2009/05/07

Die Bangui-Definition


Habt ihr je von der Bangui-Definition gehört? Statistiken über AIDS in Afrika und den Entwicklungsländern anderer Kontinente lassen vermuten, daß kaum jemand über die Bangui-Definition bescheidweiß. Die ist nämlich für die hohe Zahl der AIDS-Opfer verantwortlich. Ihr habt bisher gedacht, daß dafür doch ein Virus verantwortlich ist? Nun, da habt ihr falsch gedacht. Tatsächlich ist nicht ein Virus, sondern eine Definition, nur der Federstrich einiger Schreibtischtäter, dafür verantwortlich. Genau aus diesem Grund können Kondome, wie der Papst behauptet, tatsächlich nichts gegen AIDS ausrichten. Damit keine Mißverständnisse aufkommen, möchte ich gleich noch klarstellen, daß Kondome gegen die viel gefährlichere Syphilis durchaus zu empfehlen sind.

Wie schafft es eine Definition ganze Völker auszurotten? Die Bangui-Definition gibt vor ein bestimmtes Problem zu lösen. Das bestimmte Problem hat seine Ursache darin, daß es in Afrika fast gar keine gut ausgebildeten Ärzte gibt. Deswegen gibt es dort kaum Leute, die Krankheiten korrekt diagnostizieren können. Die Bangui-Definition soll angeblich Abhilfe schaffen, aber sie bringt keine Ärzte nach Afrika. Sie bringt niemanden nirgendwo hin. Stattdessen versucht sie das Problem auf einem ganz anderem Weg zu lösen. Während die Mediziner bei uns predigen, daß man niemandem Krankheiten wie AIDS ansehen kann, erklärt die von den gleichen Medizinern ausgearbeitete Bangui-Definition den Afrikanern und ebenso den Lateinamerikanern, woran sie AIDS-Kranke erkennen könnten. Laut der Definition ist das sogar ganz einfach. Versucht bitte trotzdem nicht, euch darauf zu verlassen. Es funktioniert so: Personen, die so krank sind, daß sie an Gewicht verlieren, sind als an AIDS erkrankt anzusehen. In Lateinamerika oder in Afrika ist also niemand magersüchtig oder leidet an Bulimie, sondern stattdessen leiden die Betroffenen immer gleich an AIDS. Für die Betroffenen noch ungünstiger ist es, daß man sie auch ohne Diagnose gerne mit Medikamenten volldröhnt, weil Medikamente selbst in den ärmsten Ländern leichter erhältlich sind als korrekte Diagnosen. In afrikanischen Ländern braucht man für die AIDS-Diagnose nach der Bangui-Definition nichtmal eine Waage. Wer bei uns an Gewicht verliert, betrachtet sich nicht als krank, sondern als erfolgreich. Die Bangui-Definition ist für die AIDS-Diagnose völlig untauglich. Aber unerwarteterweise löste sie ein ganz anderes Problem, nämlich das Problem des Hungers in Afrika. Wie konnte sie dieses Problem lösen?

Natürlich konnte sie auch dieses Problem nur auf dem Papier lösen. Weil Menschen, die nichts zu essen hatten, abmagerten und schließlich starben, in der Statistik der AIDS-Toten erfaßt werden, findet man sie nun nicht mehr in der Statistik der Hungertoten. Die Bewohner der armen Länder sterben zwar immernoch in gleich großer Zahl an den gleichen Ursachen wie bisher auch, aber aufgrund der Bangui-Definition wurden sie von einer Statistik in eine andere Statistik umgeschichtet. Problem gelöst. So würden das zumindest Bürokraten sehen. Vielleicht war das sogar die eigentliche Absicht, die von Anfang an hinter der Bangui-Definition steckte. Darüber kann und will ich kein Urteil abgeben. Aber es dürfte völlig klar sein, daß Kondome keinen einzigen AIDS-Toten verhindern können, weil sie nämlich nicht gegen Hunger helfen.

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