten Ländern der Welt werden die durch diesen Hersteller mit gehärteten Fetten getränkt. Der Hersteller begründet das damit, daß nur so der gewünschte Geschmack erzielt werden könne. In Dänemark, wo die gehärteten Fette berechtigterweise aus gesundheitlichen Gründen verboten sind, hat der selbe Hersteller überhaupt kein Problem damit, seine Pommes Frites ohne gehärtete Fette zu produzieren. Rinder schlachten lassen darf er allerdings auch in Dänemark. In Nepal, wo der Hinduismus Staatsreligion und Rinder somit von Staats wegen heilig sind, ist es zumindest schwieriger, die Stückchen Rinderaas unters Volk zu bringen und sich dabei nicht unbeliebt zu machen. In Indien dagegen funktioniert es ganz gut, solange in hauptsächlich muslimisch bewohnte Gebiete ausgewichen wird. Dafür dürfte wiederum der selbe Hersteller dort mit den ebenfalls durch ihn verkauften Stückchen Schweineaas auf weniger Akzeptanz treffen. Natürlich werden die Konsumenten, denen das Aas eines Tieres aus religiösen Gründen verboten ist, auf das Aas anderer Tiere ausweichen. Schon das wäre etwas, das die Nachfrage verändert. Das auf die Nachfrage ausgerichtete Angebot ändert sich selbstverständlich mit. Abgesehen davon, daß beides auch noch durch unterschiedlich hohe Bevölkerungsanteile derjenigen, die keinen eigenen Wert in mineralstoffloser und vitaminfreier Kost erkennen, in allen Ländern beeinflußt wird, gibt es noch mehr Gründe, warum das Angebot nicht überall gleichviel kosten kann. Da wäre zunächst das Problem des Energieverbrauches bei der Herstellung. Zum Beispiel ist China bekannt dafür, viele Kohlekraftwerke (KKW) zu betreiben und immer mehr neue zu bauen. Nun könnte man die in verschiedenen Ländern durch die Industrie verursachten Umweltschäden miteinander vergleichen, aber das wollen wir uns ersparen, weil China nicht deswegen immer mehr Kohlekraftwerke baut, weil den Chinesen die Umwelt egal wäre. China baut daneben immer mehr Solarkraftwerke (SKW) und Windkraftwerke (WKW), denn die erneuerbaren Energien sind auch in China ganz groß im Kommen. Aber China ist auch nicht plötzlich grün und zu einem Vorreiter im Umweltschutz geworden. Das ist wiederum nicht der Grund für die chinesischen Investitionen in die erneuerbaren Energien. China plant, baut und betreibt nämlich auch immer mehr Atomkraftwerke (AKW). Da China Atommacht ist, und es eine zivile Nutzung der Atomkraft / Atomkernenergie gemäß ihrer und auch der menschlichen Natur nicht geben kann, ist der Bau weiterer chinesischer Atomkraftwerke nicht verwunderlich. Verwunderlich ist eher, daß sich die Lobbyisten der Atomkraft, der fossilen Energieträger und der erneuerbaren Energien nicht gegenseitig bei der Arbeit behindern. Daran erkennen wir schon den Grund für die vielen, chinesischen Kraftwerksbauaktivitäten. China leidet an so einem eklatantem Elektrizitätsmangel, daß die Chinesen nach allem greifen, das auch nur ein bißchen Abhilfe verspricht. Die Bauprojekte sind Ausdruck purer Verzweiflung! Selbstverständlich ist industriëlle Produktion unter diesen Umständen schwieriger als in den Industrieländern, die man nicht zuletzt aufgrund ihrer gut ausgebauten Industrie so nennt. Als nächstes kommt der Transport dazu. Überall, wo produziert wird, muß auch transportiert werden. Lebensmittel und Nahrung wird hauptsächlich über Straßen transportiert. Trotz manchmal sehr beeindruckenden Baumaßnahmen während einer sehr langen Geschichte ist China auch beim Transport wieder benachteiligt. Es gibt dort viel zu wenig Straßen. Falls mal jemand die Fernsehdokumentation gesehen hat, in der das Fernsehteam eine ewiglange und breite Straße ganz für sich alleine hat: Die Straßen, die es in China gibt, befinden sich zumeist nicht dort, wo sie gebraucht würden. Zudem gibt es dort weite Gegenden, in denen sich der Untergrund dem Straßenbau widersetzt. Die Produktionsbedingungen in Ländern wie China unterscheiden sich sehr von denen der westlichen Zivilisation. Daher können die Angebote aus beiden Teilen der Welt nicht gleich sein. Ähnliches gilt für die Nachfrageseite.

Aber funktioniert die Theorie der Kaufkraftparität vielleicht mit einem einfacherem Produkt und falls die möglichen Bedingungen der Produktion sich schon mehr angeglichen haben? Untersuchen wir das an einem entsprechendem Beispiel, nämlich am Spargel im Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich. Hier tun wir uns leicht, weil die Sendung Karambolage auf dem französisch-deutschem Fernsehsender ARTE über den Spargel recherchiert und uns damit die Arbeit abgenommen hat. Pro Kopf und Jahr essen die Deutschen zweieinhalb Kilogramm Spargel, die Franzosen dagegen nur ein halbes Kilogramm. Hier sehen wir schon einen deutlichen Unterschied in der Nachfrage, obwohl auf beiden Seiten der Euro als Währung verwendet wird. Nach der Kaufkraftparitätstheorie kann die unterschiedliche Nachfrage nicht in der unterschiedlichen Kaufkraft begründet liegen, weil so ein Unterschied durch die Verwendung der gleichen Währung aufgehoben würde. Aber die Deutschen fragen nicht nur mehr Spargel nach, sondern auch nach einer Qualität, die dem Spargelbauer deutlich mehr Arbeit macht. Der deutsche Spargel muß völlig weiß sein, darf daher nur unterirdisch in Hochbeeten wachsen und muß schließlich mühsam gestochen werden. Das Spargelfeld muß immer aufgeräumt aussehen, damit der Spargelbauer rechtzeitig erkennt, wann der Spargel geerntet werden muß. Den Spargel in die Hochbeete einzupflanzen ist natürlich auch arbeitsintensiv. In Frankreich ist dagegen nur Spargel mit violetten Spitzen erhältlich, weil sich die Spargelbauern dort nicht so viel Arbeit machen, den Spargel von der Sonnenstrahlung fernzuhalten. Sobald deutscher Spargel so aussieht, sinkt der Preis in Deutschland kräftig. Logischerweise exportieren die deutschen Spargelbauern deutschen Spargel, der violette Spitzen bekommen hat, nach Frankreich, weil das nicht weit weg und im selben Zollgebiet liegt. Außerdem wird in beiden Ländern der Euro verwendet. Trotz dieser Gemeinsamkeiten ist nicht einmal ein einzelnes Gemüse in beiden Ländern gleich. Wie könnte dabei ein gemeinsamer und dennoch gerechter Preis zustandekommen? Die beiden Anforderungen schließen sich logischerweise gegenseitig aus.

Sogar viele Ökonomen haben inzwischen erkannt, daß die Theorie der Kaufkraftparität völliger Quatsch ist. Aber sie ist auch typisch für die Theorien der Ökonomen, die sich besonders durch eine gewisse Weltfremdheit hervortun.

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