2009/05/28

Marktwirtschaft


Wirtschaft ist definiert als alle diejenigen Handlungen, die auf die Befriedigung menschlicher Bedürfnisse ausgerichtet sind. Man kann daher kaum irgendetwas tun ohne Wirtschaft zu betreiben. An einem Markt werden Preise festgelegt. Preise spielen in der Wirtschaft eine wichtige Rolle, weil sie Interessen zwischen unterschiedlichen Teilnehmern am Markt oder generell an der Wirtschaft ausgleichen sollten. Marktwirtschaft bedeutet, daß Preise aus der Wechselwirkung zwischen Angebot und Nachfrage entstehen. Nachfrage ist die Schnittmenge aus Bedarf und der Kaufkraft, die zur Verfügung stünde, um den Bedarf zu erfüllen. Angebot ist schwieriger zu beschreiben, Angebote werden hauptsächlich durch das dafür benötigte Kapital und Risikoprämien bestimmt. Wirtschaftler, die sich für Wissenschaftler halten, stellen immer kompliziertere Modelle auf, um zu erklären, wie Preise genau entstehen und welche Höhe sie haben müßten.

In der Realität versagen deren Prognosen häufig. Dabei sagt die Theorie der Wirtschaftler sogar, daß es große Unterschiede zwischen der Realität und den idealisierten Modellvorstellungen gibt. Entweder können die Wirtschaftler das interessierten Laien nicht richtig vermitteln oder sie vergessen es selbst zu häufig.

Die Theorien der Wirtschaftler gehen immer von idealen Märkten aus, die sich definitionsgemäß von realen Märkten unterscheiden. Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden ist der, daß ein idealer Markt völlig transparent ist. Das bedeutet, daß jeder Nachfrager jeden Anbieter sowie dessen Angebote und jeder Anbieter jeden Nachfrager sowie dessen Nachfrage kennt. Zwischenhändler, die nur dafür Geld kassieren, daß sie bestimmte Bezugsquellen kennen und diese nicht preisgeben, kann es in einem idealen Markt nicht geben. In der Realität treten solche Subjekte jedoch auf. Ein idealer Markt setzte auch voraus, daß man nicht auf Mogelpackungen, falsche Deklarationen oder Grenzwerte zum Beispiel bei der Verschmutzung mit Teilen genetisch veränderter Pflanzen hereinfällt, weil alle um den wahren Inhalt jeder Verpackung wüßten. Durch das Internet kann man sich heutzutage zwar gut informieren, aber es erfordert viel Arbeit, die die meisten Wirtschaftsteilnehmer nicht zu erbringen bereit sind. Ein schlauer Anbieter könnte sich auf dem realen Markt durch eine offenere Informationspolitik Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten verschaffen. Aber die meisten Anbieter gehen davon aus, daß diese Strategie keinesfalls gewürdigt werden würde.

Im idealen Markt gäbe es Vorteile dieser Art ohnehin nicht. Es gäbe auch keine Vorteile oder Nachteile durch unterschiedliche räumliche Entfernungen, durch unterschiedliche Geschäftszeiten oder durch die menschlichen Qualitäten der Anbieter oder der Nachfrager. Im realen Markt kauft man vielleicht lieber etwas von einem Freund als von einem Unbekannten, aber im idealen Markt gäbe es diese Bevorzugung nicht.

Beschäftigt sich ein Wirtschaftsteilnehmer mit Wirtschaftstheorien, um sich Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten zu verschaffen, dann wird er dann am meisten davon profitieren, wenn er sich vor allem mit den Unterschieden zwischen dem idealen Markt und realen Märkten befaßt. Abgesehen von den Verzerrungen durch die individuëllen Präferenzen der Marktteilnehmer gibt es noch weitere Marktverzerrungen, die durch die Gesellschaft und insbesondere durch Regierungen entstehen können. Ein Staat setzt Rahmenbedingungen, innerhalb deren sich eine Marktwirtschaft mehr oder weniger entfalten kann. Die Extremformen der Marktwirtschaft sind nur hypothetische Modelle, über die auch die Wirtschaftler wissen, daß sie nie in die Realität würden umgesetzt werden können.

Die eine Extremform ist der Sozialismus. Für dieses Gesellschaftsmodell müßte der Mensch eine andere Natur mitbringen als er das nunmal tut. Die andere Extremform ist die Freie Marktwirtschaft, die entgegen anderslautenden Gerüchten selbstverständlich genau wie der Sozialismus noch nie irgendwo in der Welt eingeführt wurde, weil das nunmal definitionsgemäß völlig unmöglich ist. Freie Marktwirtschaft würde bedeuten, daß es keinerlei Gesetze oder sonstige Regeln gäbe. Einen wirtschaftlichen Konkurrenten oder einen Gläubiger könnte man einfach töten ohne Strafe oder sonstige Konsequenzen befürchten zu müssen. Sobald das auch nur irgendjemanden störte, läge schon keine Freie Marktwirtschaft mehr vor. Auch das funktioniert offensichtlich nicht mit dem Menschen so wie er ist. Zwischen den beiden Extremformen unterscheidet man drei Abstufungen, die auch in der Realität auftreten. Näher am Sozialismus liegt die sogenannte Sozialistische Marktwirtschaft, die früher zum Beispiel in der Deutschen Demokratischen Republik realisiert wurde. Näher an der Freien Marktwirtschaft liegt die Liberale Marktwirtschaft, die in Nordamerika praktiziert wird. In der Mitte liegt die Soziale Marktwirtschaft, die von den meisten Europäern bevorzugt wird.

Verzerrungen durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen können die Theorien der Wirtschaftler ebenfalls nicht gut erklärt werden. Beispielsweise gehen die Theorien gerne davon aus, daß Arbeiter keine Ausbildung brauchen. Sobald eine Branche unrentabel wird, zum Beispiel weil ihr Produkt technisch veraltet ist, dann sollten nach der Theorie alle dort beschäftigten Arbeiter von jetzt auf sofort in eine andere Branche wechseln. Deswegen gibt es in der Theorie niemals Arbeitslose. Gäbe es innerhalb der sogenannten Wirtschaftswissenschaften tatsächlich Wissenschaftler, dann wären die Theorien natürlich schon lange an die Realität angenähert worden. Aber glücklicherweise steht es jederman frei, selbst wissenschaftlichere Theorien aufzustellen.

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