2009/06/25

Wörterreihenautomaten II


Im unteren Teil der hier verlinkten Netzseite gibt es ein paar Beispiele dessen, was Wörterreihenautomaten auszugeben in der Lage sind und deren Betreiber uns als Übersetzungen unterjubeln wollen. Es ist für uns natürlich ganz leicht zu ersehen, daß es sich dabei keineswegs um Übersetzungen handelt. Es sind ganz einfach relativ zusammenhanglose Wörterreihen. So etwas als Übersetzungen zu bezeichnen und sie auch noch anderen als solche unterjubeln zu wollen, ist nichts anderes als beleidigend. Insbesondere dann, wenn man auf ein interessantes Thema gestoßen zu sein glaubt und sich auf neue Erkenntnisse durch einen kompetent verfaßten Text freut, aber dann automatisch generierte Wörterreihen oder nur Wortsalat vorgesetzt bekommt, dann hat man allen Grund dazu, sich veräppelt und auf die Zehen getreten (für Hauptstromkonsumenten: verunsichert) zu fühlen. Netzportale, die die Zeit eigentlich interessierter Leser auf diese Weise verschwenden, sollten generell boykottiert werden.

Wer produktiv tätig zu sein versucht, kann jedoch einen Nutzen aus den besseren Wörterreihenautomaten ziehen. Der Wörterreihenautomat Google-Translator enthält zwar nur ein sehr einfaches Wörterbuch, das Ansprüchen kaum entgegenkommt, aber er kennt viele unterschiedliche Schriftarten. Dadurch ist er manchmal sehr nützlich, um originale Schreibweisen in einen Text einzukopieren, wie es der Gepflogenheit aller kompetenten Autoren entspricht. Natürlich muß man die korrekte Schreibweise schon vorher kennen, denn zur Qualitätskontrolle taugt dieses Instrument keinesfalls.

Sollten die Entwickler der Software dazu überredet werden können, dann ließen sich die Wörterreihenautomaten immerhin zu mächtigen Hilfswerkzeugen für Übersetzer ausbauen. Ich würde mir das jedenfalls wünschen. Übersetzen wird Software sowieso nie können, deshalb braucht kein Übersetzer um seinen Beruf zu fürchten. Die besseren unter den Wörterreihenautomaten sind jetzt schon Kombinationen aus Wörterbüchern, Deklinatoren, Konjugatoren und Annotatoren. Genau in diese Richtung sollte die Entwicklung fortgesetzt werden.

Zunächst müßten natürlich die Behelfswörterbücher durch leistungsfähige, auch separat verwendbare, richtige, zweisprachige Wörterbücher Deutsch ↔ irgendwas / irgendwas ↔ Deutsch, die Suchen in beide Richtungen erlauben, ersetzt werden. Ein gutes Beispiel für solche Wörterbücher sind die unter http://dict.leo.org zu findenden, vorbildlichen Wörterbücher. Solche Wörterbücher fehlen beispielsweise noch fürs Vietnamesische. Wer ein ähnlich vorbildliches Wörterbuch Deutsch ↔ Vietnamesisch / Vietnamesisch ↔ Deutsch kennt, füge bitte einen Link dorthin in das Kommentarfeld unter diesem Artikel ein.

Ein Konjugator ist ein Programm, das sämtliche in einer Sprache vorkommenden Formen eines Verbs aufzeigt. Als Beispiele für Konjugatoren für deutsche Verben ist einer hier verlinkt und ein anderer hier. Ein Konjugator nimmt einem Menschen also die lästige Aufgabe des Konjugierens ab. Das ist eine ideale Aufgabe für ein Computerprogramm und man hätte schon viel früher daraufkommen können. Nicht abnehmen kann der Konjugator dem menschlichen Benutzer selbigens das Verständnis der Bedeutung der jeweils im konkreten Fall verwendeten Verbform. Aber ein guter Konjugator würde natürlich ein paar Erklärungen zu den unterschiedlichen Formen enthalten, weil die oft sogar in verwandten Sprachen nicht gleich sind. Sollte jemand brauchbare Konjugatoren für das Russische (mitsamt den ausgefallenen Partizipformen des Russischen) oder das Portugiesische kennen, dann trage sie oder er bitte einen Link darauf in das Kommentarfeld unter dem Artikel ein.

Ein Deklinator erfüllt die gleiche Aufgabe in Bezug auf Substantive und Adjektive (außer in Sprachen wie dem Japanischen, wo Adjektive wie Verben konjugiert werden), wie sie ein Konjugator in Bezug auf Verben erfüllt. Ein Deklinator ist also ein Computerprogramm, das dem Verwender das lästige Deklinieren abnimmt. Sowohl Konjugatoren als auch Deklinatoren sind selten zu finden. Sollte jemand brauchbare Konjugatoren für das Russische kennen, dann trage sie oder er bitte einen Link darauf in das Kommentarfeld unter dem Artikel ein.

Ein Annotator ist ein Computerprogramm, das Anmerkungen zu einem vorhandenen Text anzeigt. In Kombination mit einem guten Wörterbuch lassen sich auf diese Weise die Möglichkeiten, ein bestimmtes Wort in eine andere Sprache zu übertragen, anzeigen, ohne daß man dafür jedes einzelne Wort eines Textes extra in ein Wörterbuchprogramm kopieren muß, falls man mehrere Wörter aus einem vorhandenen, fremdsprachigem Text nachschlagen möchte. Heute muß so gut wie jeder Schüler, ob er will oder nicht, den angelsächsischen Dialekt des Niederdeutschen erlernen. Trotzdem kann man noch sehr häufig auf Übersetzungsfehler von diesem Dialekt in die deutsche Hochsprache stoßen. Das stößt nicht nur gebildeten Lesern sauer auf, sondern zeigt vor allem, daß auch professionelle Übersetzer öfter mal in ein wirklich gutes Wörterbuch schauen sollten. Aber besonders das häufige Nachschlagen einzelner Wörter bremsen sehr beim übersetzen. Daher wird es zum Zweck der Zeitersparnis oft unterlassen. Das Problem des Zeitverlustes durch häufiges Nachschlagen, das für qualitativ hochwertige Übersetzungen nunmal zwingend erforderlich ist, läßt sich durch leistungsfähige Annotatoren recht gut ausgleichen.

Die konsequente Weiterentwicklung heutiger Wörterreihenautomaten müßten also zu leistungsfähigen Annotatoren führen, die durch eingebaute, hochwertige Wörterbücher, Deklinatoren und Konjugatoren erweitert werden. Das wären dann mächtige Hilfswerkzeuge für Übersetzungen. Aber selbständig übersetzen könnten Computerprogramme selbstverständlich trotzdem nicht. Das zu tun sollten sie daher auch nicht länger vortäuschen.

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