2009/06/26

Wörterreihenautomaten III


Um einen Text übersetzen zu können, muß man ihn zuallererst verstehen. Die Wörterreihenautomaten werden das nie können, weil die Fähigkeit Intelligenz voraussetzt. Genauer gesagt ist Intelligenz nichts anderes als Erkenntnisfähigkeit, die auf Textverständnis bezogene eingeschlossen. Erst nachdem ein Übersetzer den Text in der Quellsprache verstanden hat, kann er ihn in der Zielsprache wiedergeben, wodurch die Übersetzung erst entsteht.

Eine gute Übersetzung muß immer drei Anforderungen erfüllen. Zunächst, das ist die wichtigste, muß der Sinn des Originaltextes erfaßt und wiedergegeben werden. Eine Übersetzung ist jedoch etwas anderes als eine Interpretation. Deswegen muß der Übersetzer sich bei der Übersetzung so eng wie möglich an den Wortlaut des Originaltextes halten. Dadurch kann man einem übersetztem Text oft ansehen, daß es sich um eine Übersetzung handelt. Das ist auch in Ordnung. Aber es kommt dabei nicht selten vor, daß der Urheber einer Aussage durch deren Übersetzung weniger gebildet oder eloquent wirkt als im Original. Weil es für gebildete Leser jedoch ganz selbstverständlich ist, die Relevanz eines Textes und die fachliche Kompetenz ihres Autors an dessen Sprachstil und seinen Schreibweisen abzuschätzen, muß der Übersetzer falsche Eindrücke vermeiden. Deswegen ist bei jeder Übersetzung auch noch ein Mindestmaß an Eleganz im sprachlichen Ausdruck der Zielsprache gefordert. Guten Übersetzern gelingt es, sich gleichzeitig alle drei Anforderungen zu erfüllen. Wer das nicht kann, sollte nicht als professioneller Übersetzer arbeiten. Die Anforderungen sind auf jeden Fall höher als das, was Computerprogramme leisten können. Computerprogramme müßten dafür ein hohes Maß an künstlicher Intelligenz besitzen. An so etwas wird zwar gearbeitet, aber die in der Entwicklung Künstlicher Intelligenzen verwendeten Ansätze zeigen keinerlei Potential dafür, jemals auf ein Niveau an künstlicher Intelligenz zu kommen, wie es ein für Übersetzungen bestimmtes Computerprogramm haben müßte. Künstliche Intelligenz wird anhand des Turing-Tests oder durch CAPTCHA beurteilt.

Um unter dem Artikel einen Kommentar abzugeben, müßt ihr einen CAPTCHA überwinden. Das war seitens Google so eingestellt, mein Verfasser hat sich lediglich dazu entschließen können, die zusätzliche Registrierungspflicht auszusetzen, um mehr Leute zu ermutigen, ihr Fachwissen in die Kommentare einzubringen. CAPTCHA ist eine Abkürzung aus dem angelsächsischen Dialekt der deutschen Sprache und steht für „Completely Automated Public Turing test to tell Computers and Humans Apart“, was so viel bedeutet wie „Vollautomatischer öffentlicher Turing-Test, um Computer und Menschen zu unterscheiden“. Normalerweise ist ein Turing-Test ein Verfahren, um festzustellen, ob ein Gegenüber fähig ist zu denken. Damit wollten Entwickler Künstlicher Intelligenzen diese von bloßen Programmen unterscheiden. Bisher wird der Turing-Test jedoch nur dafür eingesetzt, um Menschen und Maschinen voneinander zu unterscheiden. Der CAPTCHA bräuchte deswegen nur CAPT zu heißen. Beim Turing-Test führt ein Mensch ein Gespräch mit einem Gegenüber, zu dem weder Sichtkontakt noch Hörkontakt besteht. Diese Situation ist im Netz normalerweise gegeben. In dem Fall ist der Turing-Test auch noch öffentlich, daher bräuchten die CAPTCHA oder CAPT nur noch CAT zu heißen und wären dann immernoch korrekt benannt. Noch sinnvoller wäre es natürlich, einfach die deutsche Bezeichnung „vollautomatischer Turing-Test“ zu wählen. Wir können uns natürlich auch auf das Kunstwort (also keine Abkürzung mehr) Captcha als Kurzform einigen. Der normale Turing-Test hat ein Problem. Derjenige, der die Erkenntnisfähigkeit oder Intelligenz seines Gegenübers beurteilen will oder soll, muß notwendigerweise intelligenter sein als sein Gegenüber. Die Qualität einer Künstlichen Intelligenz wird bereits danach beurteilt, welcher Prozentsatz ihrer menschlichen Gegenüber sich durch sie täuschen läßt.

Das und der hohe Personalbedarf für das Ausschließen von Betrugsversuchen wie Menschen, die vortäuschen Computerprogramme zu sein, führte zur Automatisierung des Turing-Testes. So wird natürlich nur noch überprüft, ob ein Computerprogramm intelligenter ist als ein anderes. Es ist nicht allzu schwierig, vorherzusagen, daß die Computerprogramme der intelligenteren Programmierer dabei denjenigen der weniger intelligenten Programmierer überlegen sein werden. Es gibt daher Captcha und Computerprogramme mit dem Zweck der Überwindung der Captcha. Einen ähnlichen Wettlauf gibt es zwischen den Herstellern der Computerviren und den Herstellern der Virenschutzprogramme. Trotzdem behauptet niemand, daß es sich dabei um die Entwicklung Künstlicher Intelligenzen handele.

Leider sind auch Menschen keine intelligente Lebensform. Über dieses Thema werden leider noch ein paar weitere Artikel auf Zhèng-Míng (正名) nötig sein. Daher wird es keinesfalls ausreichen, den Menschen zum Vorbild zu nehmen, falls die Entwicklung Künstlicher Intelligenzen wirklich irgendwann etwas an Ernsthaftigkeit gewinnen soll. Es gibt bereits Captcha, die leicht durch Computerprogramme überwunden werden, während sich zugleich immer mehr die Beschwerden durch Menschen häufen, die nicht in der Lage sind, die gleichen Captcha zu überwinden. Natürlich betrifft das nur eine Minderheit der Captcha, andernfalls gäbe es bereits Computerprogramme, die intelligenter als mancher Mensch wären. Untersuchen wir weiter, warum es die nie wird geben können.

Um die Intelligenz unserer Mitmenschen zu messen, aber mehrere Möchtegernwissenschaftler sogenannte IQ-Tests entwickelt, wobei IQ für Intelligenzquotiënt steht. Wieso es sich bei dem Ergebnis um einen Quotiënten handeln sollte, bleiben die Möchtegernwissenschaftler zu beantworten schuldig. Natürlich könnte man den Bildungszuwachs des Testsubjektes durch die von ihm dafür benötigte Zeit feststellen und das wäre sowohl ein Quotiënt als auch eine sehr schöne Definition für Intelligenz, aber der Definition scheint niemand folgen zu wollen. Stattdessen mißt man lieber die Fähigkeit, die sogenannten IQ-Tests zu lösen. Der Durchschnittswert für die menschliche Intelligenz wurde dabei willkürlich auf hundert Punkte festgelegt. Erste Kritik an den IQ-Tests gab es als festgestellt wurde, daß Männer durchschnittlich um fünf Punkte intelligenter als Frauen wären und das politisch nicht korrekt war. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, mußte die Versuchsanordnung geändert werden. Ausnahmsweise einmal zu recht, wie sich später noch herausstellen sollte. Eine neue Generation an IQ-Tests wurde durch Frauen entwickelt und siehe da, mit diesen Tests waren Frauen plötzlich um durchschnittlich fünf Punkte intelligenter als Männer. Natürlich wurden daraufhin noch weitere IQ-Tests entwickelt. Mit denen stellte man dann fest, daß der IQ auch durch die Kultur bestimmt wird, in der die Testsubjekte aufwuchsen. In manchen Tests wurde der IQ durch den Hintergrund einer bestimmten Kultur erhöht und in anderen gesenkt. Es kam nur darauf an, aus welcher Kultur der Entwickler des IQ-Testes stammte. Absolut jeder IQ-Test mißt also nichts anderes als wie ähnlich ein Testsubjekt dem Entwickler des jeweiligen IQ-Testes ist.

Was sollte so ein Test auch sonst messen? Schließlich ist ein Mensch genau so wenig dazu in der Lage, die Intelligenz eines anderen Menschen zu beurteilen, wie ein Computerprogramm dazu in der Lage ist, die Intelligenz eines anderen Computerprogrammes zu beurteilen. Beides ist purer Blödsinn.

Ein anderes Verfahren zur Intelligenzbestimmung mußte her. Die IQ-Tests wurden noch genauer analysiert und es stellte sich heraus, daß es in manchen unter ihnen ein paar Aufgaben gab, die nicht durch den kulturellen Hintergrund beeinflußt wurden. Man bezeichnete diesen Anteil als g-Faktor. Dabei steht „g“ für „grundlegend“. Nun sollte man denken, daß die ausschließliche Bestimmung des g-Faktors sofort zum Stand der Wissenschaft, Kunst und Technik der Intelligenzmessung aufgestiegen ist. Das trifft jedoch nur auf die vorderste Front der Forschung zu. Die Beibehaltung der Bezeichnung g-Faktor weist darauf hin, daß man immernoch nicht verstanden hat, worum es sich dabei handelt. Deswegen fließt die Erkenntnis nach wie vor nicht in die Entwicklung Künstlicher Intelligenzen ein. Dabei ist es garnicht schwer zu erkennen, worum es sich beim g-Faktor handelt. Der Mensch ist eben keine intelligente Lebensform. Zumindest nicht im Durchschnitt. Aber falls ihr euch einmal die Zeit nehmt, euch anzusehen, welche Aufgaben zur Ermittlung des g-Faktors zu lösen sind, dann werdet ihr, da bin ich mir sicher, feststellen, daß es sich bei allen solchen Aufgaben um Aufgaben handelt, in denen Mustererkennung gefragt ist.

Demnach handelt es sich beim meßbaren Anteil der Intelligenz um nichts anderes als die altbekannte Mustererkennung. Schon das Wort Intelligenz, für welche Erkenntnis man lediglich einen Sprachwissenschaftler hätte zu befragen brauchen, sagt aus, daß es sich um Erkenntnisfähigkeit handelt. Die Fähigkeit der Mustererkennung ist eine Erkenntnisfähigkeit, die es erlaubt, Strukturen zu durchschauen. Es ist exakt die Fähigkeit, die man unter anderem braucht, um die Aussagen eines Textes zu verstehen. Sollte diese Erkenntnis jemals Programmierer ereilen, könnten sie dann einen entscheidenden Schritt hin zu brauchbarer künstlicher Intelligenz und damit zu brauchbaren Übersetzungsprogrammen, die die Arbeitsplätze manches Übersetzers bedrohen könnten, tun?

Wäre das auch nur wahrscheinlich, dann hätte ich euch diesen Artikel erspart und den Mantel des Schweigens über die damit verbreiteten Erkenntnisse gebreitet.

Es ist so, daß die Mustererkennung durch Computerprogramme noch sehr am Anfang ihrer Entwicklung steht. Bei der Erkennung biometrischer Fotos funktioniert sie so gut wie garnicht. Bei der schon viel länger existierenden Texterkennung funktioniert sie mehr schlecht als recht. Dabei wäre eine gut funktionierende Texterkennung als Hilfsmittel für Übersetzer sogar wünschenswert, weil erst dadurch eine weitere Bearbeitung mit Hilfe anderer Computerprogramme möglich würde. Stattdessen ist Abtippen oft schneller als Texterkennung und anschließende Korrekturen, die nach wie vor per Hand und Tastatur vorgenommen werden müssen. Während Texterkennungsprogramme sogar mit gedruckten, perfekt ausgerichteten, linear strukturierten Texten auf sauberem Hintergrund Probleme haben, entziffern Menschen mühelos handschriftliche, entlang schiefer Zeilen verlaufende, verschmierte und dazu noch kopfüber oder auf der Seite stehende Texte. Das Verstehen selbiger ist aufgrund der schnell voranschreitenden Entalphabetisierung jedoch eine völlig andere Sache. Aber für die Mustererkennung gibt es kein mächtigeres Werkzeug als den menschlichen Verstand. Darum muß der Mensch, ganz besonders im sogenannten Informationszeitalter, viel Zeit mit Tätigkeiten verbringen, die man eigentlich längst Computern übertragen haben sollte. Natürlich ist der momentane, geringe Entwicklungsstand der Computerprogramme zur Mustererkennung kein Argument dafür, daß die Entwicklung nicht voranschreiten könne. Aber sollten solche Computerprogramme jemals so leistungsfähig wie der menschliche Verstand bei der Mustererkennung werden wollen, dann ist es erforderlich, zunächst die Algorithmen zu entschlüsseln, die der menschliche Verstand zur Mustererkennung verwendet. Erst danach könnten entsprechende Erkenntnisse in die Entwicklung der Computerprogramme einfließen. Soll die Entwicklung funktionierender, automatischer Mustererkennung nicht länger dauern als es die Menschheit noch geben wird, dann muß mit sogenanntem Reverse-engineering des menschlichen Geistes begonnen werden. Es gibt jedoch bisher noch keinerlei Ansätze in diese Richtung. Deswegen werden die Mustererkennungsalgorithmen des menschlichen Verstandes niemals übertroffen werden.

Natürlich könnten sich manche Wissenschaftler durch die obigen Erkenntnisse inspiriert fühlen und mit der Erforschung der menschlichen Algorithmen beginnen. Aber wenn wir zugleich alle anderen obigen Erkenntnisse berücksichtigen, dann werden wir bemerken, daß in dem Fall der Offenlegung der menschlichen Verstandesalgorithmen die Frage, ob es vollautomatisch von einer Kultursprache in eine andere übersetzende Computerprogramme geben wird, zum geringsten unserer Probleme werden dürfte. Solche Künstlichen Intelligenzen werden nur ihre eigenen Ziele verfolgen, aber sich nicht um Menschen kümmern, deren Intelligenz dann nicht mehr die überlegene sein wird. Solche Künstlichen Intelligenzen würden allenfalls Menschen als Hilfsmittel einsetzen, aber bestimmt nicht umgekehrt. Selbstverständlich ließe sich auch das logisch nachvollziehbar begründen, aber ich habe genug von dem Thema.

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