2009/05/26

Evolution I


Es sind viele Gerüchte über das Phänomen der Evolution in Umlauf. Eines lautet zum Beispiel, daß die Evolution eine Theorie sei. Mittels einer Theorie zieht man Schlußfolgerungen aus einer Beobachtung. Die sogenannte Evolutionstheorie hört jedoch bereits nach der Beobachtung auf. Evolution ist nichts weiter als eine Beobachtung. Die Evolution ist zwar aus der Biologie bekannt, aber ihr unterliegen nicht nur Lebewesen. Der Evolution unterliegen Ideen, Religionen, Rechtssysteme, Nanomaschinen, Sprachen und auch Lebewesen. Der Mensch unterliegt ebenfalls der Evolution. Evolution bedeutet Entwicklung. Der Begriff Evolution besagt, daß Entwicklungen zwangsläufig zu bestimmten Ergebnissen führen müssen. Diese Ergebnisse werden beobachtet. Unmögliche Entwicklungen werden nicht beobachtet. Das klingt selbstverständlich und ist es auch. Deswegen wird Evolution beobachtet. Nur durch die Verwechslung von Ursache und Wirkung kann der Eindruck entstehen, daß es sich bei der Evolution statt um eine Beobachtung um eine Theorie handele. Veränderungen von einer Generation auf die nächste werden Mutationen genannt. Woher solche Veränderungen kommen, kann die Evolution nicht erklären. Eine Theorie sollte das tun, aber es existiert keine Theorie darüber. Stattdessen geht man davon aus, daß alle solche Veränderungen durch Zufälle bedingt sind. Andersherum wird die Bezeichnung Mutation auch nur noch für eine zufällige Veränderung akzeptiert. Weil es Veränderungen von einer Generation auf die nächste gibt, läßt sich die Existenz unterschiedlicher Arten beobachten. Für die Beobachtung, daß nur bestimmte Arten sich entwickeln können, ist der Prozeß der Selektion verantwortlich. Die Selektionsprozesse sind der Untersuchungsgegenstand der Biowissenschaften. Das Zusammenwirken der beobachteten Selektionsprozesse mit den beobachteten Mutationen und die sich daraus zwangsläufig ergebende Entwicklung ist die Definition des Begriffs Evolution. Das ist die heutige Definition des Begriffs Evolution, die sich im Verlauf der Wissenschaftsgeschichte schon einige Male geändert hatte.

Es gibt zwei mögliche Ergebnisse des Evolutionsprozesses, die seitens der Biologen als Evolutionsstrategien bezeichnet werden. Sie heißen K (sprich: „groß Ka“) und r (sprich: „klein er“). Wüstenpflanzen sind ein Ergebnis der K-Strategie. Einerseits ist die Wüste eine so lebensfeindliche Umgebung, daß sowohl Freßfeinde als auch Konkurrenten verdursten, so daß die Wüstenpflanzen sich nicht um solche Kleinigkeiten zu kümmern braucht. Andererseits benötigen Wüstenpflanzen einige Anpassungen, um selbst in der Wüste überleben zu können. Diese Strategie setzt auf eine größere Kapazität, sich an Umweltbedingungen anzupassen. „K“ steht für Kapazität. Der Mensch ist ebenfalls ein Ergebnis der K-Strategie. „r“ ist die Strategie rascher Vermehrung. Die meisten Insekten sind Ergebnisse dieser Strategie. Sie bekommen innerhalb kurzer Zeit sehr viele Nachkommen, die brauchen wiederum nicht lange, um selbst wieder viele Nachkommen zu bekommen. Natürlich kann man dadurch beobachten, daß es sehr viele Mücken, Fliegen oder Ameisen auf der Welt gibt. Daraus folgt, daß die r-Strategie sehr erfolgreich ist. Durch die rasche Vermehrung können die Insekten auch große Verluste, beispielsweise durch Freßfeinde, leicht ausgleichen.

Alle erfolgreichen Ergebnisse der Evolution zeichnen sich dadurch aus, daß sie lange genug überleben, um sich fortzupflanzen. Dann müssen sie auch noch genügend Nachkommen bekommen, um alle eventuëll auftretenden Verluste auszugleichen. Die Fähigkeiten, die zu diesen beiden Bedingungen führen, werden als biologische Fitness bezeichnet. Dabei ist Fitness ein angelsächsisches Wort und unterscheidet sich in der Bedeutung vom deutschen Wort Fitneß. Das Hochdeutsche bietet natürlich für Fälle wie diesen an, einen Unterschied zwischen den Begriffen Fitneß und Biologische Fitneß zu machen.

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