2009/06/08

Astronomische Namen


2009 ist das Jahr der Astronomie. Aus diesem Anlaß müssen endlich einmal einige Bezeichnungen aus der Astronomie richtiggestellt werden. Die meisten Astronomen kennen zwar noch deren richtige Bedeutung, aber sogar unter den Fachleuten fängt dieser grundlegende Teil der Fachkenntnis schon an zu schwinden. Daher wird es höchste Zeit für das entsprechende Zhèng-Míng (正名).

Schon das Wort Astronomie weist auf die Sterne hin. Das Wort Stern hat einen Bedeutungswandel durchlaufen. Es bezeichnete früher alle Objekte, die am Himmel leuchteten und man unterschied zwischen Fixsternen und Wandelsternen. Damals gab es noch keine künstlichen Objekte am Himmel. Wandelsterne hießen diejenigen Lichtpunkte, die ihre Position im Jahreslauf veränderten, während die Fixsterne keine wahrnehmbare Änderung ihrer Position im Laufe eines Jahres aufwiesen. Dann erkannte man, daß die Fixsterne selbst Licht aussanden, die Wandelsterne dagegen das Licht der Sonne reflektierten. Außerdem stellte man auch fest, daß die Fixsterne doch eine langsame Bewegung aufwiesen. Deswegen bezeichnete man die Fixsterne nur noch als Sterne und die Wandelsterne als Planeten. Die Astrologen haben die Bezeichnung Planeten für alle beweglichen Himmelskörper bis heute beibehalten, weil das in früheren Jahrhunderten modern und wissenschaftlich klang. Neu entdeckte, kleinere Himmelskörper werden manchmal auch seitens der Astrologen als Planetoiden bezeichnet. Der wesentliche astrologische Unterschied zwischen einem Planeten und einem Planetoiden ist der, daß letzterer in den astrologischen Computerprogrammen nicht standardmäßig berechnet wird. In der Astronomie ist die Entwicklung dagegen weitergegangen und die Himmelskörper wurden neuen Erkenntnissen entsprechend weiterhin umbenannt.

Man erkannte, daß die Sterne mit der schon bestens bekannten Sonne sehr viel gemeinsam haben. Die Sonne ist ein Stern. Aber es gibt nur eine Sonne. Sonne ist der Eigenname des Sterns, um den die Erde kreist. Planeten kreisen um Sterne und so ein System heißt dann Sternensystem. Unser Sternensystem heißt Sonnensystem. Objekte, die um andere Himmelskörper kreisen, heißen Satelliten. Das ist ein Oberbegriff. Es gibt natürliche und künstliche Satelliten. Planeten sind natürliche Satelliten der Sterne. Künstliche Satelliten sind menschengemacht und werden meistens nur als Satelliten bezeichnet. Planeten haben manchmal auch natürliche Satelliten. Die heißen Trabanten.

Der Mond ist der Trabant der Erde. Mond ist der Eigenname des Trabanten der Erde. Aus diesem Grund gibt es im gesamten Universum lediglich einen einzigen Mond, so wie es auch nur eine einzige Sonne und eine einzige Erde gibt. Natürlich gibt es trotzdem abertausende Sterne, Planeten und Trabanten im All.

Eine ähnliche Begriffsverwirrung herrscht bei dem Begriff der Galaxie. Galaxien sind Ansammlungen tausender Sternensysteme, die sich um einen gemeinsamen Schwerpunkt drehen. Astronomen gehen heute davon aus, daß sich im Zentrum jeder Galaxie ein großes Schwarzes Loch befindet, das die Sternensystem auf ihrer Bahn innerhalb der Galaxie hält. Es gibt abermillionen Galaxien im All. Aber es gibt lediglich eine einzige Galaxis. Das ist so, weil Galaxis der Eigenname unserer Heimatgalaxie ist. Verständigt man sich, anstatt sich einer Kultursprache zu befleißigen, mittels eines Hinterwäldlerdialekts wie dem angelsächsischen, dann hat man natürlich weniger Möglichkeiten, sich genau auszudrücken. Deswegen unterscheiden die Angelsachsen zwischen Begriff und Eigennamen manchmal, wie in diesem Fall, nur durch Großschreibung oder Kleinschreibung. So bezeichnet galaxy eine beliebige Galaxie, Galaxy dagegen ist die Bezeichnung für die Galaxis. An einem Satzanfang können die Angelsachsen nicht zwischen den beiden Wörtern unterscheiden. Deswegen behelfen sie sich manchmal damit, die Galaxis auch als Milchstraßengalaxie zu bezeichnen. Milchstraße bezeichnet korrekterweise jedoch lediglich den großen, aus sehr vielen leuchtschwachen Sternen bestehenden, milchigen Streifen an einem sternenklaren Nachthimmel.

Als man zwischen Mars und Jupiter eine Reihe kleinerer Himmelskörper entdeckte, die abgesehen von ihrer geringen Größe und ihrer großen Anzahl auf einer Planetenbahn, auf der man nur einen einzelnen Planeten erwartet hätte, nannte man die kleinen Himmelskörper Asteroiden. Als man später noch mehr, ähnliche kleine Himmelskörper entdeckte, bezeichete man die zunächst auch als Asteroiden. Solche, die das Sonnensystem zeitweilig verlassen oder sozusagen nur auf Besuch durch das Sonnensystem kommen, werden als Kometen bezeichnet. Dann entschied man sich auch noch, lediglich aufgrund der Größe eines Himmelskörpers zwischen Meteoroiden und Asteroiden zu unterscheiden. Meteoroiden gelten als Zwischending zwischen kosmischem Staub und Asteroiden. Ein auf die Erde stürzender Meteoroid heißt Meteor und ein sich auf der Erde befindlicher, bereits abgestürzter solcher heißt Meteorit. Zwischen der Saturnbahn und der Plutobahn wurde eine weitere Gruppe kleiner Himmelskörper gefunden. Weil man die dort nicht erwartet hatte, nannte man sie Trojaner. Aber es wurden noch weitere kleine Himmelskörper entdeckt. Die kleinen Himmelskörper wurden alle erst ab dem zwanzigsten der nachchristlichen Jahrhunderte entdeckt. Der Pluto wurde ebenfalls erst im zwanzigsten nachchristlichen Jahrhundert entdeckt. Deswegen ist es strittig, ob der Pluto ein Planet ist. Überhaupt stellte man fest, daß der Begriff Planet gar nicht genau definiert ist. Einerseits könnte man alle Himmelskörper, die um einen Stern kreisen, als Planeten bezeichnen. Andererseits würde man dann begrifflich nicht mehr zwischen Staubkörnern und erdähnlichen Planeten oder zwischen kleinen Felsen ohne eigene Trabanten und riesigen Gasplaneten unterscheiden können. Unter dem Begriff Planet werden praktisch nur noch solche Himmelskörper zusammengefaßt, die noch nicht einer anderen Gruppe zugeordnet wurden.

Die Erde gilt als Planet. Eines der interessantesten Gebiete der heutigen Astronomie ist die Suche nach Exoplaneten. Das sind Planeten, die zu anderen Sternensystemen als dem Sonnensystem gehören. Natürlich gelten Exoplaneten ebenfalls als Planeten. Deswegen wurde es als ausgesprochen unglückliche Situation empfunden, daß der Begriff des Planeten nicht klar definiert ist. Aus dem Grund wurde 2006 die Prager Definition beschlossen. Aufgrund dieser Definition hat der Pluto seinen Status als Planet verloren. Man meinte, damit die Astrologen ärgern zu können, deren Tätigkeit angeblich keine Veränderung an dem Status eines Himmelskörpers vertragen könne. Tatsächlich berücksichtigten viele Astrologen Pluto noch lange Zeit nach dessen Entdeckung nicht, weil er nicht in das System zu passen schien. So gesehen würde die Aberkennung des Planetenstatus des Pluto den Astrologen sogar entgegenkommen. Aber natürlich spielt die Bezeichnung für die Himmelskörper in der Astrologie keine Rolle. Deswegen können Astrologen es sich erlauben, sogar die Sonne als Planeten zu bezeichnen. Diese schlechte Angewohnheit gilt manchem Kritiker als Grund zu behaupten, daß manche Menschen glaubten, daß sich die Sonne um die Erde drehe. Befaßte sich so ein Kritiker zunächst mit den Grundlagen der Astrologie, dann würde er natürlich feststellen, daß das einerseits nicht stimmt und andererseits irrelevant ist.

Galileo Galilei wollte keineswegs, daß nun alle Menschen glauben müssen, daß sich die Erde um die Sonne drehe. Vielmehr wandte er sich gerade gegen das Dogma, das seitens der katholischen Kirche aufrecht erhalten wurde, weil es ein Dogma und keine wissenschaftliche Erkenntnis war. Galileo Galilei führte das Relativitätsprinzip ein, auf dessen Grundlage später Einsteins Relativitätstheorie überhaupt erst entstehen konnte. Das Relativitätsprinzip besagt, daß es keinen Ruhepunkt im Universum gibt, von dem aus man Bewegungen in absoluten Größen messen könnte. Um Bewegungen zu messen, muß man deshalb zunächst einen Punkt aussuchen, auf den sich der Beobachter begeben muß. Von dort aus kann der Beobachter dann eine Bewegung in Relation zu dem Punkt messen. Dieser Punkt heißt daher auch Bezugspunkt. Seit Galileo Galilei ist es daher völlig falsch oder zumindest unwissenschaftlich, zu behaupten, daß die Erde um die Sonne kreise. Stattdessen kann man höchstens noch die Richtung und die Geschwindigkeit eines Objektes in Bezug zum Standort des Beobachters aus messen oder angeben. Alles andere ist unwissenschaftlich.

Obwohl die Aberkennung des Planetenstatus des Pluto erst drei Jahre her ist, hat man inzwischen erkannt, daß durch die selben Kriterien auch die Erde, der Mars, der Jupiter und der Neptun ihren Planetenstatus verlieren müßten. Das ist gerade das, das durch die neue Planetendefinition hatte vermieden werden sollen. Deswegen ist die neue Definition, die übrigens nur seitens einer Minderheit der Astronomen beschlossen wurde, schon starker Kritik ausgesetzt. Es ist daher anzunehmen, daß die Planetendefinition wieder geändert werden wird. Wahrscheinlich werden wir es sogar noch erleben, daß der Planetenbegriff völlig abgeschafft und durch mehrere genauere Begriffe ersetzt werden wird.

Wo wir gerade dabei sind, sollte auch gleich noch der Unterschied zwischen einem Sternbild und einem Sternzeichen erklärt werden. Sternbilder sind Gruppen, die aus hellen Sternen zusammengestellt wurden. Für die Gruppierung gibt es keine physikalische Grundlage, sie eignete sich lediglich dazu, sich am Himmel besser orientieren zu können. Das Auffinden bestimmter Sterne war früher insbesondere für die Seefahrt wichtig, weil man sie für die Navigation benötigte. Darüberhinaus waren die Formen der willkürlich zusammengestellten Sternbilder an die für die Schiffahrt wichtigen Küstenlinien angelehnt. Das erleichterte ebenfalls die Navigation. Deswegen haben unterschiedliche Kulturen unterschiedliche Sternbilder entwickelt, je nachdem wie es für die geographischen Gegebenheiten in ihrem Kulturraum passend war. Die Sternbilder sind eine rein geographisch-astronomische Angelegenheit, ohne Bedeutung für die Astrologie. Die Astrologie kennt mit dem Tierkreis ein Koordinatensystem, das die Astronomie natürlich auch kennt, aber nur ekliptikales Koordinatensystem nennt, weil manche Astronomen das religiöse Bedürfnis verspüren, sich von Astrologen abzugrenzen. Seitens der Astrologen wird das nur mit völligem Unverständnis gesehen. Das ekliptikale Koordinatensystem beginnt definitionsgemäß an dem Punkt, an dem die Sonne zum Zeitpunkt der Frühjahrstagundnachtgleiche steht. Zur leichteren Orientierung teilten die Astrologen das Koordinatensystem in zwölf gleich große Zeichen auf. Das sind die Tierkreiszeichen. Definitionsgemäß steht darin die Sonne zum Frühjahrsbeginn am Anfang des Widders, zum Sommerbeginn am Anfang des Krebses, zum Herbstbeginn am Anfang der Waage und zum astronomischen Winterbeginn am Anfang des Steinbockes. Das Tierkreiszeichen, in dem die Sonne jeweils gerade steht, wird korrekterweise als Sonnenzeichen bezeichnet. Weil es zwar nur eine einzige Sonne im gesamten Universum gibt, aber die Sonne trotzdem einer unter abermilliarden Sternen ist, heißt das Sonnenzeichen auch Sternzeichen. Sternzeichen haben mit Sternbildern einfach nichts zu tun.

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