2009/06/15

Evolution III


Vorausschicken möchte ich hier, daß ich weder für noch gegen den Papst, weder für noch gegen die katholische Kirche bin.

Wann immer es eine Gelegenheit gibt, über den Papst herzuziehen, dann zieht die Journaille über den Papst her. Als er in Afrika war, war es wieder so weit. Natürlich hat er dort etwas gesagt, das der Religion der Journaille zuwiderläuft. Aber die Religion der Journaille wird aussterben, die Religion des Papstes wird es noch lange danach geben. Die Journaille predigt den Zeitgeist, der Papst predigt viel ältere Werte. Deswegen wird die Religion der Journaille nicht länger als der Zeitgeist überleben. Der Papst dagegen hat für seine Religion nichts weiter im Sinn als ihr Überleben zu sichern.

Religionen kennen verschiedene Methoden sich zu verbreiten. Darunter gibt es jedoch nur eine einzige Methode, die wirklich gut funktioniert. Das ist die Verbreitung über die Gebärmutter. Diejenigen Religionen, deren Anhänger die meisten Kinder bekommen, sind die Religionen, die sich am schnellsten und am weitesten über die Welt verbreiten. In Europa ist der Islam auf dem Vormarsch, weil seine Anhänger viel mehr Kinder bekommen als die europäischen Christen oder die Atheïsten. Deswegen werden die Religionen, die ihre Anhänger dazu auffordern, Kinder zu bekommen, auf lange Sicht alle anderen Religionen verdrängen. Natürlich ist es nicht im Interesse eines religiösen Oberhauptes, seine Religion auf der Verliererseite zu sehen.

Die Religionen kennen verschiedene Wege, ihre Anhänger zum kinderkriegen zu animieren. Der chinesische Ahnenkult erfordert, daß man Nachfahren hat, die dafür sorgen, daß es dem Verstorbenem im Jenseits gut ergeht. Bekanntlich neigen Frauen mehr zur Religion als Männer und auch mehr dazu, für andere zu sorgen. Zusätzlich ist es, zumindest bei schlechter medizinischer Versorgung, schwieriger einen gesunden Jungen als ein gesundes Mädchen zur Welt zu bringen. Der Ahnenkult könnte also viel leichter von weiblichen als von männlichen Nachfahren ausgeübt werden. Genau aus dem Grund schreibt der chinesische Ahnenkult vor, daß die Rituale von männlichen Nachfahren ausgeübt werden müssen, denn dadurch wird der Anhänger der chinesischen Religion dazu gezwungen noch mehr Nachfahren zu haben. Den selben Trick wendet der Hinduismus an. Der Hindu wird zwar wiedergeboren, aber zwischen zwei Geburten gibt es einen Zeitraum, in dem ein männlicher Nachfahre mit Ritualen dafür sorgen muß, daß im Jenseits alles reibungslos abläuft. Die christlichen Konfessionen vermehren ihre Anhänger, indem sie Verhütung und jegliche Familienplanung verbieten. Die Geburtenraten in den christlichen Ländern Afrikas und Lateinamerikas zeigen gerade, daß das sehr gut funktioniert. Der Buddhismus geht einen ähnlichen Weg, indem er alles Leben für heilig erklärt. Er ist nur nicht ganz so streng, was die Familienplanung betrifft. Dann gibt es noch Islamisten, die das Prinzip sehr gut verstanden haben und ihre Anhänger auffordern, mehr Kinder zu bekommen. Auf diesem Weg wollen sie sowohl das Christentum als auch den gemäßigten Islam verdrängen. Das ist besser als Krieg und wird eines Tages tatsächlich zu einem europaweitem, islamistischem Gottesstaat führen können.

Wenn der Papst sagt, daß Empfängnisverhütung zur Verbreitung von Geschlechtskrankheiten beitragen würden, und noch vorausgesetzt, daß das keine Anspielung auf die Bangui-Definition war, dann schießt er zwar etwas über das Ziel hinaus, aber sein Verbot hat eigentlich überhaupt nichts mit Geschlechtskrankheiten zu tun. Will man sie auf dem Weg der Empfängnisverhütung verhindern, dann werden gleichzeitig keine neuen Christenmenschen geboren. Das ist das Problem, dem der Papst in seiner Funktion als religiöses Oberhaupt entgegentreten muß. Zumindest falls er will, daß seine Religion länger überlebt als der Zeitgeist der Journaille. Falls es dadurch ein paar HIV-Infektionen mehr geben sollte, dann ist das für die Kirche nicht mehr als ein Kollateralschaden, der in Kauf genommen werden muß, um nicht anderen Religionen das Feld zu überlassen.

In den Fällen, in denen die Verbreitung einer Religion über den Weg der Missionierung funktionierte, bot die betreffende Religion immer weltlichen Herrschern einen Grund, deren Machtgebiet zu erweitern oder einen schon lange gewünschten Krieg zu beginnen. Weil es heute nicht mehr allgemein akzeptiert ist, Kriege aufgrund bestimmter religiöser Lehren zu rechtfertigen, funktioniert die Verbreitung der Religionen über die Missionierung nicht mehr besonders gut. Die Evolution der Religionen hat noch eine Verbreitungsmethode hervorgebracht. Es handelt sich um die Methode den Anhängern der Religion zu verbieten, mit Männern oder insbesondere mit Frauen, die einer anderen Religion zugehören, Paare zu bilden. Auf diese Weise gewinnt die strengere Religion manchen Ehepartner dazu und stellt sicher, daß die Kinder im Sinne der strengeren Religion erzogen werden. Aus solchen Beobachtungen könnte man nun schließen, wohin sich die Religionen entwickeln werden, falls es sich bei der sogenannten Evolutionstheorie tatsächlich um eine Theorie handelte.

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