2009/08/12

Das Straßenkünstlerbezahlmodell und das Katze-im-Sack-Bezahlmodell


Das Straßenkünstlermodell ist das Gegenteil des Katze-im-Sack-Modells. Die meisten Computerprogramme und anderen künstlerischen Werke folgen dem Katze-im-Sack-Modell. Dort bezahlt man für das Werk bevor man dessen Inhalt kennt. Der Preis kann daher zu hoch oder sogar zu niedrig sein. Das kann man erst feststellen, nachdem es zu spät ist. Beim Straßenkünstlermodell darf man erst den Wert feststellen, den Preis selbst bestimmen und danach bezahlen. Ein Netzportal namens Freinutz hatte mal versucht, eine eigenwillige Variante des Straßenkünstlermodells zu propagieren.

Das Freinutzmodell verwendete wie das Straßenkünstlermodell das Zahle-was-du-willst-Prinzip. Aber damit hörten die Gemeinsamkeiten mit anderen Anwendungen des Straßenkünstlermodelles auch schon auf. Die möglichen Nutzer eines der auf Freinutz durch deren Urheber eingestellten Werke sollten zunächst Geld bezahlen. Sobald das durch Freinutz verwaltete Konto einen seitens des Urhebers eines Werkes festgelegten Kontostand erreichte, sollte das entsprechende Werk zum ab dann kostenlosen Herunterladen und Weiterverteilen freigegeben werden. Das klingt zwar zunächst nach einem gerechtem Bezahlsystem, aber trotzdem hätte man auch dort immer nur für die Katze im Sack bezahlt. Aber zusätzlich enthielten die Nutzungsbedingungen des Freinutzsystems noch eine dreiste Klausel. Konnte der Kontostand, ab dem ein Werk freigegeben werden sollte, nicht bis zu einem festgelegtem Zeitpunkt erreicht werden, dann wäre das Werk natürlich nicht freigegeben worden. Aber darüberhinaus hätte man auch das für dieses Glücksspiel eingesetzte Geld nicht zurückerhalten. Stattdessen sollte es an irgendeine durch Freinutz ausgesuchte, mehr oder weniger gemeinnützige Organisation gespendet werden. Freinutz hätte also auch als Glücksspielportal auftreten können, dann wäre es jedoch verboten worden. Das war wohl eher der Grund dafür, das durch Freinutz verwendete Modell als Straßenkünstlermodell zu deklarieren.

Echte Straßenkünstlermodelle nutzen nicht nur das Zahle-was-du-willst-Prinzip, sondern sind auch keine Glücksspiele. Stattdessen weiß man beim bezahlen bereits, was man bekommen hat. Man braucht nicht die Katze im Sack zu kaufen. Auf diese Weise angebotene Waren werden auch als Mindware bezeichnet.

Das Straßenkünstlermodell entstammt ursprünglich dem Dienstleistungssektor. Nach dem gleichen Modell gehen die Autoscheibenwäscher vor, die aus Rumänien nach Berlin kamen und dort tätig sind. Nur falls sie den Autofahrern zu sehr auf die Nerven gehen, erteilt die Polizei dort auch mal Platzverweise, aber normalerweise dürfen sie ihrer Tätigkeit frei nachgehen. Das Waschen der Autoscheiben und das anschließende Annehmen der Spenden der Autofahrer gilt rechtlich als betteln. Das hat für die Rumänen, während Rumänien zwar schon zur Europäischen Union, aber noch nicht zum Schengenraum gehört, den Vorteil, daß sie keine Arbeitserlaubnis brauchen. Ein Gewerbe braucht dafür auch nicht angemeldet zu werden. Daraus folgt, daß das Straßenkünstlermodell erhebliche Vorteile bei der Bürokratieeinsparung hat. Das ist natürlich ein besonderer Vorteil, falls man Mindware über das Netz verteilt oder verteilen will.

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