2009/08/21

Evolution VI


Um einen idealen Partner zu wählen, muß der Mensch darauf achten, daß der Partner sowohl ihm selbst möglichst ähnlich als auch von ihm möglichst unterschiedlich ist. Für beide Anforderungen haben sich die passenden Auswahlmechanismen entwickelt.



Die eigenen Gene, genauer gesagt Allele, denn innerhalb der eigenen Art sind die Gene sowieso die selben, können nur dann möglichst vollständig weitergegeben werden, wenn man mit dem Partner möglichst viele Allele gemeinsam hat. Der Partner sollte einem selbst also möglichst ähnlich sein. Da viele Allele keine äußerlich sichtbaren oder erfahrbaren Auswirkungen haben, muß man sich an den Punkten orientieren, die äußerlich erfahrbar sind. Daß der Mensch zumindest unbewußt ziemlich sicher erkennt, wer ihm selbst ähnlich ist, können wir daran bemerken, daß andere Menschen immer viel mit ihren Freunden gemeinsam haben oder immer nur die Leute befördert werden, die viel mit ihrem Chef gemeinsam haben. Wir selbst verhalten uns natürlich auch nicht anders, auch wenn wir etwas anderes glauben wollen. Bei der Partnerwahl achtet man besonders auf den gleichen Bildungsstand, vergleichbare soziale Stellung oder ähnliche Lebensläufe. Je komplexer ein Organismus ist, desto gefährlicher ist es jedoch, sich mit der eigenen Verwandtschaft einzulassen.



Um Krankheiten zu vermeiden, muß der Mensch sich einen Fortpflanzungspartner suchen, der sich von ihm selbst unterscheidet. Der Mensch hat jedoch keine Möglichkeit, die eigene Verwandtschaft anhand des genetischen Verwandtschaftsgrades zu erkennen. Daher nutzt er vor allem die Vertrautheit mit anderen Menschen, um sie als mögliche Partner auszuschließen. So würde sich ein Mensch normalerweise nicht mit einem Adoptivgeschwister einlassen, obwohl das ziemlich ideale Partner wären, weil sie nicht blutsverwandt sind und dennoch das Adoptivkind von den Eltern ausgewählt wurde, weil die Gemeinsamkeiten mit sich selbst entdeckt haben. Eine geringe Vertrautheit herrscht dann vor, wenn sich ein möglicher Partner schon im Alltag völlig anders verhält als man selbst. Die Menschheit hat sich aus dem Grund in Populationen unterteilt, die voneinander abweichendes Verhalten aufweisen. Das ist die biologische Definition unterschiedlicher Kulturen. Die unterschiedlichen Kulturen sind also aus dem biologischen Grund entstanden, den Menschen zu zeigen, wo sie genetisch möglichst unterschiedliche Partner finden können. Das ist auch der Grund dafür, daß alle Frauen weltweit, egal aus welcher Kultur sie stammen, auf Ausländer stehen. Die Vorliebe ist zwar unterschiedlich stark ausgeprägt aber immer vorhanden. Wer von euch noch nach einer Frau sucht, besonders falls er im eigenen Geburtshoroskop den Herrscher des Siebten Hauses im Neunten Haus stehen hat, weiß nun hoffentlich, wo er sich hinbegeben muß.



Aus einer interkulturellen Verbindung entspringen Mischlinge. Die sind eine ideale Mischung aus verwandten und fremden Allelen. Daraus folgt, daß ein Mischling für fast jeden Menschen ein idealer Partner wäre. So ist es nur konsequent, daß Mischlinge unter allen Menschen die attraktivsten sind. Das betrifft natürlich nicht die Mischlinge aus zwei fremden Gruppen.



Es gibt noch ein weiteres Hindernis dabei, die eigenen Allele vollständig weiterzugeben. Manche Gene werden nur über eine Seite der Abstammungslinien vererbt. Beim Menschen zum Beispiel die über die Mitochondrien vererbten Gene nur über die mütterliche und die Gene des Y-Chromosoms nur über die väterliche Linie. Für Partner des anderen Geschlechtes bedeutet das, daß sie wiederum Partner wählen sollten, bei denen insbesondere diese Gene den eigenen oder denen der eigenen Verwandtschaft ähneln. Da die eigenen Gene denen der eigenen Verwandtschaft ähneln, kann es unter Umständen sinnvoller sein, die Fortpflanzung eigener Verwandter zu unterstützen als selbst Kinder zu bekommen. Das trifft insbesondere dann zu, falls den Nachkommen dadurch bessere Bedingungen geboten werden oder schon um nur wenige Kinder durchzubringen die gesamte Verwandtschaft zusammenhalten muß. Es lassen sich viele solche Umstände denken, deswegen gibt es viele Menschen, die freiwillig auf eigene Kinder verzichten. Das ist alles andere als ein Widerspruch zur biologischen Vorstellung über die Evolution, sondern exakt das, was der Biologe erwartet, zumindest solange dadurch Verwandte bevorteiligt werden.



Allerdings kann der Mensch auch über seine Bestimmung nachdenken. Daher kann er auf Ideen kommen, die der Erhaltung der eigenen Allele auf andere Weisen dienlich sein können. Die Möglichkeit der künstlichen Befruchtung entstand aus so einer Idee. Oder er kann auf die Idee kommen, daß manche der eigenen Eigenschaften sich sowieso irgendwann nicht weiter durchsetzen werden, so daß die Weitergabe der Gene nur eine Verschwendung von Ressourcen wäre. Sofern der betreffende Mensch an Reïnkarnationen glaubt, könnte er sogar zu dem Schluß kommen, daß lediglich die Weitergabe solcher Eigenschaften, die er selbst in seinen nächsten Leben haben möchte, wünschenswert sind. Da ein großer Anteil der Menschheit an die Reïnkarnation glaubt, kann die Reflexionsfähigkeit des Menschen auf diese Weise zur Evolution beitragen. Falls es nicht schon geschieht, dann wird sie das dennoch völlig sicher irgendwann auf diese Weise tun.

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