2009/05/22

Volkswirtschaft für Anfänger


Es folgt eine Zusammenfassung zu den Begriffen Inflation, Deflation, Stagflation und Teuerung.

Preise haben die lästige Angewohnheit ständig zu steigen. Aus Unwissenheit bezeichnen viele Menschen dieses Phänomen als Inflation. Das liegt an der Erinnerung an eine historische große Inflation. Damals stiegen die Preise gewaltig an. Hätten wir heute jedoch eine Inflation, dann würde das bedeuten, daß die Zentralbank ihrer Aufgabe nicht nachkommt. Geldwertstabilität ist das einzige Ziel dem die Zentralbank verpflichtet ist. Würde sie das ignorieren, dann müßte man alle Verantwortlichen verklagen. Aber würde sich dann etwas ändern?

Sucht man in Wirtschaftsforen nach dem Rat kompetenter Leute, dann kann man sogar erfahren, daß wir keine Inflation, sondern eine Deflation haben. Ein Symptom einer Deflation ist es jedoch, daß Preise sogar sinken. Weil dieses Symptom ausbleibt, andere Symptome einer Deflation, wie zum Beispiel steigende Arbeitslosigkeit, jedoch zu beobachten sind, sprechen manche der Experten lieber von einer Stagflation. Nach einer Erklärung der Stagflation sucht man vergeblich.

Beim Küchenindex des ARD-Ratgeber Geld wird immer ganz korrekt von der Teuerung gesprochen. Dort wird eine Sache ausnahmsweise mit dem Begriff bezeichnet, der auch gemeint ist. Der Begriff ist praktisch selbsterklärend. Das ist gutes Deutsch. Bei dem Küchenindex werden die Zahlen nichtmal durch einzelne, besonders langlebige Güter nach unten manipuliert. Auch in dieser Hinsicht ist er eine rühmliche Ausnahme. Es ist nur schade, daß der Küchenindex nur aus einer einzelnen Meldung pro Monat besteht. Langfristige Aufzeichnungen und Darstellungen in Diagrammen wären für historische und internationale Vergleiche wünschenswert. Das Wort Teuerung beschreibt sehr gut das Phänomen der ständig ansteigenden Preise. Aber dadurch werden sie nicht erklärt.

Der Begriff Inflation dagegen beschreibt eine mögliche Ursache für eine Teuerung. Als die Begriffe Deflation und Inflation eingeführt wurden, basierten alle Währungen auf Gold. Manchmal wurden Silber und Kupfer als kleinere Einheiten verwendet. Manchmal wurden Banknoten ausgegeben, die durch Gold gedeckt waren. Die damaligen Banknoten waren nichts anderes als ein verbriefter Anspruch auf eine gewisse Menge Gold. Eine Goldmünze war immer genausoviel wert wie die gleiche Menge ungeprägtes Gold. Daher konnte man Goldmünzen bedenkenlos einschmelzen. Mit dem Besitz ungeprägten Goldes war das Recht verbunden, daraus Münzen prägen zu lassen, denn am Wert änderte sich dadurch nichts. Die Münzprägung war nicht mehr als ein Eichverfahren. Eine staatliche Stelle garantierte durch den Stempel auf der Münze nur, daß in der so viel Gold enthalten war, wie der Stempel angab. Wer irgendwo Gold fand, konnte es direkt als Geld verwenden. Kein Staat mischte sich in das Geldsystem ein. Deswegen führte ein Goldfund normalerweise zu einem Goldrausch. Im damaligen Geldsystem war die verfügbare Geldmenge von der verfügbaren Goldmenge abhängig. Die schwankte jedoch, weil sowohl neues Gold in das Wirtschaftssystem kam als auch Gold das Wirtschaftssystem verlassen konnte. Deswegen mußten Händler die Preise immer an die verfügbare Goldmenge anpassen. War im Vergleich zu den Waren sehr viel Gold vorhanden, dann hieß das Inflation und die Preise mußten nach oben korrigiert werden. War im Vergleich zu den Waren sehr wenig Gold vorhanden, dann hieß das Deflation und die Preise mußten nach unten korrigiert werden. Nur so konnte der Geldwert stabil gehalten werden. Heute besteht Geld hauptsächlich aus ungedecktem Papier. Eine Inflation läge dann vor, wenn sich alle Einnahmen deswegen erhöhen würden, weil unsere Volkswirtschaft mit einer so großen Menge Papier überflutet würde, daß man sich nicht mehr anders zu helfen wüßte als Papiergeld daraus zu machen und das unters Volk zu verteilen. Die Leute hätten soviel Papiergeld, daß sie die Händler sogar selbst auffordern würden, die Preise zu erhöhen, damit sie das ganze Papier nicht selbst einlagern müßten. Haben die Leute dagegen so wenig Geld, daß sie sich in Konsumzurückhaltung üben müssen, bis die Händler sich bereit zeigen die Preise zu senken, dann liegt eine Deflation vor. Ein großer Teil der Bevölkerung hat tatsächlich zu wenig Geld. Daher diagnostizieren manche Experten, daß wir uns in einer Deflation befinden. Das bedeutet zunächst nicht, daß die Preise sinken, sondern daß die Preise als zu hoch empfunden werden. Wenn Preise als zu hoch empfunden werden, weil man zu wenig Geld in der Tasche hat, dann liegt eine Deflation vor! Die momentane Deflation ist jedoch eine Konsequenz aus der schon lange andauernden Teuerung. Die Teuerung ist die Ursache der Deflation. Damit kann die Teuerung also nicht erklärt werden.

Ein offensichtlicher Grund für die stets ansteigenden Preise sind ständig steigende Steuern. Es ist schon verwunderlich, daß die fast nie für die steigenden Preise verantwortlich gemacht werden, obwohl steigende Steuern gar keine andere Konsequenz haben können. Letztendlich werden in unserem Wirtschaftssystem nicht nur alle Steuern, sondern auch alle Gebühren und Sozialabgaben über die Preise bezahlt. Die Gebühren und die Sozialabgaben steigen ebenfalls ständig an. Neben diesen staatlich verordneten Dingen, führen auch noch steigende Kreditzinsen zu steigenden Preisen. Aber warum verhalten sich solche Ausgaben ganz anders als Warenpreise? Müßten klamme Wähler nicht ihren Abgeordneten solange in den Allerwertesten treten bis die die drückende Abgabenlast auf ein erträgliches Maß senken? Das könntet ihr zwar versuchen, aber in der unmittelbaren Umgebung der Abgeordneten sitzen fast nur Leute, die die Taschen voller Geld haben. Da gibt es Manager, Aufsichtsräte, Funktionäre und viel zu hoch bezahlte Minister. Es sind vor allem Leute, die die Preise als niedrig empfinden, weil bei ihnen Inflation herrscht.

Die bekannte Tatsache, daß es viele Leute mit wenig Geld und wenig Leute mit viel Geld gibt, läßt sich auch so ausdrücken, daß es eine Oberschicht gibt, in der es Inflation gibt, und eine Unterschicht, in der Deflation herrscht. Dadurch erklärt sich ganz zwanglos die Tatsache, daß manche Experten gleichzeitig Symptome einer Inflation und Symptome einer Deflation feststellen und das Ganze dann Stagflation nennen. Wären die Reichen nicht reich, dann wären die Armen nicht arm. Man muß das nur einmal durchschaut haben, dann ist es nichtmal mehr schwer zu verstehen.

1 Kommentar:

  1. Ein wirklich sehr interessanter Artikel. Ich habe mich jüngst mit demselben Thema beschäftig. Es stellte sich mir die Frage ob eine hohe Inflation (Hyperinflation) oder eine Deflation schlimmer ist. Betrachtet man die Inflation, so wird man schnell feststellen, dass ein gewisses Maß für die Wirtschaft gesund ist. Steigt diese jedoch über eine gewisse Höhe (Hyperinflation) so ist sie immens bedrohlich. In einer gesunden Wirtschaft wird es immer Konjunkturzyklen geben. Je nach Zyklus herrscht entweder eine Inflation oder Deflation vor. Erst der Eingriff seitens der Staaten / Zentralbanken mithilfe der Geldpolitik führt zum ausufern beider Seiten. Die Ursache für eine hohe Inflation (Hyperinflation) wird immer in der Geldpolitik gelegt. Eine normale und gesunde Deflationsphase (Wirtschaftsabschwung) wird in der Regel nicht zugelassen. Die Zentralbanken versuchen diese Phase mit der Geldpolitik zu umgehen. Die daraus resultierende expansive Geldpolitik stellt die Grundlage für eine Hyperinflation dar. Einer sehr hohen Inflationsphase geht somit meist eine Deflationsphase voraus, auch wenn diese durch die expansive Geldpolitik oftmals nicht zu sehen ist. Ob eine jetzt Deflationsphase oder eine hohe Inflationsphase schlimmer ist, kann meiner Meinung nicht eindeutig beantwortet werden. Bei einer Hyperinflation kann ein Neustart (in der Regel ein Währungsneustart) schneller vonstattengehen. Die Auswirkungen finden hierbei in einem sehr kurzen Zeitfenster statt. Das Endergebnis einer Deflation ist meist nichts anderes ... jedoch wird der Crash in der Regel nach hinten verschoben …

    AntwortenLöschen