2009/06/21

Zinsen


Zinsen sind die effektivste Ursache der Teuerung. Sie werden als Vergütung für die Gewährung von Darlehen erhoben. Zinsen setzen sich zusammen aus einer Marge, einem Inflationsausgleich, einem Risikozuschlag und dem Urzins.

Jedes Unternehmen braucht Einnahmen, mittels derer die Kosten des Unternehmens bestritten und Gewinne realisiert werden. Bei gewerblichen Darlehensgewährern ist das die Marge. Alle Gewinne, die tatsächlich durch die unternehmerische Tätigkeit gerechtfertigt sind, sind Teil der Marge.

Gewerbliche Darlehensgewährer sind sich der Tatsache bewußt, daß während jeder Laufzeit eines Darlehens eine gewisse Teuerung stattfindet. Durch die Teuerung sinkt die Kaufkraft der Währung. Der Darlehensgewährer fürchtet daher weniger Kaufkraft zurückzuërhalten als er gegeben hat. Weil die meisten gewerblichen Darlehensgeber nicht genug über Wirtschaft wissen, um Teuerung und Inflation auseinanderzuhalten, verlangen sie zusätzlich zu ihrer Marge und der Tilgung des Darlehens einen Inflationsausgleich. Gewerbliche Darlehensgeber, die zwischen Inflation und Teuerung zu unterscheiden wissen, wollen trotzdem nicht schlechter als die Konkurrenz dastehen und verlangen ebenfalls den Inflationsausgleich. Natürlich gibt es keinen Deflationsausgleich, denn diese Komponente des Zinses heißt nur Inflationsausgleich und gibt lediglich die allgemeine Teuerung während des Darlehenszeitraumes wieder. Dadurch entgehen auch Darlehen nicht der allgemeinen Teuerung. Das ist einer der verstärkenden Mechanismen, durch den sich die Teuerung selbst antreibt. Außerdem ist das der Teil des Zinses, der ebenfalls unter dem Namen Zinsen manchmal an Anleger weitergegeben wird.

Erfahrungsgemäß kann nicht jedes Darlehen getilgt werden. Manche Darlehensnehmer verschulden sich nicht nur, sondern überschulden sich. Das bedeutet, daß sie ihre wirtschaftliche Situation falsch einschätzen und sich schließlich nicht mehr in der Lage sehen, ihre Darlehen zurückzuzahlen. Der gewerbliche Darlehensgeber hat ein natürliches Interesse daran, dieser Situation vorzubeugen. Banken lösen das Problem normalerweise auf die Art, daß sie ausschließlich denjenigen Darlehen geben, die sie ganz sicher nicht brauchen. Kann die Bank sich dabei nicht sicher sein, dann vergibt sie kein Darlehen und erwirtschaftet ihre Gewinne durch andere Geschäfte. Machten das alle so, dann befände sich die Wirtschaft in einer dauerhaften Kreditklemme. Deswegen gibt es zwei weitere Methoden, das Problem zu lösen. Die eine ist, daß dem Darlehensgeber Sicherheiten anvertraut werden. Die Sicherheiten müssen normalerweise für den Darlehensgeber einen höheren Wert haben als das gewährte Darlehen. Pfandleiher nutzen diese Methode auf eine einigermaßen ehrliche Art, Banken nutzen die Methode lediglich als eine Variante der ersten. Die andere Methode ist, von Erfahrungen ausgehend eine bestimmte Rate an Verlusten einzukalkulieren. Einkalkulierte Verluste müssen natürlich auf alle Darlehen umgelegt werden, weil der gewerbliche Darlehensgeber sein Gewerbe bestimmt nicht betreibt, um auf Verlusten sitzenzubleiben. Deswegen muß er zusätzlich zur Tilgung, der Marge und dem Inflationsausgleich auch noch einen Risikozuschlag verlangen.

Die ersten drei Teile des Zinses sind gerechtfertigt. Ohne diese könnten Darlehen nicht gewerblich vergeben werden. Trotzdem gab es in der Geschichte immer wieder Zinsverbote und weitere Versuche, Zinsen zu verbieten. In islamischen Ländern ist es auch heute verboten, Zinsen zu nehmen. Trotzdem kann man auch dort Darlehen bekommen und trotzdem muß man auch dort neben der Tilgung noch eine Vergütung für das Darlehen bezahlen. Mit dem Zinsverbot ist normalerweise ein Verbot der vierten Komponente des Zinses gemeint. Das ist der Urzins. Der Urzins ist eine Form der Monopolrendite. Zwar kann man Darlehen von vielen Anbietern bekommen, aber für ein Darlehen an gesetzlichen Zahlungsmitteln muß sich der gewerbliche Darlehensgeber seinerseits ein Darlehen besorgen, für das er wiederum Zinsen bezahlen muß. Letztendlich kommen alle Darlehen an gesetzlichen Zahlungsmitteln von der selben Stelle und das ist die Zentralbank. Die Zentralbank ist ein staatlicher und daher ein sehr mächtiger Monopolist. Aus dem Grund kann sie eine Monopolrendite verlangen. Monopolrenditen sind nicht durch Leistungen oder ähnlich nachvollziehbare Gründe gerechtfertigt, sondern lediglich Ausdruck eines Machtgefälles. Dem Staatsorgan Zentralbank ist es erlaubt, gesetzliche Zahlungsmittel auszugeben. Allen anderen Interessenten ist das nicht erlaubt. Es lassen sich zwar andere Zahlungsmittel herstellen und verwenden, aber die werden seitens weiterer Staatsorgane, vor allem dem Finanzamt, nicht akzeptiert. Daher kann kein anderer Wirtschaftsteilnehmer eine ähnliche Marktmacht wie die Zentralbank erlangen. Obwohl die Zentralbank ein Staatsorgan ist und ihre Monopolmacht daher zum Wohle des Volkes und damit auch des Staates verwenden könnte, wird die Monopolmacht massiv mißbraucht. Die Existenz des Urzinses ist lediglich der Beweis dafür. Durch den Urzins wird es für Schuldner unnötigerweise noch schwieriger, ihre Darlehen zurückzuzahlen.

Mit einer oft behaupteten Entschädigung für den Darlehensgeber wegen des vorübergehenden Verzichtes auf die ausgegebene Summe haben die Zinsen überhaupt nichts zu tun. Wäre das der Fall, dann würde der Darlehensgeber für ein vorzeitig zurückgezahltes Darlehen weniger Zinsen verlangen. Tatsächlich verlangt er jedoch eine Vorfälligkeitsentschädigung vom Darlehensnehmer, weil der Darlehensgeber aufgrund der vorzeitigen Rückzahlung nicht noch mehr am Darlehensnehmer verdienen kann. Ein Verzicht sähe anders aus. Der vorgebliche Verzicht ist nur eine weitere Propagandalüge.

Der Staat könnte bestimmen, daß die Zentralbank den Urzins auf einen negativen Wert festlegt. Natürlich würden gewerbliche Darlehensgeber so einen Rabatt nicht weitergeben. Aber die Regelung, daß nur Banken bei der Zentralbank Darlehen aufnehmen dürfen ist ebenfalls staatsfeindlich. Die Zentralbank könnte und sollte, da sie schließlich alleiniger Emittent des gesetzlichen Zahlungsmittels ist, Darlehen direkt an Unternehmen vergeben und den Urzins so festlegen, daß der Unternehmer am Ende der Laufzeit insgesamt weniger zurückzahlen muß. Statt einer Kreditklemme, unter der der gesamte Staat leidet, wäre eine Kreditflut das Ergebnis, durch das der gesamte Staat aufblüht. Negative Urzinsen seitens der Staatsorgane wären noch sinnvoller als die ebenfalls schon angedachten negativen Steuern.

Ein negativer Urzins hat also genau den gegenteiligen Effekt eines totalen Zinsverbotes. Sollten Zinsen einmal mehr verboten und das Verbot ausnahmsweise auch beachtet werden, dann könnten Darlehen allenfalls noch wie unter diesem externen Link geschildert zustandekommen.

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