2009/05/13

Stagflation


Experten, die versuchen, den heutigen Zustand der Volkswirtschaft zu analysieren entdecken sowohl Symptome, die auf eine Inflation hinweisen, als auch Symptome, die auf eine Deflation hinweisen. Weil dieser Zustand eine Mischform aus Inflation und Deflation zu sein scheint, wird er von den Experten als Stagflation bezeichnet. Jedoch können uns auch die angesehensten Experten der Wirtschaft nicht erklären, wie das Phänomen der Stagflation entsteht. Benutzt man statt verschrobener Theorien der Wirtschaftswissenschaftler den gesunden Menschenverstand, dann ist die Erklärung der Stagflation nicht mehr so schwierig.

Geld und andere Vermögenswerte sind in der Gesellschaft ungleich verteilt. Das ist sogar den Wirtschaftlern klar und sie definieren dafür den Gini-Koëffiziënten. Der Gini-Koëffiziënt kann Werte zwischen null oder null Prozent und eins oder hundert Prozent annehmen. Ein Gini-Koëffiziënt von eins bedeutet, daß einer Person sämtliche Vermögenswerte der Volkswirtschaft gehören und alle anderen Personen überhauptnichts haben. Ein Gini-Koëffiziënt von null bedeutet, daß der Traum aller echten Sozialisten eingetreten ist und alle Vermögenswerte innerhalb der Volkswirtschaft völlig gleich verteilt sind. Sowohl die Höhe des Gini-Koëffiziënten als auch dessen Auswirkungen können nur geschätzt werden. Man nimmt an, daß es zu sozialen Unruhen kommt, sobald der Gini-Koëffiziënt einen Wert von mindestens vierzig Prozent erreicht. Empirisch bestätigt ist das jedoch nicht.

Eine weitere Sache, die durch Wirtschaftler definiert wurde, ist der Warenkorb, der zur Ermittlung des Geldwertes dient. Der Warenkorb besteht aus unterschiedlichen Dingen, die lediglich gemeinsam haben, daß man sie mit Geld kaufen kann. Darunter sind Dinge des täglichen Bedarfs, aber auch Dinge, die man selten oder gar nicht kauft. Seit einigen Jahren haben sogar die Kosten für Lizenzen für propriëtäre Computerprogramme, die wirklich kein Mensch braucht, Eingang in den Warenkorb gefunden. Ein Mensch mit gesundem Verstand würde nun annehmen, daß die Dinge im Warenkorb wenigstens ihrer Bedeutung entsprechend gewichtet sind, aber ein Wirtschaftler denkt nicht so. Die Dinge in dem Warenkorb sind nicht gewichtet. Seriöse Studien über die Entwicklung des Geldwertes ziehen es daher vor, ungefähr zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung abzubrechen. Dennoch wird der Geldwert auf diese Art ermittelt. Dadurch sehen manche Experten Preisanstiege, während gleichzeitig andere Experten Kostensenkungen sehen.

Bei dem Warenkorb gibt es noch eine Sache zu bedenken. Reiche Leute kaufen nicht die gleichen Dinge wie wohlhabende Leute, beide kaufen nicht die gleichen Dinge wie Normalverdiener und dann gibt es noch Leute, die am Rande des Existenzminimums leben oder nur noch dahinvegetieren und ihr Konsumverhalten entsprechend anpassen müssen. Für jede dieser gesellschaftlichen Schichten müßte ein eigener Warenkorb erstellt werden. Mit dem Warenkorb einkommensarmer Schichten würde man leicht eine Deflation feststellen. Im Luxusgüterbereich kann man nach wie vor die Preise nahezu beliebig erhöhen, geradeso als hätten wir eine Inflation. Erst durch das Vermischen der beiden Beobachtungen stellt man eine Stagflation fest. Das Phänomen ist desto ausgeprägter, je höher der Gini-Koëffiziënt ist.

Wird in einer Volkswirtschaft eine Stagflation festgestellt, dann gibt es nur eine einzige Schlußfolgerung, die sich daraus ziehen läßt. Nämlich die, daß in der betreffenden Volkswirtschaft der Gini-Koëffiziënt bereits zu hoch ist.

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