2009/06/08

Evolution II


In einem Artikel, der hier besser erst garnicht verlinkt wird, des bekannten Blökportals Telepolis gab es vor einigen Tagen alberne Aussagen über Evolution zu lesen. So hieß es dort, daß die Theorie der Evolution besage, daß sich das Bessere durchsetze. Desweiteren seien es nicht die reichsten Mitglieder der Gesellschaft, die die meisten Kinder hätten. Aus diesem Grund wiederum sollte die Theorie der Evolution nicht stimmen können. So etwas kommt davon, wenn man immer erst alles in einem Hinterwäldlerdialekt statt gleich ein einer Kultursprache formuliert. Im angelsächsischen Dialekt des Niederdeutschen gibt man das Prinzip der Evolution, das man beobachtet hat, mit „survival of the fittest“ wieder. Das läßt sich jedoch nicht damit übersetzen, daß sich das Bessere durchsetze. Wörtlich bedeutet es „überleben der Angepaßtesten“ und grammatisch richtig „die Angepaßtesten überleben“.

Man kann an äußere Umstände angepaßt sein, man kann daran besser angepaßt oder sogar am besten angepaßt sein. Aber in keinem Fall wäre man deswegen „besser“. Schon garnicht, falls man das auch noch mit reich gleichsetzt. Daß „die Angepaßtesten überleben“ besagt nichts weiter als daß diejenigen, die nicht überlebt haben, nicht gut genug an die äußeren Umstände angepaßt waren. Das ist praktisch nicht mehr als eine Tautologie, eine Erkenntnis des Offensichtlichen. Tätigte man so eine Erkenntnis in einem modernen Film, dann würde dem Wissenschaftler seitens einer höherrangigen Filmfigur, vorzugsweise mit militärischem Hintergrund, so etwas wie „Sie haben ein Talent dafür, das Offensichtliche zu erkennen“ erwidert. Damit wäre die Sache dann erledigt. Es würde sich kein jahrhundertelanger, pseudoreligiöser Streit anschließen. Dem Charles Darwin müssen wir jedoch zugute halten, daß er sich die Evolution noch anders vorstellte als heutige Biologen das tun. Charles Darwin hielt Mutationen nicht für zufällig, sondern er machte sich noch Gedanken darüber wieso eine bestimmte Mutation auftritt und eine andere nicht. Er glaubte auch, daß die Evolution eine bestimmte Richtung nehmen müsse, denn für ihn war der Mensch noch die Krone der Schöpfung. Anders hätte der Theologe Charles Darwin sich die Evolution nicht vorstellen können, denn er hatte Theologie studiert und war als Theologe sozialisiert. Von der heute oft unterstellten Gegnerschaft zu den christlichen Kirchen fand sich bei ihm keine Spur.

Die Theorie der Evolution muß schon deswegen stimmen, weil sie garkeine Theorie ist, sondern eine bloße Beobachtung, aus der selten irgendwelche theoretischen Schlußfolgerungen gezogen werden.

Reich und wohlhabend sind weitere Begriffe, die man nicht miteinander verwechseln sollte. Solange man nur zwischen Menschen unterscheidet, die mehr oder weniger als andere haben, dann sind diejenigen, die weniger haben, vielleicht arm und diejenigen, die mehr haben, ganz sicher nur wohlhabend. Das Wort kommt schon vom Verb „haben“. Reich zu sein setzt dagegen voraus, böse zu sein. Daher schalt unter anderem schon Jesus, der Christus, die Reichen zum Beispiel mit dem berühmten Worten: „Eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als daß ein Reicher in das Himmelreich komme.“ Natürlich steht in modernen, korrigierten Fassungen „Schiffstau“ statt „Kamel“, denn bei einer Schrift, die nur Konsonanten festhält, jedoch keine Vokale, ist beim übersetzen gesteigertes mitdenken angesagt. Sicher störte sich der unfreiwillige Religionsstifter nicht daran, daß manche Leute mehr und andere weniger Besitztümer hatten. Ohne wohlhabende Förderer hätten er und seine Jünger garnicht überleben können. Nicht der Wohlstand ist es, der dem Reichen am Zugang zum Himmelreich hindert, sondern seine Bosheit. Anders als der nur Wohlhabende besitzt der Reiche deswegen viel, weil er es anderen weggenommen hat. Reiche sorgen aktiv dafür, daß andere arm werden, ihre Potentiale nicht verwirklichen können, ihnen Chancen genommen werden, sie nicht an der Gesellschaft teilhaben können und sogar ihr Leben bedroht ist, zum Beispiel durch den Hungertod. Wer viel hat und dem Armen davon abgibt, damit der nicht verhungert, ist auf jeden Fall nur wohlhabend. Der Reiche dagegen versucht stattdessen an das Erbe des Verhungernden heranzukommen oder wenigstens noch dessen Leiche zu fleddern. Natürlich wird er durch dieses Verhalten noch viel mehr materiëlle Güter anhäufen als es der Wohlhabende könnte, der in diesem Beispiel sogar seinen Besitz freiwillig verringert hat. Darum leben Reiche in viel größerem Luxus als Wohlhabende das je könnten. Natürlich sind die Reichen daran interessiert, daß nicht viel über ihre Taten in die Öffentlichkeit dringt. Wirkliche Reiche sind selten und man kann nicht allgemein über sie sagen, daß sie viele oder wenige Kinder hätten.

In der Regel haben Wohlhabende wenige Kinder. Haben sie viele, dann schmilzt ihr Wohlstand durch die zusätzlichen Kosten schnell dahin und sie werden in der Statistik nicht mehr zu den Wohlhabenden gezählt. Unser Gesellschaftssystem gestattet es also garnicht, daß Wohlhabende viele Kinder haben könnten. Natürlich haben Arme im Vergleich dazu dann viele Kinder. Es ist lediglich fraglich, ob sie schon alle vorher arm waren oder nur die Kosten, die unser Gesellschaftssystem für Kinder verursacht, nicht mehr tragen konnten. Erfolg im biologischen Sinne besteht jedoch nicht aus materiëllem Wohlstand. Aus der Sicht des Biologen ist der Arme mit vielen Kindern erfolgreich und der Wohlhabende mit wenigen Kindern erfolglos. Der Arme ist deswegen erfolgreich, weil er viele Kinder hat. Der Wohlhabende ist deswegen erfolglos, weil er wenige oder garkeine Kinder hat. Auf diese Weise hat der Arme sich mit seinen Eigenschaften durchgesetzt. Der Biologe beobachtet das und hängt dann dem Armen das Etikett „erfolgreich“ oder „am besten angepaßt“ an. Mehr kann der Biologe auch nicht tun in Ermangelung der Theorie innerhalb der sogenannten Evolutionstheorie.

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