2009/06/23

Was die Wirtschaftsbosse wirklich in China wollten


Ihr glaubt, daß China ein Billiglohnland wäre? Ihr glaubt, daß Unternehmen aus aller Welt deswegen nach China gingen, weil sie dort unschlagbar niedrige Löhne zahlen würden? Das glauben viele Menschen, daher ist das verzeihlich. Aber das entspricht einfach nicht der Realität. Es ist auch nicht so, daß jedes Unternehmen in China vertreten sein müßte, weil der Welt ein chinesisches Jahrtausend bevorstünde. Unter den Verantwortlichen glaubt das keiner. Man hat schließlich schon den Japanern ein japanisches Jahrhundert versprochen. Aber das dauerte nur zehn Jahre, dann ist man dazu übergegangen, den Koreanern ein koreanisches Jahrhundert zu versprechen. In den zehn Jahren, in denen das auch nicht begann, überlegte man sich, welchem Volk man als nächstes so etwas versprechen könnte. Weil nicht nur ein neues Jahrhundert, sondern sogar ein neues Jahrtausend über die Völker, die den gregorianischen Kalender verwenden, hereingebrochen war, suchte man sich ein größeres Volk aus. Darum sollte das Jahrtausend nun Chinesisch werden. Aber es handelte sich immer noch um den gleichen faulen Trick, mit denen man nur in den Industrieländern bestimmte wirtschaftspolitische Maßnahmen durchsetzen wollte, indem man ein Entwicklungsland als Vorbild präsentierte. Die Entwicklungsländer profitierten von dieser Strategie. Obwohl es wahrscheinlich keineswegs in der Absicht unserer Wirtschaftslenker lag, wurden zunächst Japan und dann Korea reiche Länder. Auch China konnte bereits stark von der internationalen Aufmerksamkeit profitieren. Der chinesische Staat hatte so gut wie gar keinen Einfluß darauf, daß an immer mehr unserer Schulen Chinesisch gelehrt wird. Das zumindest früher viel propagierte Konzept Wandel durch Handel gilt zwar mehr und mehr als Illusion, funktioniert aber viel besser als unseren Wirtschaftskapitänen überhaupt lieb sein kann. China hat bereits so viel aus unserer Wirtschaftspolitik und so viele unserer Standards übernommen, daß man es kaum noch als Vorbild für notwendige Veränderungen hinstellen kann. Unsere Wirtschaftslenker bestehen immer darauf, daß wir nur so viel teuerer sein können wie wir auch besser sind. Damit man weiterhin solche und ähnliche Dinge predigen kann, geht man immer mehr dazu über, die Inder vorzuschieben, denen man jetzt ein indisches Jahrtausend verspricht.

Obwohl man tatsächlich noch die niedrigeren Preise der chinesischen Konkurrenz als Rechtfertigung für die eigenen Maßnahmen vorschiebt, ist es tatsächlich so, daß chinesische Unternehmen gerne in Vietnam, Laos oder Kambodscha produzieren lassen, weil die Produktion in China viel zu teuer wäre. Ginge es tatsächlich darum, mit den dortigen, niedrigen Preisen zu konkurrieren, dann ginge man doch dorthin und nicht nach China. Die Chinesen verwenden noch eine andere Methode, um ihre Exportpreise zu senken, sogar so häufig, daß China gerade dafür bei uns berühmt ist. Die Methode besteht darin, an der Qualität zu sparen. Dafür war China schon in früheren Phasen dessen, was man heute Globalisierung zu nennen beliebt, bekannt. Was man heute Globalisierung nennt, ist eigentlich nur der Zeitraum zwischen zwei Kriegen. In der Globalisierung vor dem Ersten Weltkrieg, definierte man eine Chinaqualität als einen eigenen Qualitätsstandard, um die Erwartungen westlicher Verbraucher von vorneherein zu senken. Eine ähnlich schlechte Qualität könnte man in den westlichen Ländern wahrscheinlich zu einem ähnlich niedrigem Preis produzieren. Nur ließe sich das nicht verkaufen, weil man die Qualität nicht mit einem Hinweis auf China rechtfertigen könnte und viele Standards einzuhalten hat, die bei Importware oft nicht eingehalten werden. Solche Importware dürfte genaugenommen in westlichen Ländern überhaupt nicht auf den Markt kommen, aber Kontrollen geschehen nur stichprobenweise. Es stimmt auch nicht, daß in China keine Waren hoher Qualität produziert werden könnten. Man bekommt in China jede Qualität, die man zu bezahlen bereit ist. Genau wie in westlichen Ländern. Man muß zwar etwas länger danach suchen, vielleicht sogar einen höheren Preis bezahlen, als man im Westen für das gleiche Produkt ausgeben müßte, aber man findet alle Waren auch mit einer Qualität, die sich nicht hinter der westlicher Waren zu verstecken braucht. Vielleicht sind die chinesischen Waren sogar noch etwas besser. Es ist nämlich in Wirklichkeit so, daß die Chinesen nicht mit den vollautomatisierten Betrieben der Industrieländer konkurrieren können. Zumindest nicht über den Preis. Deswegen waren es die Chinesen, die sich etwas einfallen lassen mußten. In Wirklichkeit waren es immer die Chinesen, deren Produkte um so viel hätten besser sein müssen wie sie teuerer waren.

Manche chinesischen Bosse reagierten tatsächlich so, daß sie ihre Leute um ihr Gehalt betrogen. Es ist schon so, daß viele Chinesen wesentlich weniger Gehalt bekommen als ihnen von Gesetzes wegen zusteht. Es mag schon sein, daß einige Wirtschaftskapitäne dachten, sie könnten einfach nach China gehen und es dort genauso machen. Aber da hatten sie falsch gedacht. Das war schließlich von Anfang an illegal. Warum sollten Chinesen ausgerechnet den von ihnen immer als besonders reich angesehenen Europäern und Nordamerikanern erlauben, chinesische Gesetze zu mißachten, um Geld zu sparen? Einem Chinesen kann man das schon einmal verzeihen, obwohl das eigentlich nur aus wirtschaftlicher Not heraus verzeihlich ist. Aber doch keinem Ausländer, der sich Niederlassungen in vielen Ländern leistet und China auf diese Weise zum Billiglohnland machen will. Für Firmen aus westlichen Ländern gab und gibt es keine Billigarbeiter in China. Ganz im Gegenteil sind solche Firmen auch noch dazu gezwungen, ihren hochqualifizierten Experten Auslandszulagen zu ihren ohnehin hohen Gehältern zu bezahlen. Die Wirtschaftsbosse mögen deswegen versuchen aus dem Grund Experten aus ihrem Gastgeberland einzustellen, aber die orientieren sich in so einem Fall mit ihren Gehaltsforderungen an den Gehältern ihrer Kollegen aus den Industrieländern, wobei sie die Auslandszulage sogar noch als Teil des regulären Gehaltes verstehen. Meistens sind die hochqualifizierten Experten der Schwellenländer dann doch nicht ganz so hoch qualifiziert wie die Experten aus den Industrieländern. Insgesamt gesehen treibt der Versuch an Experten aus den Industrieländern zu sparen die Lohnkosten sogar noch regelmäßig ein gutes Stück nach oben. Dadurch müssen die Verkaufspreise natürlich auch steigen und aus der Konkurrenz über den Preis wird wieder nur Essig. Wer weiß was er tut, wird solche Versuche natürlich von Anfang an unterlassen.

Die ersten Wirtschaftslenker, die nach China gingen, wußten genau, was sie taten. Die unzähligen Fehler wurden durch die Nachahmer begangen. Die Nachahmer sind es auch, die inzwischen massenweise in ihre Ursprungsländer zurückkehren, weil sie mit den Bedingungen in Asien, nicht nur in China, und vor allem mit den Asiaten nicht zurechtkommen.

Nun sollte es klar sein, daß es viele Gründe für Wirtschaftslenker gibt, nicht nach China zu gehen. Was ist nun mit den Gründen es doch zu tun?

Die kulturellen Unterschiede zwischen China und dem deutschsprachigem Raum beschränken sich nicht auf das Essen abstruser Dinge. Die Chinesen verfolgen zwar schon aufmerksam, wie weit sich Ausländer ihrer Kultur anpassen und welche Dinge sie hinunterzuwürgen bereit sind, aber in China brauchen Bosse den Arbeitern nicht zu nahe zu kommen, falls sie das nicht wollen. So lassen sich peinliche Situationen für die Bosse völlig vermeiden. So würde sich auch ein chinesischer Vorarbeiter würde nicht vor den Ohren seiner Untergebenen kritisieren lassen. Das wäre der schnellste Weg, die Mitarbeit verweigert zu bekommen. Solche kulturellen Unterschiede werden von den einen als Nachteil, von anderen jedoch als Vorteil wahrgenommen. Es gibt noch mehr davon.

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen in Deutschland trat mal ein Manager auf, der den Vorteil des Standortes in China erklärte. Er berichtete davon, wie er zu Beginn seiner Tätigkeit in China mit einem Politiker redete. Der fragte ihn: „Sie wissen, was sie jetzt tun müssen?“
Daraufhin sagte der Deutsche: „Das werden Sie mir bestimmt gleich sagen.“
Der chinesische Politiker fuhr fort: „Ja, Sie müssen ganz viel Geld verdienen.“
Darauf wunderte sich der Deutsche: „Das sagen Sie mir? Sie, als Kommunist?“
Der Chinese antwortete: „Ja. Falls Sie irgendwelche Probleme haben, kommen Sie zu uns. Wir sind Ihr Dienstleister.“
Das hatte dem Manager sehr gefallen. So etwas hätte er sich auch seitens der deutschen Politik gewünscht. Aber ihm war natürlich klar, daß in Deutschland Arbeitgeber absolut nicht so willkommen sind. So sehr wie Deutsche immer wieder demonstrieren, daß sie Arbeitgeber nicht im Lande haben wollen, so sehr demonstrieren Chinesen, daß sie sich über jedes in China tätige Unternehmen freuen.

Chinesische Standorte werben sogar damit, daß innerhalb der Zeit, die man in Deutschland braucht, um nur eine Baugenehmigung zu bekommen, an chinesischen Standorten bereits das gesamte Gebäude schlüsselfertig gebaut ist. Dabei brauchen sie nichtmal zu übertreiben. Gut, manchmal stürzen die chinesischen Gebäude auch wieder ein. Die wurden dann zu billig gebaut. Das betrifft aber normalerweise nicht die Gebäude, die für ausländische Unternehmen gebaut werden. Stabile Gebäude werden in China nicht weniger zügig übergeben. Deutschland ist dagegen ganz klar auf dem Weg zu einem Entwicklungsland zu werden. In Deutschland kann jegliche unternehmerische Tätigkeit nur sehr langsam vorangehen, weil jede Handlung mit tausenden Vorschriften abgeglichen werden muß. Nichts ist dem Deutschen wichtiger als seine Vorschriften. Dieses Prinzip nennt sich Primat des Rechts. Das ist ein offiziëller juristischer Begriff. In China gilt dagegen das Primat der Wirtschaft. Sollten Vorschriften der wirtschaftlichen Entwicklung Chinas im Wege stehen, dann werden sie eben abgeschafft. Das geht ohne Probleme, denn die Juristerei ist in China immernoch zweckgebunden. Das beruht auf historischer Erfahrung. Vor zweieinhalb Jahrtausenden beschäftigten sich chinesische Philosophen damit, ob der Mensch gut oder schlecht sei und wie deshalb eine Regierung beschaffen sein müsse. In der dann folgenden Dynastie Qín (秦) wurde der Legalismus ausprobiert. Alles war durch Gesetze geregelt und jedes Fehlverhalten wurde durch harte Strafen geahndet. Es war der Traum manches heutigen Demagogen und der dümmsten Teile des heutigen Volkes. Seitdem die Chinesen so etwas erleben mußten, träumten sie nie wieder davon. Ganz im Gegenteil, so eine Schreckensherrschaft wollten die Chinesen nie wieder haben. Infolgedessen gab es in China und allen durch die chinesische Kultur beeinflußten Ländern bis heute viel weniger Juristen als das in den Ländern der westlichen Hemisphäre immer der Fall war. Erst heute ändert sich das allmählich. Daran dürfte der Rechtsstaatendialog zwischen Deutschland und China nicht ganz unschuldig sein. Auch die westliche Einstellung zum Recht ist dabei sich zu ändern. Einerseits existieren die Grundrechte nur noch auf dem Papier, andererseits wollen die Staatsorgane in jeden Bereich des Lebens der Staatsbürger eingreifen. Die Gesetze werden dabei nicht nur vermehrt, sondern auch noch ständig verschärft. So wie die westlichen Rechtsordnungen mehr und mehr zum Vorbild für die chinesische werden, orientieren sich die westlichen Rechtsordnungen mehr und mehr an der Scharia.

Obwohl die Chinesen langsam ihre Erfahrungen mit dem Legalismus vergessen, hat das doch wesentlich länger gedauert als zu lernen, daß der Legalismus keine gute Idee war. Die Chinesen sind immernoch sehr lernfähig. Sie haben inzwischen sehr viel über die protektionistischen Maßnahmen der westlichen Länder gelernt. Die chinesische Regierung erwidert solche protektionistischen Maßnahmen auch. Deswegen müssen die westlichen Wirtschaftslenker nach China, um sich in die Nähe ihrer Absatzmärkte zu begeben. Wann immer die Wirtschaftslenker dieses Argument vorbringen dürften sie damit recht haben, aber verantwortlich dafür ist natürlich der Protektionismus ihrer Regierung.

Die chinesische Regierung sorgt dazu noch für eine strenge Zensur. Zur Zeit wird verstärkt eine Kampagne gegen alles, was Kinder oder Jugendliche gefährdet, insbesondere gegen Pornographie, geführt. Zwar stört das manchen Westler, aber der größte Teil derer, die chinesische Moralvorstellungen aus Erfahrung kennen, wird sie jederzeit den westlichen vorziehen. Es ist sehr angenehm, nicht an jeder Straßenecke mit Abbildungen der absonderlichsten Mutationen an weiblichen Körpern, sofern man die überhaupt als solche betrachten kann, konfrontiert zu werden. Die in China noch vorherrschende, strengere Moral führt natürlich noch zu weiteren Verhaltensunterschieden, die seitens vieler Wirtschaftskapitäne bevorzugt werden. In China wird Service noch sehr intensiv betrieben. Geht man in Deutschland einkaufen, dann verstecken sich die Verkäufer, wenden sich ab oder ignorieren den Kunden einfach. In China dagegen kommen Verkäufer und anderes hilfreiches Personal immer auf die Kunden zugestürmt. Auf Nichtchinesen kommen normalerweise nicht weniger als fünf zu. Gerade Leute, die Geld zum ausgeben haben, könnten die chinesischen Verhältnisse viel besser als die deutschen finden. Mit genug Geld lassen sich in China auch leicht besonders fleißige Haushälterinnen für wohlhabende Ausländer finden, die einen eigenen Berufsstand bilden. Sie heißen Āyí (阿姨), was soviel wie Tante bedeutet. Weil man sich dafür mittels Fremdsprachen verständigen können muß, können das nur besonders qualifizierte Chinesinnen machen, die dafür entsprechend in der chinesischen Gesellschaft angesehen sind. Es ist ein Ehre als Āyí (阿姨) zu arbeiten und die Āyí (阿姨) stehen praktisch mit einem Fuß in der westlichen Oberschicht. Natürlich werden sie von ihren Arbeitgebern eher geringgeschätzt, wenn nicht verachtet. Darauf lassen zumindest ein paar Erfahrungsberichte schließen. Das macht deren Arbeit für die Wirtschaftskapitäne aus dem Westen aber nicht weniger angenehm. Viel angenehmer als im Westen ist auch, daß die Chinesen nicht so fett werden. Jedenfalls war das bis vor kurzem noch so. Während die Frauen in westlichen Ländern spätestens nach der Geburt ihres ersten Kindes aufgehen wie ein Hefeteig, kann man einer Chinesen nicht ansehen, ob sie bereits ein Kind hat. Als am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts eine der Wellen war, während der jeder nach China mußte, berichteten manche Händler anerkennend, daß die chinesischen Frauen nach ihrem siebten Kind noch immer aussahen wie vor ihrem ersten. Damals waren sieben Kinder der Durchschnitt. Heute bekommt die chinesische Frau im Durchschnitt nur noch ein Kind. Deswegen und wegen der dadurch hervorgerufenen Überalterung sind solche Dinge nicht mehr so wichtig und nicht mehr prägend für das Straßenbild. Alte Menschen werden in China immernoch viel mehr respektiert als in den Ländern der westlichen Hemisphäre. Das ist wiederum etwas, wovon die meisten der Wirtschaftskapitäne aus dem Westen profitieren.

Eine weitere wichtige, geschichtliche Erfahrung beeinflußt die chinesische Kultur. Nachdem die Chinesen den Opiumkrieg gegen die Briten verloren hatten, ordneten die Briten an, daß alle Staatsbürger des britischen Commonwealth, die sich in China aufhielten, zu keinem Zeitpunkt dem chinesischen Recht unterstehen. Das Prinzip nennt sich Exterritorialität. In die chinesische Mentalität hat sich dadurch eingeprägt, daß die Angelegenheiten der Nichtchinesen niemals das Problem von Chinesen sind, unabhängig vom Aufenthaltsort. Solange keine Chinesen involviert sind, sind sogar den chinesischen Behörden in China nur zwischen Nichtchinesen begangene Verbrechen völlig egal. Solange man sich zu benehmen weiß, läßt es sich insbesondere für Nichtchinesen in China sehr gut leben. Natürlich gefällt den Managern aus dem Westen das.

Natürlich kommen nicht alle Leute aus den westlichen Ländern mit der chinesischen Kultur und der Mentalität der Chinesen gleich gut klar. Deswegen haben es Unternehmen, die nach und in China Beziehungen geknüpft haben, sowie Unternehmen, die Sinologen beschäftigen, in China wesentlich leichter als andere Unternehmen. Normalerweise sind die Entscheider dazu zu geizig und völlig inkompetent. Daher ergeben sich immer wieder Probleme mit der chinesischen Kultur. Die kompetenteste Entscheidung, die ein Unternehmenslenker treffen kann, ist immer die, Konkurrenten auszuschalten und deren Marktanteile zu übernehmen. Vor einer Schlacht ritt Napoleon mehrere Tage lang die möglichen Schlachtfelder ab, überprüfte jedes Detail und prägte es sich ein. Dadurch erhielt er einen großen taktischen Vorteil, den man garnicht überschätzen kann. Auch die Schriften chinesischer Strategen betonen die Wichtigkeit, das Gelände zu kennen. Solche Schriften werden heute, insbesondere seitens der chinesischen Betriebswirte, gerne auf die Wirtschaft angewandt, denn im Prinzip gelten für Wirtschaft und Krieg die gleichen Regeln. Deswegen ist es auch in der Wirtschaft ein großer, nicht überschätzbarer, taktischer Vorteil, das Gelände zu kennen. China ist natürlich ein besonders interessantes Schlachtfeld für Unternehmen, gerade weil sich die chinesische Kultur sehr von den westlichen unterscheidet. Daher rühren gerade westliche Unternehmen die Werbetrommel für den Standort China. Sie behaupten, daß man in China einfach dabeisein muß oder aus dem Geschäft raus ist. Andere plappern ihnen das nach. Weniger kompetente Manager plappern das ebenfalls nach und glauben es dann selbst auch noch. Obwohl sie kaum etwas über China wissen, gehen sie ebenfalls mit ihren Unternehmen nach China. Je weniger sie sich dort auskennen, desto leichter lassen sie sich dort von ihren Konkurrenten in den Ruin treiben und so weltweit vom Markt drängen.

So dumm es für den einen Teil der Wirtschaftslenker ist, nach China zu gehen, so klug handelt der andere Teil, wenn er an der Erschaffung des China-Hype arbeitet. Denn so lassen sich Wirtschaftskriege entscheiden. Unter anderem war dafür oft das gerne kritisierte Raubkopierertum entscheidend. Aber inzwischen bekämpfen die chinesischen Behörden das selbst. Gerade die Wirtschaftslenker, die es oft kritisierten, hatten immer am meisten davon profitiert. Während raubkopieren in China immer schwieriger wird, verlassen die Wirtschaftslenker aus genau diesem Grund nun China und wenden sich anderen neuen Märkten zu.

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