2009/05/20

Astromagie II


Das erste Werkzeug der Astromagie ist die Elektion. Darunter versteht man, daß man nicht erst irgendeine Aktion durchführt und hinterher darüber jammert, daß nichts so klappt wie es geplant war, sondern sich vorher die möglichen astrologischen Konstellationen ansieht und dann den Zeitpunkt so auswählt, daß das eigene Projekt unter einem guten Stern steht. Bevor er mich ins Netz gestellt hat, hat mein Verfasser so eine Elektion durchgeführt. Deren Erklärung wurde bereits im zweiten Eintrag des Blökes angekündigt. Deswegen soll sie hier als Beispiel dienen.

Der im zweiten Eintrag als verschwunden bezeichnete erste Eintrag ist wieder aufgetaucht, weil Google-Blogspot den wieder unter den Entwürfen abgelegt hatte. Wie ihr sicher bemerkt habt, steht der erste Eintrag, in dem ich mich vorstelle, wieder an erster Stelle. Am Eintrag ist das Datum und die Uhrzeit des ersten Veröffentlichungsversuchs vermerkt. Google-Blogspot ordnet die Einträge nach der Reihenfolge der Entwürfe an, der neueste Eintrag steht dabei immer oben und anscheinend gibt es keine Möglichkeit, die Reihenfolge zu verändern. Deswegen können wir wahrscheinlich davon ausgehen, daß das am ersten Eintrag vermerkte Datum und die Uhrzeit als Datum und Uhrzeit meiner Geburt anzusehen ist. Es handelt sich um Donnerstag, den 30. April 2009, um 20:07 Uhr US-Pazifikzeit. Der dazugehörige Geburtsort ist Mountain View, Kalifornien, USA. Das ist einer der Zeitpunkte, auf den mein Verfasser bereits vorher ein Horoskop erstellt hatte. Er mußte die Horoskope der verschiedenen Zeitpunkte miteinander vergleichen und dasjenige auswählen, das mir den besten Start ins Leben versprach.

Am wichtigsten bei jeder Elektion ist die Festlegung der Aszendenten-Deszendenten-Achse. Um einen bestimmten Aszendenten auszuwählen, muß man die Aktion, für die die Elektion durchgeführt wird, zum dazugehörigen Zeitpunkt durchführen. Der Aszendent repräsentiert immer die Aktion oder das Geschäft, für die die Elektion durchgeführt wird. Der Deszendent repräsentiert bei einem Geschäft die Kunden. In meinem Fall repräsentiert er die Leser, also euch. Für den Erfolg ist deswegen eine harmonische Beziehung zwischen Aszendent und Deszendent wichtig. So eine harmonische Beziehung wird durch einen harmonischen Aspekt zwischen dem Aszendentenherrscher und dem Deszendentenherrscher angezeigt. Weil sich Aszendent und Deszendent zwangsläufig gegenüberliegen, gibt es nur vier mögliche Herrscherpaare. Das sind Jupiter und Merkur, Mars und Venus, Sonne und Saturn oder Mond und Saturn. Für den Bereich Literatur, Wissenschaft und Bildung, zu dem ich mich zähle, wäre das Paar Jupiter und Merkur angemessen. Aber Jupiter und Merkur standen im Quadrat und noch spannungsgeladener könnte der Aspekt zwischen ihnen nicht sein. Daher schieden Schütze, Zwillinge, Fische und Jungfrau als Aszendentenzeichen aus. Den Saturn würde man vielleicht für die Eröffnung einer Anwaltskanzlei wählen, aber sonst eher meiden. Jedoch muß bei Elektionen oft die Krebs-Steinbock-Achse und damit das Herrscherpaar Mond und Saturn gewählt werden, weil der Mond einmal im Monat durch den ganzen Tierkreis läuft und deswegen mit diesem Herrscherpaar innerhalb eines Monats ein guter Termin gefunden werden kann, während man sonst vielleicht ein ganzes Jahr warten muß. Das Warten ist das Schwierigste bei der Anwendung einer Elektion. Bei meiner Geburt standen Venus und Mars in Konjunktion. Damit würden ihr und ich am selben Ort und deswegen, hoffentlich, auf der selben Seite stehen. Deswegen wurde für mich der Skorpion als Aszendent ausgewählt. Der Sex-Appeal der Skorpione ist berühmt, die Venus hat gerade eine Konjunktion mit dem Uranus hinter sich und die Konjunktion mit dem Mars ist noch nicht exakt. Uranus und Venus zusammen versprechen überraschend freundliche Besucher. Das scheint eine ideale Konstellation zu sein.

Es gibt auch Argumente dafür, bevorstehende Konjunktionen zu meiden. Sie bedeuten nämlich auch, daß etwas zu ende geht. Aber das Netz ist ohnehin ein schnellebiges Medium, deswegen bereitete die bevorstehende Konjunktion meinem Urheber keine großen Sorgen. Der Saturn stand im Trigon zur Sonne. Das hätte für die Achse Löwe-Wassermann gesprochen, denn besser als ein Trigon kann man es nicht treffen. Aber dann wäre die Hausposition des Saturn ungünstig gewesen. Saturn bedeutet immer etwas Unangenehmes, aber natürlich kommt er trotzdem in jedem Horoskop vor. Deswegen sollte man bei einer Elektion überlegen, in welchem Haus Saturn am wenigsten schadet. Saturn sollte nicht im siebten Haus stehen, deswegen steht er in meinem Horoskop im zehnten Haus, dort sorgt er dafür, daß ich nur in einem kleinem Kreis Bekanntheit erlangen werde und die auch noch hart erarbeitet werden muß. Das dürfte ohnehin das Schicksal aller der Bildung gewidmeten Projekte sein, die nie nur wegen ihrer Berühmtheit berühmt sein können. In meinem Horoskop gibt es ausschließlich harmonische Aspekte zum Saturn, nämlich ein Sextil mit dem Mond und das Trigon mit der Sonne. Das könnte noch wertvoller als eine gute Hausposition des Saturn sein. Die zunehmende Phase des Mondes, wie in meinem Horoskop, ist generell günstig, um etwas aufzubauen. Der Mond stand außerdem noch im Trigon zum Aszendenten.

Dann sollte man noch die rückläufigen Phasen der Planeten vermeiden, jedoch gibt es nur wenige Tage im Jahr, an denen kein Planet rückläufig ist. In meinem Horoskop sind nur die langsam laufenden Planeten Saturn und Pluto rückläufig. Die Hauspositionen des Pluto und des Neptun, manchmal auch des Mars, könnten sich ebenfalls negativ auswirken. Das mußte bei der Wahl des Aszendenten ebenfalls berücksichtigt werden. Neptun stand in Konjunktion mit Jupiter und beide im Quadrat zum Merkur. Jupiter, von dem wir normalerweise nur gute Einflüsse erwarten, wurde direkt an der Himmelstiefe und Pluto im zweiten Haus placiert. Darüber hinaus konnte durch die geschickte Auswahl des Aszendenten auch noch dafür gesorgt werden, daß es keine harten Aspekte zu den Achsen gibt. Außer dem bereits erwähnten Quadrat zwischen Merkur und Jupiter gab es noch eines zwischen Venus und Mars auf der einen und Pluto auf der anderen Seite.

Das elfte Haus ist das Haus der Freunde, aber auch der sich unter ihnen versteckenden Feinde. Deswegen sollte Neptun nicht dort stehen. Das elfte Haus wurde leer gelassen. Dadurch wird dessen Herrscher wichtiger. Das ist Merkur, der im siebten Haus steht. Das siebte Haus zeigt an, wer mir hier begegnen wird. Merkur paßt sehr gut zu Kommunikationsplattformen.

Sieht man sich die Verknüpfungen aller Herrscher in meinem Horoskop an, dann wird man feststellen, daß die Venus ganz oben steht und nur wenige Planeten nicht von ihr regiert werden.

Man könnte sich noch viel mehr Horoskopfaktoren betrachten, aber dann wird man gegen jeden Zeitpunkt Argumente finden. Eine Elektion durchzuführen bedeutet zwischen verschiedenen Zeitpunkten abzuwäägen. Mein Horoskop dürfte ein Beispiel für eine gelungene Elektion sein, obwohl man immer etwas übersehen haben kann. Aber auch das Schicksal kann einen Strich durch die Rechnung machen.

Claudia von Schierstedt verwendet in ihrem Buch über Elektionen das Beispiel der Abfahrt der unter spanischer Flagge segelnden Santa Maria als sie aufbrach, um eine Westroute nach Indien zu finden. Der Bordastrologe, in dem Fall der vom spanischen Königshof finanzierte Portugiese Cristobal Columbus höchstpersönlich, hatte eine Elektion berechnet. Das war damals vor der Erfindung des Computers wesentlich komplizierter als heute. Auf jeden Fall dauerte es länger und dadurch ließen sich weniger Zeitpunkte miteinander vergleichen. Trotzdem fand er einen einigermaßen guten Zeitpunkt für die Abfahrt. Dann jedoch mußte die Santa Maria auf Anweisung der Hafenbehörde zwei Stunden früher als geplant auslaufen. Dadurch stand der Saturn noch im siebten Haus. Bei einer Reise kann das nur bedeuten, daß man unterwegs auf große Hindernisse stoßen wird, die einen vielleicht sogar daran hindern, die Reise fortzusetzen. Deswegen gab Cristobal Columbus den Befehl direkt vor dem Hafen zu ankern. Dort wartete er dann zwei Stunden lang bis der Saturn endlich untergegangen war. Dann setzte das Schiff die Reise fort. Dennoch war der maßgebliche Zeitpunkt der des Verlassens des Hafens gewesen. Konsequenterweise wurde die Westroute nach Indien dann von einem ganzen Kontinent blockiert, der einfach so im Weg lag! Andererseits hatte Cristobal Columbus dabei auch Glück, denn seine Mannschaft stand bereits kurz davor zu meutern, weil sie schon so lange unterwegs waren ohne auf Land zu treffen.

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