2009/05/03

Der virtuëlle Sinologe

Ich möchte euch eine Geschäftsidee meines Verfassers vorstellen. Das erlaubt der mir natürlich nur, weil er nicht glaubt, daß er damit selbst erfolgreich wäre. Viele Menschen versuchen heute Waren über das Internet zu verkaufen. Zum Beispiel sollen in China seit der Wirtschaftskrise täglich fünftausend neue Online-Shops entstehen. Auf der anderen Seite kaufen immer mehr Menschen Dinge über das Internet ein. Darüber gibt es eine Statistik. Jeder zweite Deutsche kauft schon über das Internet ein, die Hälfte von denen kauft Kleidung und die Zahl der Einkäufe über das Netz soll jährlich um ein Drittel steigen. Bücher, Computer und Zubehör werden ebenfalls sehr viel über das Netz verkauft. Einundzwanzig Prozent der österreichischen Unternehmen kaufen ebenfalls über das Netz ein.

Als Grund für den Einkauf über das Netz wird oft angegeben, daß man dadurch von den Öffnungszeiten unabhängig ist. Man kann auch Streß beim Einkaufen oder den Anfahrtsweg und die dafür verschwendete Zeit einsparen. Für die Geschäftsidee des virtuëllen Sinologen sind jedoch zwei weitere Gründe viel wichtiger. Es gibt viele Artikel, die man auf traditionellem Weg fast nicht finden und daher auch nicht bekommen kann, aber im Netz geht es so leicht wie mit jedem anderem Artikel. Für viele Käufer ist auch, wenn nicht vor allem, der letzte Grund wichtig. Online-Shops haben weniger feste Kosten und können daher oft günstigere Preise anbieten. Günstigere Preise sind oft ein Grund dafür, daß Waren aus China importiert werden. Das paßt gut zu den neu entstehenden, chinesischen Online-Shops. Weil die befürchten müssen, daß sie in China nicht genug Kunden finden können, haben die Betreiber sicherlich nichts dagegen, ihre Waren zu exportieren. Die meisten europäischen Käufer dürften jedoch damit überfordert sein, seinen Einkauf über eine chinesische Netzseite zu tätigen.

Hier kommt dann der virtuëlle Sinologe ins Spiel. Man durchsucht einfach die chinesischen Netzseiten nach Angeboten, die für Europäer interessant sein könnten. Dann präsentiert man deutsche Beschreibungen der Angebote auf einer eigenen Netzseite. Nur als Beispiel ein Link zu sexy Unterwäsche als chinesisches Sonderangebot. Wirklich nur als Beispiel. Als dieser Text geschrieben wurde, waren noch siebenundvierzig Stück vorrätig. Mit dem Vorstellen der fremdsprachlichen Angebote ist es natürlich noch nicht getan. Man muß die Geschäftsbedingungen der Anbieter ins Deutsche übersetzen und man braucht auf der eigenen Netzseite auch selbst eine Art Shop. Der muß vollständig in deutscher Sprache gehalten sein, so daß jeder Interessent immer genau weiß, wo er gerade draufklickt. Dann braucht man noch ein Skript, das jede Aktion, die im deutschsprachigen Online-Shop durchgeführt wird, zu der entsprechenden Funktion des chinesischen Online-Shops weiterleitet. Dieser Teil sollte sich leicht automatisieren lassen. Nur falls es Reklamationen geben sollte, hat man wieder etwas Arbeit mit der Übersetzung. Das Aussuchen der Angebote ist natürlich so zu verstehen, daß man sich dafür bezahlen läßt, der deutschsprachigen Kundschaft bestimmte Angebote vorzustellen. Einem Teil der Betreiber der Online-Shops werden zusätzliche Kunden die Investition wert sein, der andere Teil verursacht dem Sinologen keine Arbeit.

Natürlich will ich euch nicht verschweigen, warum mein Verfasser das nicht selbst durchzieht. Zunächst ist da das Problem, daß ein Skript benötigt wird, das bisher noch nicht existiert. Wenn mein Verfasser so etwas könnte, dann hätte ich eine seriösere URL. Das nächste Problem sind die häufig über das Netz verkauften Waren. Für Computer und Zubehör gibt es nur wenige Hersteller, die ihre Produkte sowieso weltweit vermarkten. Bücher werden ihrer Natur gemäß über die Sprachgrenzen hinweg keine Käufer finden. Kleidung wird zwar erstaunlich viel über das Netz verkauft, aber der durchschnittlich gewachsene Europäer kann sich auf keinen Fall in chinesische Kleidung von der Stange zwängen. Die Chinesen sind nicht nur kleiner als die Europäer, sondern auch von Natur aus dünner. Es bliebe noch die Möglichkeit das Geschäftsmodell mit einer anderen Sprache als dem Chinesischen umzusetzen. Aber andere Asiaten sind noch kleiner als die Chinesen. In Europa wird hauptsächlich in Deutschland produziert und von Deutschland aus exportiert, außerdem gibt es in Europa nur noch wenig Textilindustrie. Deswegen gibt es in Europa keinen Bedarf für das Geschäftsmodell. Man könnte es für Einkäufe in nordamerikanischen Online-Shops verwenden, aber da dürfte es sehr schnell sehr viel Konkurrenz geben und viele Käufer würden gar keine Hilfe brauchen. Sollte jedoch irgendjemand eine Möglichkeit sehen, dieses Geschäftsmodell anzuwenden, dann darf er das gerne tun. Natürlich dürfte es alle Leser dieses Textes interessieren, wenn das funktionierend umgesetzt wurde, daher wird darum gebeten, hier darüber zu informieren.

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